08.04.2015, 00:00 Uhr

"Mit dem Dialekt immer wieder etwas Neues probieren"

Auch nach 25 Jahren auf der Bühne noch kein bisschen müde – Attwenger feiern ihr Bandjubiläum mit dem achten Album "Spot". (Foto: Gerald von Foris)

Im April 1990 fand das erste Konzert von Attwenger statt. Exakt 25 Jahre später und nach 750 Auftritten in 20 Ländern gastieren Markus Binder und Hans-Peter Falkner am 11. April im Linzer Posthof. Mit im Gepäck hat das Duo sein achtes Album "Spot".

StadtRundschau: 23 Songs in 39 Minuten – ist das neue Album "Spot" Attwengers Antwort auf die Kurzlebigkeit unserer Zeit oder welcher Gedanke steht dahinter?
Markus Binder: 40 Minuten! Die kurze Form hat sich für das Material, das sich in Vorbereitung des Albums gesammelt hat, angeboten. Wenn das als Parallele zur Kurztextkommunikationskultur wie bei Twitter usw. gesehen wird: Auch ok. Nur: Die Texte auf allen bisherigen Attwenger-Alben sind von einer minimalistischen Herangehensweise geprägt. Und nachdem es in den 90er-Jahren bei unseren ersten vier Alben Twitter noch nicht gegeben hat, hat es damit glaube ich weniger zu tun. Bei "Spot" ging es darum, ein strukturell klares, deutliches und scharfes Album zu machen. Die Kürze der Nummern war notwendig, um diese Idee konsequent umzusetzen.

Auf dem Album "Song" haben Sie für drei Stücke noch 45 Minuten gebraucht. War es eine besondere Herausforderung, sich in den einzelnen Songs so kurz zu fassen?
Jedes Album muss einfach als Ganzes grooven, ob mit langen oder mit kurzen Nummern. Auf "Song" ging es darum, dass die Musik eine trancehafte Wirkung entfalten sollte, was nur durch eine Länge von 15 Minuten pro Stück zu schaffen war. Wobei es auf Song die minimalisiertesten Attwenger-Texte überhaupt gab. Eine Zeile pro Stück reichte aus. Auf "Spot" ging es diesmal darum, möglichst präzise Stories rüberzubringen bzw., in den ganz kurzen Stücken, kleine Geschichten in kleiner Form auf den Punkt zu bringen. Der Vorteil der kurzen Form: Lass alles weg, was du weglassen kannst. Und niemand wird es vermissen.

Für eine so große Menge an Liedern braucht man viele Ideen. Was erwartet die Hörer auf dem neuen Album – sowohl vom Sound her als auch von den Themen?
Thematisch beleuchtet Spot unter anderem Folgendes: Nicht alleine sein, Tourismusunfalltourismus, das Ende der bekannten Welt, Gegenübertum, Unfugsfuge, Minimalismus, Erfrorenheit, spontane Homoerotik, Monodialog, Wortroulade, Immernochsong, Leckfunk, Jalousienblick, Überwachungsfolgen, Leere Versprechungen, Polkapunk, Automatisierung, Schweigen, Davonlaufen, Wohnen, Quatsch, Plärren, Alleine sein. Was den Sound betrifft: Auch auf Spot wird der minimalistische Mix aus traditionellem Material und afroamerikanischen Einflüssen weiterentwickelt, diesmal wieder unter verstärktem Einsatz elektronischer Sounds. Und mit Singsang im oberösterreichischem Dialekt.

Gibt es persönliche Lieblingsnummern auf dem neuen Album?
Ich mag sie alle! Und dass es der Opener des Albums – "kana daham" – auf Platz 1 der Fm4-Charts geschafft hat, spricht dafür, dass dieser Song zum Lieblingsstück einer größeren Hörerschaft geworden ist. Sehr gelungen finde ich auch das Stück "Oida", von dem es auf Youtube ein witziges Video zu sehen gibt, das meine Lebensgefährtin Jessica Hausner realisiert hat.

Attwenger feiert heuer das 25-jährige Bandjubiläum. Was hat sich seither in der heimischen Musikszene am meisten verändert – positiv und negativ?
Physische Tonträger wie CD und LP haben sich mehr oder weniger im virtuellen Raum aufgelöst, das Live-Spielen hingegen hat wieder zunehmend an Bedeutung gewonnen. Das Positive ist, dass immer wieder neue interessante Bands auftauchen, wie z.Bsp. Bilderbuch, das Negative, dass die Niveaulosigkeit des Mainstreams aber auch immer neuen Nachschub erhält, wie man bei Gabalier sieht.

Musik im Dialekt hat in den vergangenen Jahren einen Aufschwung erfahren. Haben es heimische Künstler heute leichter als Attwenger zu Beginn?
Ich würde nicht sagen, dass es sich hier um ein neuartiges Phänomen handelt. H.C. Artmann zum Beispiel hat doch schon in den 50er-Jahren die ärgsten Dialektgedichte verfasst. Also einen experimentierfreudigen Umgang mit Dialekt gibt es wirklich schon lange. Ich finde, jeder soll mit derjenigen Sprache was machen, die ihm Spaß macht. Das Entscheidende ist, mit dem Dialekt immer wieder was Neues zu probieren: Das ist die Herausforderung.

Dialekt wird im Musikbusiness oft auch als Hindernis verkauft. Warum ist Attwenger – auch international – damit so erfolgreich?
Es kommt darauf an, ob die Zusammenhänge, in die du den Dialekt bringst, interessant sind. Attwenger sind von Anfang an eine wilde Mischung aus Dialekt und allen möglichen musikalischen Stilen gewesen und wir versuchen, das immer weiter zu entwickeln. Aber letztlich geht’s vielleicht einfach darum, gute Songs zu machen. Mit hinterlistigen Texten und lässigen Sounds. Und in 20 Ländern 750 Konzerte zu spielen.

Das Konzert im Posthof ist quasi ein Heimspiel – was wird das Publikum erwarten?
Ein neues Programm! Schwerpunkt sind Stücke aus dem neuen Album "Spot". Ergänzt durch Juwelen aus früheren Alben. Die Regenbogenpresse würde eventuell schreiben: Ein Blumenstrauß an tollen Melodien, ein Feuerwerk an heißen Rhythmen und ein Lawine funkelnder Texte.

Denkt Attwenger nach 25 Jahren langsam an die Musiker-Pension oder gibt es noch viele Pläne und Ideen für die kommenden Jahre?
Dazu nur so viel: Die anderen gehen auf Kur. Wir gehen auf Tour.
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