05.10.2016, 20:00 Uhr

"Man fängt nicht als Prinzessin in der Werkstatt an"

Chef Max Sonnleitner ist stolz auf seine engagierten Lehrlinge.
Allein unter Männern, Alina Schlüsselberger kennt das gut. Die langen, blonden Haare hat sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Sie steht in der Werkstatt von Sonnleitner in Linz, trägt einen Blaumann und ein T-Shirt, die Hände sind schwarz. Die 20-Jährige schnappt sich einen Schlagschrauber und beginnt, die Schrauben an einem Reifen zu lösen. Schlüsselberger ist Kfz-Mechanikerin im zweiten Lehrjahr. Dass sie einmal einen technischen Beruf ausüben will, hat sie schon früh gewusst. "Wenn man sich wirklich für etwas interessiert, lernt man es auch leicht. Für mich waren es eben Motoren und die handwerkliche Arbeit." Diese Hartnäckigkeit hat auch ihren Chef, Max Sonnleitner, überzeugt: "Unsere Lehrlinge sind sehr zielstrebig und gerade weibliche Lehrlinge werden im technischen Umfeld oft unterschätzt. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass weibliche Lehrlinge für die Automobilbranche genauso gut geeignet sind wie ihre männlichen Kollegen."

Lehrling mit Selbstvertrauen

Im August startete Schlüsselberger ihre Lehre. Es ist bereits die zweite. Die 20-Jährige ist bereits ausgebildete Konstrukteurin. "Aber ich wollte nicht mein Leben lang im Büro sitzen." Daher schrieb die 20-Jährige noch einmal Bewerbungen. Weil es im Motorradbereich nur wenige freie Stellen gibt, entschied sich die begeisterte Zweirad-Fahrerin für eine Lehrstelle in der Autowerkstatt. Bei Sonnleitner konnte sie aufgrund ihrer bisherigen Ausbildung direkt im zweiten Lehrjahr einsteigen. Die verantwortungsvolle Aufgabe in der Werkstatt meistert der Lehrling mit viel Selbstbewusstsein. "Es liegt an deiner Arbeitseinstellung und deinem Verhalten, wie viel du in der Lehre machen darfst. Das meiste darf ich schon alleine machen, manches wird nachkontrolliert. Vieles bekommt man mit der Zeit ins Gefühl."

Anderes Klima

Sieben Lehrlinge arbeiten derzeit in der Werkstatt, zwei davon Mädchen. Den lockeren Umgang unter den Kollegen schätzt Schlüsselberger besonders. "Das Klima ist ganz anders als im Büro, nicht so streng und verklemmt. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen ist lustig. Natürlich muss man als Frau ein größeres Mundwerk haben. Wenn man hier auf Tussi macht, funktioniert das nicht. Aber man fängt als Prinzessin auch nicht in einer Werkstatt an." Der Zusammenhalt ist für die Arbeit in der Werkstatt besonders wichtig. "Als Kfz-Mechaniker trägst du viel Verantwortung. Der Motor ist eine heikle Angelegenheit. Da muss man wissen, was man tut. Schließlich geht es gleich einmal um ein paar 1.000 Euro."

Mit Fachwissen punkten

Schlüsselberger will daher mit Fachwissen überzeugen. "Die Autos haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert, es wird viel mehr Elektronik verbaut. Daher habe ich mich entschieden, das Zusatzmodul Systemelektronikerin zu machen. Damit ist es mir später möglich, Messungen vorzunehmen und elektronische Fehler zu beheben." Auch Weiterbildungen und Kurse stehen schon fest auf dem Plan, etwa für die Arbeit an Elektroautos, für die es eine Spezialausbildung braucht. "Wir sind besonders stolz auf unsere Lehrlinge, die etwa 20 Prozent unserer Mitarbeiter ausmachen. Diese jungen, engagierten Menschen sind unsere Fach- und Führungskräfte der Zukunft. Besonderen Wert legen wir daher auf eine praxisorientierte Ausbildung", erklärt Sonnleitner, warum im Betrieb laufend spezielle Schulungen für Lehrlinge angeboten werden.

Mit Leidenschaft dabei

Dass Mädchen Kfz-Mechanikerinnen werden und in der Werkstatt arbeiten, ist in Österreich noch nicht gang und gäbe. Ein Großteil der Mädchen entscheidet sich für einen von nur drei Berufen: Friseurin, Büro- oder Einzelhandelskauffrau. Schlüsselbergers Umfeld hat ihre ungewöhnliche Berufswahl dennoch unterstützt: "Ich habe schon immer alles ausprobiert. Ich habe Ballett und HipHop getanzt, war kickboxen und beim Eishockey. Ich bin kein typisches ,Mannsweib’ und schminke mich in meiner Freizeit. Aber das Technische war schon immer das Meine. Und das Wichtigste sind nun mal Interesse und Leidenschaft für den Beruf."
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