24.10.2016, 10:34 Uhr

Insekten am Teller: Großes Krabbeln ist Zukunftsmusik

Patrick Grüll setzt in seinem Feinkostladen auf ausgesuchte Qualitätsware aus verschiedenen Teilen der Erde. Foto: BRS

Bei Lebensmitteln der Zukunft ist der Wurm drin: Insekten könnten bald unseren Speiseplan erweitern.

LINZ (jog). Insekten auf dem Speiseplan – das ist nicht nur ausgefallen und chick, sondern soll nebenbei auch noch den Planeten retten. Angesichts einer immer größer werdenden Weltbevölkerung und immer knapper werdender Ressourcen könnten Heuschrecken, Maden und Co. tatsächlich der Schlüssel zur Sicherung der Welternährung sein. Ökologisch gesehen bietet die Insektenzucht gegenüber herkömmlicher Viehhaltung viele Vorteile: "Insekten benötigen wenig Platz zur Zucht und geben kaum CO2-Emissionen ab, weil für sie keine Futtermittelanlagen gebaut werden müssen und sie wenig Abfälle produzieren. Für ein Kilo Insekten wird außerdem lediglich ein Liter Wasser benötigt. Im Gegensatz dazu braucht man für ein Kilogramm Schweinefleisch etwa 5.000 Liter, für Rindfleisch sogar 15.500 Liter Trinkwasser", sagt Henry Jäger, Professor am Institut für Lebensmitteltechnologie an der Universität für Bodenkultur in Wien. Er hat kürzlich beim "8. qualityaustria Lebensmittelforum" in Linz über Lebensmittel der Zukunft referiert.


Noch keine Standards

"Für den Zucht- und Verarbeitungsprozess von Insekten gibt es noch keine Richtlinien und Standards, welche die Lebensmittelsicherheit gewährleisten. Auch sind mögliche Allergien durch den Verzehr bisher kaum erforscht", so Jäger. Der Verarbeitung sind allerdings keine Grenzen gesetzt: entweder frittiert, zerstampft, als Pesto, im Burger oder als süßes Dessert. Bei Patrick Grülls Feinkost-Laden in der Bethlehemstraße stehen Heuschrecken, Maden oder Heimchen schon von Anfang an auf dem Speiseplan: "Insekten sind ein toller Eiweiß-Lieferant, damit alleine werden wir aber die künftigen Probleme in der Lebensmittelproduktion nicht beseitigen können. Es muss ein Umdenken stattfinden. Der Fleischkonsum in Europa ist gigantisch", so Grüll. Der 26-jährige gelernte Restaurantfachmann hat sich vor mehr als einem Jahr in Linz selbstständig gemacht und bietet in seinem Laden nicht nur außergewöhnliche Lebensmittel an, sondern verspricht auch besondere Qualität.

Weite Wege gehen

"Wir sind heute sehr bequem, und das auf Kosten der Qualität. Wer hochwertige Lebensmittel will, muss auch mal weitere Wege in Kauf nehmen und mehrere kleine Läden aufsuchen. In Linz gibts wirklich viele Produzenten und Händler, die sensationelle Produkte anbieten, man muss sie nur suchen", so Grüll. Insekten findet man bislang allerdings äußerst selten in Linzer Einkaufsregalen, auch weil sie noch sehr teuer sind: 40 Gramm Buffalowürmer kosten im Online-Shop "insektenessen.at" neun Euro. In den nächsten zehn bis 15 Jahren wird sich demnach nicht wesentlich verändern, was wir auf dem Teller haben, wohl eher woher es kommt. "Konsumenten der Zukunft interessiert die Story hinter ihrem Essen. Transparente Erzeugung wird immer wichtiger, personalisierte Ernährung nimmt vor dem Hintergrund von Allergien und stärkerem Gesundheitsbewusstsein sicher zu", sagt Wolfgang Leger-Hillebrand, Prokurist für Lebensmittelsicherheit von Quality Austria.
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