26.04.2016, 00:00 Uhr

Kleine Kunstwerke aus Kopierpapier

Lorenz, Paul und Moritz (v. l.) sowie Tobias (nicht am Bild) stecken hinter FALTGenial.
Drei junge Burschen falten aus kleinen Papierschnipseln immer wieder die gleiche Figur – so schnell, dass man die einzelnen Schritte kaum nachvollziehen kann. Die kleinen, bunten Dreiecke, die daraus entstehen, stecken sie zu einer langen Schlange zusammen. Was dann daraus wird, versetzt Besucher auf Kunst- und Adventmärkten in der Region regelmäßig in Staunen. Die beiden Brüder Moritz und Lorenz sowie ihr Freund Paul zaubern daraus 3D-Figuren in allen Formen und Größen – von Knospen über Schwäne bis zu Comic-Figuren.

Aus Schulprojekt wird Leidenschaft

Angefangen hat alles mit Tobias (19), dem älteren Bruder von Lorenz und Moritz, und dem vierten im Bunde von "FALTGenial". Dieser musste vor sechs Jahren im Geometrie-Unterricht einen Stern dreidimensional darstellen und machte dies mit einer speziellen Origamitechnik. Mit seiner Begeisterung fürs Falten steckte er auch seine Brüder und dessen Freund Paul an. Die Sterne wurden rasch langweilig und auf der Suche nach neuen Herausforderungen entdeckten die Freunde 3D-Origami. "Damit kann man auf leichtem Weg viele verschiedene Figuren darstellen. Es ist so ähnlich, als würde man sich seine eigenen Lego-Steine machen, aus denen man dann etwas baut", erklärt Moritz (16), der die BAKIP in Linz besucht.

Fingerfertigkeit

Beim klassischen Origami wird eine Figur aus einem Blatt Papier gefaltet. Anders beim 3D-Origami. Die Burschen nehmen zuerst ein Blatt handelsübliches Kopierpapier. "Wäre das Papier dicker, könnte man es nicht mehr so einfach falten und die Figuren wirken aufgebläht", sagt Paul (14). Das Papier müssen sie oft in einem Spezialgeschäft kaufen, denn Farben wie Schwarz sind nur schwer erhältlich. Anschließend wird das A4-Format mit der Schneidemaschine in 32 gleich große Einzelteile geschnitten. Diese werden in neun Schritten zu Dreiecken gefaltet. "Das Falten machen wir oft beim Fernsehen, hinschauen müssen wir kaum noch", so Lorenz (14).

Mehr als 50.000 Einzelteile

In einer Schachtel werden die fertigen Dreiecke aufbewahrt, um später in realistische Figuren zusammengesteckt zu werden. Mindestens 50 Teile braucht man dafür. "Unsere größtes Projekt, ein Auto, besteht aus rund 1600 Einzelteilen", so Lorenz. Räumliche Vorstellungskraft und viel Geduld braucht es, bis die Kunstobjekte fertig sind. Kleber ist dabei übrigens verpönt. Während sich die Burschen für ihre ersten Projekte noch Anleitungen aus dem Internet geholt haben, entwerfen sie inzwischen lieber selbst und verfeinern dabei ihre Technik. Am Computer führen sie fein säuberlich Buch über alle Figuren, inklusive der Stückzahlen aller verwendeten Einzelteile. "Unsere Sammlung umfasst inzwischen rund 163 unterschiedliche Entwürfe, die aus mehr als 50.000 Teilen bestehen", so Paul. Derzeit arbeiten sie an einem Iron Man – "das wird vielleicht die größte Figur, die wir je gemacht haben", sagt Lorenz.

Verkauf am Kunstmarkt

Aber auch Auftragsarbeiten, etwa für die Papierfirma Smurfit Kappa oder für das Oktoberfest der Ärztekammer OÖ, haben die Freunde schon umgesetzt. Am meisten zu tun haben die vier im Advent, denn sie verkaufen ihre kleinen Kunstwerke auf den Adventmärkten. "Viele bleiben stehen und sehen sich unsere Arbeiten genauer an. Alle fragen, ob wirklich alles aus Papier ist und ob wir die Figuren selbst gemacht haben", erzählt Moritz. Das nächste Mal kann man die Objekte von FALTGenial beim Kunstmarkt in Puchenau am 30. April ab 10.30 Uhr am Marktplatz bewundern und auch kaufen.
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