15.03.2017, 09:35 Uhr

Radwege: Nibelungenbrücke bleibt Sorgenkind

Gefährlich: Nach dem Radweg auf der Nibelungenbrücke Richtung Urfahr müssen Radler auf die Fahrbahn wechseln. Foto: Radlobby OÖ

Stadt setzt Impulse für den Radverkehr, die Donauquerungen bleiben den Bikern ein Dorn im Auge.

LINZ (jog). Staus, Parkplatzsuche oder einfach nur die Freude an der Bewegung und frischen Luft: In Linz gibt es viele gute Gründe, um vom Auto auf das Fahrrad umzusatteln. Dennoch beträgt der Fahrradanteil am Gesamtverkehr in Linz nur rund acht Prozent. Zum Vergleich: In Innsbruck liegt er bei 23 Prozent, in Salzburg und Graz bei rund 16 Prozent. "Es gibt in Linz noch einige Radweg-Lücken, die geschlossen werden müssen. Bestes Beispiel ist die Route von der Nibelungenbrücke bis zum Bahnhof. Es gibt zwar mehrere Varianten, keine davon ist zufriedenstellend", sagt Paul Weber, Vorsitzender der Radlobby OÖ. Umständliche Kreuzungen, fehlende Markierungen oder parkende Autos auf den Radwegen machen den Bikern das Leben schwer. Die gute Nachricht für Cityradler: Das Verkehrsressort nimmt heuer 535.000 Euro statt bisher 285.000 Euro für den Ausbau der Radwege und zusätzliche 30.000 Euro für Abstellplätze in die Hand. Für das Umsetzen großer Projekte reicht das Budget allerdings nicht.

"Unser Ziel ist, dass sich die Autofahrer denken: Warum sitze ich hier und nicht draußen am Rad?"

Paul Weber, Radlobby OÖ

An Visionen mangelt es der Stadt nicht: ein Super-Rad-Highway von Ebelsberg in die Innenstadt, die Umfunktionierung der ehemaligen Bahntrassen im Hafenviertel zu einem Radweg, eine eigene Fußgänger- und Radfahrbrücke auf Höhe des Brucknerhauses oder ein Radverleih-System, ähnlich den Citybikes in Wien. "Wir haben uns auf 40 mögliche Standorte festgelegt, dort sollen jeweils fünf bis zehn Fahrräder angeboten werden", so Stadtrat Markus Hein. Was noch fehlt sind Investoren, denn das Projekt soll durch Werbeflächen auf den Fahrrädern und den Stationen selbst finanziert werden. Leihgebühren würden erst ab einer Stunde eingehoben.

Nadelöhr Nibelungenbrücke

"Die Maßnahmen für den Ausbau gehen in die richtige Richtung. Jetzt gilt es entsprechende Bewusstseinsbildung zu betreiben", sagt Rainer Doppelmair, Radfahrbeauftragter der Stadt Linz. An den Radwegen werden zwar jedes Jahr sukzessive Lücken geschlossen und Gefahrenstellen entschärft, Dauer-Problemzone bleibt allerdings die Nibelungenbrücke, konkret die Auf- und Abfahrten. Die Donauquerung war auch Thema des Linzer Radforums am 9. März, ein Arbeitstreffen von Verkehrsstadtrat, Radlobby, Polizei und Verkehrsplanern. Dabei hat man sich auf kleine Verbesserungen wie etwa eine Bodenmarkierung für Radfahrer auf Höhe der Bushaltestelle Donautor geeinigt – dort wechselt man vom Radweg auf die Fahrbahn. Sie soll den Autolenkern die Radroute verdeutlichen und das Tempo drosseln.

Keine Lösung bis 2020

"Als Radfahrer entwickelt man einen sechsten Sinn für Gefahren. Leider wird man oft einfach übersehen. An Gefahrenstellen muss verbesserte Infrastruktur die Radfahrer und Radfahrerinnen schützen", sagt Weber. Verkehrsstadtrat Hein sieht zumindest bis 2020 keine bahnbrechende Lösung, erst eine Entlastung durch die Westringbrücke würde Projekte möglich machen. Ein Zubau zur Nibelungenbrücke, der die Problematik des kombinierten Gehsteiges und Radweges entschärfen könnte, sei im Moment unrealistisch. Mindestens fünf Millionen Euro würde dies kosten, eine eigene Rad- und Fußgängerbrücke im Vergleich rund neun Millionen Euro. "Für die Brücke gibt es politisch breite Zustimmung, es scheitert momentan an der Finanzierung. Wir müssten 1,5 Millionen Euro Fremdmittel aufnehmen, dafür braucht es eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Gemeinderat", so Hein.

Fahrradchecks

Im Frühling braucht das Fahrrad unbedingt eine Wartung. Auch Fahrräder, die im Winter im Einsatz waren, verdienen sich eine genauere Überprüfung. Kostenlose Fahrradchecks bietet heuer erstmals die ÖVP Linz an elf Standorten.

24. März, 14 bis 18 Uhr:
• Einkaufszentrum Biesenfeld
• Pfarrplatz
• Friedenskirche
• Spar, Ziegeleistraße
• Hotel zum Schwarzen Bären
25. März, 9 bis 13 Uhr
• Lunaplatz
• Hessenpark
31. März, 14 bis 18 Uhr
• Eurospar Kleinmünchen
• Spar, Holzstraße
• Firma Gill, Am Bindermichl
• Vorplatz Lebenshilfeshop,
Marktmühlgasse
• Andreas-Hofer-Platz

Kommentar des Autors

Mehr als nur ein Fitnessgerät
Für die meisten Menschen ist das Fahrrad ein Fitnessgerät – eine Freizeitbeschäftigung oder eine Art Spielzeug, das man am Wochenende rausholt, um einen Ausflug zu machen. Nur ein paar wenige Hartgesottene pendeln täglich auf zwei Rädern durch die Stadt zur Arbeit. Nicht die eigene Bequemlichkeit hindert uns daran, es ihnen gleichzutun. Die größte Barriere ist die Angst vor Unfällen und gefährlichen Situationen. Hier gilt es, Sicherheitslücken zu schließen und Aufklärungsarbeit zu leisten – vor allem bei Eltern. Wer die Zukunft gestalten will, muss sich an die Jugend wenden. Eine Stadt, die auf das Fahrrad setzt, steigert die Lebensqualität ihrer Bewohner enorm. Bestes Beispiel: Kopenhagen. Anders als der isolierte Autofahrer kommt man am Velo automatisch mit seiner Umgebung in Kontakt, egal ob mit Menschen oder der Natur.

Schicken Sie uns Leserbriefe mit Ihren Erfahrungen zum Thema Radverkehr an linz.red@bezirksrundschau.com
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