12.01.2018, 08:57 Uhr

Trotz sozialem Engagement: Asyl-Lehrling Amir steht vor Abschiebung

Landesrat Rudi Anschober, Malermeisterin Martina Gusenbauer und Lehrling Amir H. (Foto: Land OÖ)
OÖ. "Ich weiß nicht was ich falsch gemacht habe. Ich bin motiviert zu lernen, möchte meine Lehre fertigmachen und hier arbeiten:" Amir H. ist seit Mai 2015 in Österreich. September letzten Jahres hat er in der Malerei Hauser in Linz eine Lehre angefangen. Ein Jahr lang habe er nach einer Lehrstelle gesucht, mehr als 80 Bewerbungen hat es gebraucht um einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Ob er seine Lehre je abschließen kann, ist noch ungewiss, denn er soll nach Afghanistan abgeschoben werden. Gegen seine Abschiebung hat er Berufung eingelegt. Der im Iran geborene 25-Jährige zählt zu jenen 40 asylwerbenden Lehrlingen in Oberösterreich, die bislang einen Negativbescheid erhalten haben. Begründung: Afghanistan gelte als "sicheres Land", er sei "gesund" und könne dorthin zurückkehren. Für Landesrat Rudi Anschober (Grüne) steht diese Begründung im Widerspruch zu den Hinweisen des Außenministeriums an die Bevölkerung:" Das Ministerium hat eine akute Reisewarnung für Afghanistan herausgegeben, gleichzeitig stehen aber Asylwerbende wie Amir vor der Abschiebung."

Mehr als 1.000 Sozialstunden

Dabei hat sich der 25-Jährige vorbildlich integriert: Mehr als 1.000 Sozialstunden habe er während der Lehrstellensuche geleistet. Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) hat ihm für für seine "außergewöhnlichen Verdienste"eine Urkunde überreicht. Auch für Arbeitskollegin Martina Gusenbauer stößt der Negativbescheid auf Unverständnis: "Immer weniger Leute wollen sich die Hände dreckig machen. Er ist gewissenhaft und zuverlässig. Ein Lehrling wie man sich ihn als Arbeitgeber nur wünschen kann. Warum dürfen Menschen, die sich vorbildlich integrieren und Freude an der Arbeit haben, nicht ihre Lehre fertig machen?", fragt die Malermeisterin. Um bundesweit durchzusetzen, dass Asylwerbende ihre Lehre beenden können, wurde Anfang Dezember die Online-Petition "Ausbildung statt Abschiebung" ins Leben gerufen.

Aktuell 23.500 Petitions-Unterstützer 

Ab 19. Jänner soll in Oberösterreichs Kinosälen ein Werbespot auf die Initiative aufmerksam machen. "Mehr als 23.500 Unterstützer haben die Petition bereits unterzeichnet", so Anschober. Darunter auch prominente Gesichter wie die Schauspielerinnen Katharina Stemberger und Adele Neuhauser, Kabarettist Josef Hader und TV-Koch Mike Süsser. Die Petition läuft noch bis Ende Jänner: anschober.at/petition. Wie "verrückt" aktuell die Lage sei, zeige laut Anschober auch die Lehrlingssituation im Bezirk Rohrbach: 25 Asylwerbende seien derzeit in einer Lehre untergebracht, 13 davon hätten einen Negativbescheid erhalten. Und das, obwohl 246 Lehrstellen offen bleiben. Eine Lösung für das Problem der Abschiebung von Lehrlingen sieht der Landesrat im Modell der deutschen Bundesregierung: Das "Modell drei plus zwei" – drei Jahre in Lehre und zwei Jahre im Betrieb – funktioniere bei den Nachbarn seit zwei Jahren hervorragend. Damit sei die Sicherheit vor Abschiebung garantiert. "Österreich braucht nichts Neues zu erfinden."
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