12.06.2017, 09:09 Uhr

"Grillverbot führt zu Eskalationen"

Die Müllberge nach den Grillereien am Pleschinger See sind dem Steyregger Gemeinderat ein Dorn im Auge. Foto: Steyregg

Am 22. Juni soll ein Grillverbot für den Pleschinger See beschlossen werden, Bürgermeister ist dagegen.

STEYREGG (jog). Koteletts, Käsekrainer, Hühnerspieße oder Ripperl – die "Fleischanbetung" auf dem Griller erfreut sich in den Sommermonaten besonderer Beliebtheit. Obwohl das Grillen gesetzlich ganzjährig erlaubt ist, sorgt es im eigenen Garten oder auf dem Balkon oft für heftiger Nachbarschaftsstreitigkeiten. An öffentliche Plätze auszuweichen, ist in der Stahlstadt nur sehr eingeschränkt möglich. Gegrillt werden darf nur an zwei Plätzen: in St. Margarethen und am Pleschinger See. Rund um den eigentlich auf Steyregger Gebiet befindlichen Badetreff wurde in den vergangenen Wochen intensiv diskutiert.

"Mehr öffentliche Grillplätze auf Linzer Stadtgebiet würden die Situation sicher entschärfen."

Johann Würzburger, Bürgermeister Steyregg

"In den letzten Jahren kam es zu einer starken Zunahme der Grilltätigkeiten am Pleschinger Badesee. Die Konsequenz davon waren massive Verkehrsbehinderungen im Bereich der Zufahrt des Badesees, hinterlassene Müllberge, hunderte Meter weit sichtbare Rauchschwaden sowie Feuerwehreinsätze aufgrund hinterlassener offener Feuer oder Glutnester", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Gemeinderatsfraktionen SPÖ, ÖVP, FPÖ und der Bürgerlisten IST und BPS.


Bürgermeister gegen Verbot

Am 22. Juni könnte der Steyregger Gemeinderat endgültig ein Grillverbot beschließen. Bereits in der Sitzung vom 27. April wurde mit einer klaren Mehrheit eine ortspolizeiliche Verordnung erlassen, mit der das "Grillen auf der öffentlich genutzten Liegewiese am Badesee" untersagt wird. Einzig die Fraktion von Bürgermeister Johann Würzburger, die SBU, stimmte dagegen. "Natürlich bin ich verpflichtet, die Verordnung des Gemeinderats umzusetzen, dennoch hoffe ich, dass ich die Meinung der Mitglieder noch ändern kann. Mit der Durchsetzung des Verbots sind viele Fragezeichen verbunden. Man müsste vermutlich einen eigenen Ordnungsdienst ankaufen. Ein Verbot führt sicher zu Eskalationen", sagt Würzburger. Kommt es tatsächlich zu einem Verbot, muss die Stadtgemeinde selbst dieses dann auch exekutieren. Die Linz AG ist als Badesee-Erhalter nicht verantwortlich und spricht sich auch gegen ein Verbot aus. Die Verordnung muss jedenfalls öffentlich ausgehängt werden, nach 14 Tagen – in diesem Fall Mitte Juli – würde sie in Kraft treten.

Grillzonen statt Verbot

Die Linzer FPÖ unterstützt das Verbot. Auch weil es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen Menschen verschiedener kultureller Herkunft kommen würde. "Diese Auseinandersetzungen treten jeden Sommer aufs Neue in einer Frequenz auf, die die Erholungsanlage Pleschinger See entwertet", sagt Günther Kleinhanns von der Linzer FPÖ. Die Linzer ÖVP macht sich stattdessen für ein Maßnahmenpaket stark. Klubobmann Martin Hajart: „Der Pleschinger See ist das grüne Wohnzimmer für viele Linzer. Die Probleme könnten mit einer Verkleinerung der Grillzone, fix installierten Top-Grillplätzen, einem Verkehrs- und Parkplatzkonzept sowie Kontrollen der Grill-Regeln eingedämmt werden.“ Würzburger würde sich mehr Grillplätze in Linz wünschen, um die Situation zu entlasten. Vorschläge unterschiedlicher Fraktionen, das Donauufer im Bereich des Urfahraner Jahrmarktgeländes, den Wasserwald oder das Traunufer in Ebelsberg zu öffnen, wurden bislang abgeschmettert.


Zur Sache:

Grillzonen werden in den Landeshauptstädten sehr unterschiedlich geregelt:
• Wien: Alleine auf der Donauinsel gibt es zwei Zonen, in denen Grillen erlaubt und gratis ist. 16 fixe Holzkohlengrillplätze sind eingerichtet, die ganzjährig nach vorheriger Reservierung und gegen eine Gebühr von zehn Euro gemietet werden können.
• Graz: Im erweiterten Stadtgebiet existieren zwei öffentliche Grillplätze. Grillen im eigenen Garten oder am Balkon ist praktisch unmöglich. Es gelten die strengen Vorschriften des Steiermärkischen Feuer- und Gefahrenpolizeigesetzes.
• Salzburg: Die Mozartstadt hat kürzlich am Glanspitz den ersten öffentlichen Grillplatz als Pilotprojekt eröffnet. Hier darf nur mit Holzkohle oder Holzbriketts hantiert werden, offene Feuerstellen sind verboten. Der Grill muss selbst mitgebracht werden und Abfall selbst entsorgt werden.

Kommentar

Grillen – vielleicht der perfekte Ausgleich für den immer mobilen und ewig gestressten Städter. Gechillt mit einem Bier ums Feuer herumstehen, über die richtige Anzündetechnik für Kohle fachsimpeln und Fleisch langsam beim Garwerden zuschauen. Ganz archaisch, ohne jeden Schnickschnack. Grillen ist viel mehr als nur Lebensmittelzubereitung, es ist ein gesellschaftliches Ereignis, das Menschen unterschiedlicher Generationen und Kulturen zusammenbringt und Gemütlichkeit versprüht. Es wäre schade, wenn den Linzern diese Möglichkeit am Pleschinger See genommen wird. Dass es in diesem Zusammenhang viele Baustellen, wie Müllberge oder das Verkehrschaos an Badewetter-Tagen gibt, ist nicht von der Hand zu weisen. Mit Grillgenehmigungen, Kautionen oder fix installierten Grillanlagen würden sich sicher einige Probleme in Rauch auflösen. Gebühren wie auf der Donauinsel in Wien sind aber der falsche Weg. Gerade Grillenthusiasten, die keinen eigenen Garten haben, würde es hart treffen.
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