18.10.2017, 18:00 Uhr

"Sterben ist Bestandteil des Lebens"

Manuela Glantschnig begleitet im Mobilen Hospizteam der Caritas in Linz Menschen an ihrem Lebensende. (Foto: Caritas)

Manuela Glantschnig ist 26 Jahre alt und die Jüngste im Hospiz-Team der Caritas. Sie gibt Menschen in ihrer letzten Lebensphase und deren Angehörigen Halt. Im Interview erzählt sie von ihren Erfahrungen.

StadtRundschau: Warum beschäftigt sich ein so junger Mensch mit dem Sterben?
Manuela Glantschnig:
Ich beschäftige mich in der Hospizarbeit mit dem Leben. Denn Menschen, die sterben, leben.

Sie arbeiten seit drei Jahren ehrenamtlich im Mobilen Hospizteam der Caritas. Was hat sie dazu bewogen?
In meiner Jugendzeit sind innerhalb kurzer Zeit meine Oma, mein Opa, mein Papa, ein guter Freund und meine Schwester verstorben. Mit 19 Jahren habe ich dann den Grundkurs für Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung begonnen. Als ich für mein Masterstudium Soziale Arbeit nach Linz übersiedelt bin, habe ich im Mobilen Hospizteam begonnen. Es ist eine sehr schöne Arbeit. Man hat viele berührende Begegnungen und Gespräche, die einem auch persönlich viel zurückgeben.

Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zum Tod?
Wie die Geburt ist das Sterben Bestandteil des Lebens. Der Tod braucht daher einen normalen, gesunden Platz in unserer Gesellschaft und soll keine Angst auslösen. Man soll damit wie mit der Geburt umgehen – und  Fragen nach dem ,Danach' sollen gestellt werden dürfen. Das Sterben ist das letzte, was ein Mensch tut. Hier dabei sein zu dürfen, ist etwas ganz Besonderes, weil es Ausdruck größten Vertrauens ist. Was ich bei dieser Tätigkeit noch gelernt habe ist, dass es immer weitergeht. Es geht zwar anders weiter, aber es geht weiter.

Wie sieht Ihre Tätigkeit in der Hospizarbeit aus?
Neben meinem Vollzeitjob wende ich jede Woche drei bis vier Stunden für die ehrenamtliche Tätigkeit auf. Das ist Einteilungssache. Zurzeit begleite ich zwei Familien, eine davon bereits seit zwei Jahren. Gespräche mit den Patienten und Angehörigen zählen zu den Hauptaufgaben, aber es geht auch um das ,Da sein' und um das Zuhören. Manchmal gehen wir spazieren, oft hören wir Musik, denn darauf reagieren viele Menschen positiv. Genauso spielen Düfte eine große Rolle, denn sie vermitteln positive Gefühle. Vorlesen und Fotoanschauen gehören ebenfalls dazu. Was der Patient mag, kann man erfragen oder man ist aufmerksam: Welche Fotos und Bilder hängen an den Wänden, welche Bücher oder CDs befinden sich im Regal?

Worum drehen sich die Gespräch mit den Patienten, die Sie begleiten?
Oft um die Angst vor Schmerzen und vor dem Leiden. Dann informiere ich über Möglichkeiten, Schmerzen und belastende Symptome durch die Palliativmedizin und -pflege zu lindern. Häufig sind es aber auch seelische Schmerzen, wie ‚ich bereue‘ oder ‚ich habe das falsch gemacht‘. Ich stelle dann Fragen, damit die Menschen reflektieren können. Manchmal erfahren sie dadurch, dass es nachvollziehbar war, in der damaligen Situation so zu handeln. Manchmal bleibt es ungelöst und auch das darf sein. Natürlich ist das Verabschieden vom Leben für die Patienten und ihre Angehörigen ein schmerzhafter Prozess. Aber es gibt auch viele Situationen, in denen wir miteinander lachen.

Was schätzen Sie selbst an Ihrer Tätigkeit?

Das generationenübergreifende Arbeiten ist für mich besonders bereichernd. Für die oft älteren Menschen ist es eine Wertschätzung, wenn sie mir ihre Lebenserfahrungen weitergeben können. Viele Tätigkeiten, die sie ein Leben lang gemacht haben, können sie nicht mehr tun, aber mir können sie wertvolle Tipps geben und ich kann bei jeder Begleitung fürs Leben lernen.

Wie verarbeiten Sie Belastendes?
Es gibt von der Caritas Supervisionsangebote und alle sechs Wochen ein Teamtreffen mit allen Ehrenamtlichen. Auch die Teamleiterin oder das Palliativteam kann ich jederzeit anrufen, wenn ich Hilfe brauche. Im Laufe der Zeit habe ich Strategien entwickelt, damit umzugehen. Ich gehe zum Beispiel gerne in die Natur und höre Musik.

Mehr Infos zum Mobilen Hospiz- und Palliativteam

Von den Mobilen Hospiz- und Palliativteams der Caritas werden Menschen mit unheilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankungen sowie deren Angehörige kostenlos unterstützt und begleitet. Derzeit sind rund 100 Ehrenamtliche in den Hospiz-Teams in den Bezirken Linz, Linz Land, Rohrbach, Urfahr Umgebung, Steyr, Steyr Land und Braunau tätig. Kontakt: 0732/7610-7910

Sie interessieren sich selbst für eine ehrenamtliche Tätigkeit im Hospizteam? Im Grundkurs für Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung erhalten Sie die notwendigen Qualifizierungen. Der nächste Kurs findet von 1. März bis 15. Juni 2018 statt. Mehr Infos unter 0732/7610-7914

Mehr lesen Sie auch auf hospiz-caritas.at
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