24.05.2017, 14:17 Uhr

Pläne für Imam-Schule in Linz sorgen für Aufregung

In der umstrittenen Imam-Schule in Linz sollen laut Spendenaufruf bis zu 200 Studenten Platz finden. Foto: Ambrose/Fotolia

Spendenaufruf für umstrittenes Projekt lässt die Wogen hochgehen. Bürgermeister Luger wirft Landeschulrat vor, Hinweise vom Verfassungsschutz ignoriert zu haben.

LINZ (jog). Die umstrittene Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) mit Zentrale in Kerpen in Deutschland soll eine globale Spendenaktion initiiert haben, mit der unter anderem auch ein "Regionalzentrum Linz und Imam Hatip Schule - Für eine gesunde und tugendhafte Gesellschaft" unterstützt wird – das berichtete diese Woche das Neue Volksblatt. Diese Schulen bilden junge Menschen zu Predigern und Imamen – muslimische Vorbeter – aus. Das bayrische Landesamt für Verfassungsschutz berurteilt die IGMG kritisch: "Die Bestrebungen der Milli-Görüs-Bewegung richten sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung." Die in den 1970ern entstandene Bewegegung ist heute besonders in türkischen Gemeinden sehr aktiv und hat das erklärte Fernziel einer weltweiten Einführung einer islamischen Staats- und Gesellschaftsordnung nach dem Vorbild des alten osamischen Reichs. Die geplante Imam-Schule in der Landeshauptstadt soll offenbar 200 religiösen Studenten Platz bieten. Als Standort für das Projekt ist in dem Spendenaufruf die Zentrale der Austria Linz Islamische Föderation (Alif) genannt. Deren Chef Resul Koca bestritt im Interview mit dem Neuen Volksblatt allerdings die Pläne: "Es gibt keine Imam-Schule. Milli Görüs interessiert mich nicht. Ich bin Alif".

Keine Genehmigung

Bürgermeister Klaus Luger betont, von den Plänen durch die Medien erfahren zu haben: „Ich habe unverzüglich prüfen lassen, inwieweit an dem kolportierten Standort eine Schule überhaupt errichtet werden könnte. Die Zuständigkeit der Stadt erstreckt sich nur auf die Flächenwidmung. Diese Prüfung hat ergeben, dass eine Schule an dieser Adresse der geltenden Widmung widersprechen würde. Es kann dort derzeit also keine Schule errichtet werden.“ Luger wirft allerdings dem Landesschulrat vor, länger von dem Projekt gewusst zu haben: „Ich war sehr überrascht, heute zu erfahren, dass der Verfassungsschutz die oberösterreichische Schulbehörde bereits vor einem Jahr über die Bemühungen des verantwortlichen islamischen Vereins hingewiesen habe. Ich wundere mich, warum diese Hinweise offenbar über den ganzen Zeitraum ignoriert wurden“, so der Linzer Bürgermeister.

Landesschulratspräsident kontert

„Derzeit gibt es keine Grundlage dafür, dass sich der LSR mit einer möglichen Schulgründung beschäftigt, da eine derartige Absicht bisher nicht bekundet wurde“, sagt dazu Landeschulratspräsident Fritz Enzenhofer. „Wir wissen nicht mehr, als derzeit in der Öffentlichkeit diskutiert wird und uns konnte auch noch niemand konkrete Informationen geben, von wem, wer und was unterrichtet werden soll“, weist er die Vorwürfe zurück. Kritik an der Schulgründung kommt von der Linzer FPÖ: „In Anbetracht dessen, dass Institutionen wie Milli Görüs den Ruf haben, nicht der Integration sondern eher der Segregation zu dienen, verstehe ich die Sorge der Menschen. Eine von mir in Auftrag gegebene raumordnungsrechtliche Prüfung ergab, dass an dem geplanten Standort eine Imam-Schule nicht in Frage kommt", sagt Stadtrat Markus Hein. Auch für den Fall, dass eine entsprechende Einreichung mit dem Titel "Vereinszentrum" oder Ähnliches deklariert werden würde, hätte dies eine negative raumordnungsrechtliche Beurteilung zur Folge. „In Österreich gibt es ausreichend staatliche Ausbildungsplätze im religionspädagogischen Bereich. Wir brauchen daher keinesfalls private Parallel-Bildungseinrichtungen für Imame“, sagt auch ÖVP-Vizebürgermeister Bernhard Baier.
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