29.06.2017, 00:00 Uhr

Grafitti mit Message in der Hafengalerie

Karski & Beyond haben Gerhard Haderer und Marie Edwige Hartig in einem bunten Porträt verewigt. (Foto: Mural Harbor)

Sozialkritische Themen beschäftigen viele Streetart-Künstler derzeit. Das schlägt sich auch im Linzer Mural Harbor nieder. Dort wurde auch zwei Linzern eine große Ehre zuteil.

Brexit, Trump, Fake News, Rechtsruck, Polarisierung und Armut gehen auch an den Graffiti-Künstlern nicht spurlos vorbei. "Im Gegenteil: Sie haben offenbar das akute Bedürfnis, sich zu äußern", sagt Leonhard Gruber. Der Gründer des "Mural Harbor" beobachtet in letzter Zeit, dass in der Hafengalerie vermehrt sozialkritische und politische Bilder entstehen. "Die Artists haben völlige künstlerische Freiheit und haben mich in letzter Zeit oft überrascht", so Gruber.

Überlebensgroße Porträts

Zwei Linzern wurde in der Hafengalerie eine ganz besondere Ehre zuteil. Die beiden Holländer Karski & Beyond malen in ihrem aktuellen Zyklus immer Menschen aus der jeweiligen Stadt, und zwar am liebsten Personen, die sozial engagiert sind und die Schwächen unserer Gesellschaft kritisieren. "Aus einer Liste von Vorschlägen haben sie für Linz Karikaturist Gerhard Haderer und die Grünen-Politikerin Marie Edwige Hartig ausgewählt", sagt Gruber. Beide wurden in einem bunten, mehrere Meter hohen Porträt verewigt. Der Einsatz von Karski&Beyond für Menschenrechte ist nicht nur ein künstlerischer Ansatz: Vor ihrem Linz-Besuch waren sie zum dritten Mal in Zimbabwe, um mit Waisenkinder in einem Township zu malen, und das im Land von Mugabe, dem blutigsten Diktator Afrikas. Direkt, nachdem sie ihr Bild in Linz fertiggestellt haben, wurden sie mit dem "Dutch Streetart Award" ausgezeichnet.

Geld und Medien

Graffiti mit Botschaft gibt es auch von "Fresh Mäx". Der junge Oberösterreicher hat es auf die großen Marken und die Geldwirtschaft abgesehen. Während und direkt nach dem Putschversuch in der Türkei versuchte er, dort eine Ausstellung zu organisieren. "In seiner neuen Klamotten-Kollektion verwendet er auf unverschämte, und wohl markenrechtlich illegale Weise die Logos großer globaler Konzerne." In seinem neuen Mural in Linz verarbeitete er diese Thematik mit einem wilden Mix von biblischen Referenzen bis zum Sparefroh. Der polnische Artist NDZWDZ war kürzlich bereits zum zweiten Mal in Linz zu Gast. Er hinterließ ein Mural rund um die Themen Information, Old versus New Media und Fake News.

Armut und Krieg

In Sao Paulo, der brasilianischen Heimatstadt von Thiago Vaz aka Los Primus, ist der Graffiti-Stil "Pixacao" als Protestbewegung entstanden. Der Malstil ist simpel und einfärbig, aber die Pixadores klettern dabei auf die gefährlichsten Gebäude und Brücken, meist ungesichert. Deshalb gibt es immer wieder Unfälle und auch Tote. Los Primus malt in erster Linie politische Bilder. "Auch das Mural in Linz zeigt ein reiches Paar, das von vielen Armen bedient wird – die Realität von Brasilien: Es gibt keine Mittelschicht, nur arm und reich", erklärt Gruber. Auch Saci Urbano stammt aus Sao Paulo. Sein Bild zeigt einen indigenen Brasilianer, gemalt im traditionellen Folklore Stil, der versucht, mit einem Leintuch eine Bombe aufzufangen. Der Künstler beschrieb seine Arbeit als "A message of peace", so Gruber.

Mehr Infos zum Mural Harbor gibt's auf muralharbor.at. Hier können auch Führungen, Bootstouren und Workshops gebucht werden.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.