12.04.2017, 09:02 Uhr

Virtuelle Avatare helfen Sprachschülern

An der JKU und im Futurelab wird an spannenden Anwendungen für Virtual Reality gearbeitet.

LINZ (jog). Seit Jahren sorgt Manuela Macedonia mit Computerfiguren für Aufsehen. Heidi und John – so nennt sie ihre Avatare, werden von der Gehirnforscherin an der Johannes Kepler Universität als Sprachlehrer eingesetzt werden. „Man lernt am leichtesten, wenn man Vokabeln nicht nur liest oder hört, sondern auch mit Gesten verbindet. Dadurch entstehen im Gehirn ausgedehnte Netzwerke, die Information nachhaltiger speichern“, so Macedonia. Die Avatare begleiten Sprachschüler durch Lernprogramme und Schlaganfall-Patienten bei der Sprachrehabilitation. Künftig soll Lernen in einer speziell abgestimmten, interaktiven virtuellen Lernumgebung stattfinden. „Der Anwender bewegt sich virtuell durch Räume, die er auch verändern kann. Es ist möglich, ein Glas in die Hand zu nehmen, ein Bild aufzuhängen oder eine Katze zu streicheln. Dadurch kann der Mensch jene Erfahrungen, die auch im realen Leben möglich sind, mit einem Fremdwort verknüpfen“. Dazu stellt das Linzer Softwareunternehmen Messerli Informatik GmbH der JKU-Wissenschaftlerin eine neue Software zur Verfügung, die bereits in der Planungsphase von Bauvorhaben Echtzeitvisualisierungen ermöglicht.

Cyber-Sex als Markt

Wer an VR-Brillen denkt, hat zuallererst Computerspiele im Kopf. Dass man mit virtuellen Welten viel mehr anstellen kann, beweist das Ars Electronica Futurelab. "Wir haben einige Projekte mit der Automobilindustrie. Wenn man in ein Auto einsteigt, gibt es 400 Eigenschaften, die von einem Kunden erlebbar sind – von Lichtkörpern bis zum Klang des Gurtes. In virtuellen Welten werden diese Eigenschaften simuliert, dadurch kann die Zahl der Prototypen deutlich reduziert werden", sagt Christopher Lindinger, Leiter des Bereichs Forschung und Innovation im Futurelab. Auch im Forschungsfeld autonomes Fahren werden dem Auto via virtuellen Simulationen Gefahrensituationen vorgegaukelt. Dass VR-Brillen bald in jedem Haushalt zu finden sind, glaubt Lindinger nicht: "Die 3D-Technologie bei TV-Geräten hat sich auch nicht durchgesetzt. Lediglich der Bereich Cyber-Sex hat sicher irrsinniges Potenzial."

"Virtual Reality kommt offenbar in Zyklen. Wir haben schon vor 20 Jahren daran gearbeitet."

Christopher Lindinger

Künstlich geschaffene Realitäten hätten dennoch viel zu bieten: "Im virtuellen Raum gibt es kein links, kein rechts, kein oben oder unten, keine Schwerkraft. Obwohl man alle Dimensionen durchbrechen könnte, bauen Leute gerne reale Dinge nach." Auch in Kinosäle könnten VR-Brillen bald Einzug finden. Neue Filmtechnik soll es möglich machen, Handlungen und Charakteren künftig individuell zu folgen.
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