17.11.2016, 09:33 Uhr

"Mehr Parkplätze führen zu Stau"

Geht es nach Stadtrat Hein, könnten schon 2017 Tagesgebühren für das Urfahrmarktgelände eingehoben werden. Foto: Foto: PTU/Bertlwieser

Stadt Linz möchte das Parken in der Stadt künftig unattraktiver machen, Pendler protestieren.

LINZ (jog). 110.000 Menschen pendeln täglich zur Arbeit oder zum Studium in die Landeshauptstadt, das sind mehr als die Hälfte ihrer Einwohner. 75 Prozent fahren dabei mit dem Auto, durchschnittlich sitzen 1,1 Personen im Fahrzeug. Zahlen, die Verkehrsstadtrat Markus Hein zu einer vehementen Pendler-Politik veranlassen. Ein Konzept, nachdem für den bislang kostenfreien Parkplatz am Urfahrmarktgelände ab 2017 eine Tagesgebühr von bis zu drei Euro eingehoben werden soll, lässt die Wogen hochgehen, besonders bei Pendlern aus dem Mühlviertel. „In der Linzer Verkehrspolitik muss man auch den Mut haben, unpopuläre Maßnahmen umzusetzen. Es geht darum, die Lebensqualität der Linzer Bevölkerung zu halten", sagt Hein. Als "Abzocke" bezeichnet Nationalratsabgeordneter Michael Hammer (ÖVP) das Vorhaben. Er ist Sprecher der neu formierten Mühlviertler Pendlerallianz. Der Vorschlag einer Gebühr ist nicht neu, zuletzt wurde vor rund drei Jahren heiß darüber diskutiert. Dieses Mal könnte die Stadt allerdings ernst machen. Das Verkehrsaufkommen in Linz steigt jedes Jahr um rund drei Prozent, durch die fehlende Donauquerung nehmen Dauer und Häufigkeit von Staus in der Stadt zu. "Die Annahme, dass mehr Parkplätze in der Stadt das Verkehrsaufkommen beruhigen, ist falsch. Es führt dazu, dass immer mehr Autos in die Innenstadt strömen, in der Hoffnung, einen Parkplatz zu finden", sagt Markus Gansterer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ).


Gegenwind der WKO

Die Pendlerallianz fordert nicht nur, dass der Urfahrmarktparkplatz kostenfrei bleibt, sondern hat kürzlich auch einen Maßnahmenkatalog vorgelegt. Ein Vorschlag: Ab dem Haselgraben bis zum Gründberg soll zusätzlich ein Fahrstreifen von Bussen und Fahrgemeinschaften ab drei Personen genutzt werden können. Außerdem setzt sich die Initiative für einen "Park&Ride-Gürtel" rund um Linz, also den Ausbau und die Errichtung von ingesamt acht Anlagen an den wichtigsten Stadteinfahrten, ein. Gegenwind zur Gebühreneinhebung kommt auch von der Wirtschaftskammer: "Pendler werden als Feindbild gesehen, weil sie Staus verursachen und Parkplätze in der Nähe ihrer Arbeitsplätze benötigen. Dass sie in Linz auch einkaufen, die Gastronomie beleben und für hohe Kommunalsteuereinnahmen sorgen, wird dabei übersehen", sagt WKO Linz-Obmann Klaus Schobesberger.

Fuhrpark bei Wohnanlage

Er fordert einen Stufenplan, bei dem zuerst die Autofahrer am Urfahrmarkt etwa über Grund und Dauer des Parkens befragt werden. Außerdem muss den Pendlern eine Alternative geboten werden. "Parkplätze in der Stadt werden in Zukunft sicher noch kostbarer und dementsprechend auch teurer. Durch Carsharing-Konzepte könnte man verhindern, dass Fahrzeuge Platz in der Stadt verschwenden", sagt Markus Gansterer vom VCÖ. In kleineren Städten wie Linz würde sich das Konzept für private Anbieter noch nicht rechnen, deshalb müsste die Stadt selbst in die Bresche springen. Auch Carsharing-Fuhrparks bei städtischen Wohnanlagen wären denkbar.


Fakten zum Parken


• Im Schnitt sind Oberösterreichs Autos nur eine Stunde pro Tag im Einsatz, die restlichen 23 Stunden parken sie auf privaten oder öffentlichen Flächen.

• Wien und Linz sind mit je zwei Euro Parkgebühr pro Stunde die teuersten Citys in Österreich, gefolgt von Graz mit 1,80 Euro und Salzburg mit 1,50 Euro.

• Österreichs Städte sind im europäischen Vergleich günstig, in der Londoner Innenstadt sind für eine Stunde umgerechnet 5,40 Euro zu zahlen – zusätzlich zur City-Maut.

• Mehr als 22.000 Parkplätze sind in der Linzer Innenstadt verfügbar, der Urfahrmarktparkplatz fasst etwa 1000.

• Durchschnittlich 15 Minuten benötigt ein Autofahrer in der Stadt, um einen Parkplatz zu finden.
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