02.09.2014, 10:00 Uhr

Vortrag: Mit "Billie" besser Sprachen lernen

Manuela Macedonia ist seit dem Sommersemester 2012 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Wirtschaftsinformatik. Ihre Studien am Max-Planck-Institut für Neurowissenschaften in Leipzig zeigen, wie hilfreich der eigene Körper beim Erlernen von Fremdspachen sein kann. (Foto: cityfoto)
Vokabel zu pauken ist zeitaufwendig. Es sei denn, man nutzt neue Technologien. Mit dem Smartphone kann man lernen, wann man will. Statt eines Menschen dient in Apps ein virtueller Agent als Lehrer. Ein solcher wird von Manuela Macedonia vom Institut für Wirtschaftsinformatik an der Johannes Kepler Universität in Linz entwickelt. "Billie" kann die fremden Wörter nicht nur aussprechen, sondern auch illustrative Gesten dazu ausführen. "Der Anwender soll die Geste nachmachen. Wir wissen, dass man sich Vokabel besser merkt, wenn man die Worte nicht nur hört, sondern auch mit einer Bewegung verbindet", weiß Macedonia. Generell sollten möglichst viele Sinne beim Lernprozess beteiligt sein. „Hier bietet die App einen Vorteil gegenüber dem Schulbuch. Man kann lesen, hören, beobachten und Gesten nachmachen. Gerade Bewegung ist beim Lernen enorm wichtig. Je mehr Sinne beteiligt sind, desto größere Netzwerke entstehen im Gehirn und umso besser kann man Informationen abrufen. Der höhere Lernerfolg ist schon lange nachgewiesen.“

Individuelles Lernen

Ein Avatar kann Bewegung fördern, ist jederzeit verfügbar und wird nie ungeduldig. Schon bald soll daher ein Kinect-System, wie von Spielkonsolen bekannt, einbezogen werden, damit der Anwender tatsächlich die Bewegung ausführt und nicht nur beobachtet. "Die Entwicklung geht in Richtung individualisiertes Lernen. Die Künstliche Intelligenz kann das Lerntempo an den speziellen Schüler anpassen, also zum Beispiel so viele Wiederholungen vornehmen, wie für eine bestimmte Person perfekt sind." Aber wird der künstliche Lehrer von den Schülern akzeptiert?

Akzeptanz bei Anwendern

Über Studien in der Anwendung der Agenten als Trainer hinaus hat Macedonia auch Akzeptanzstudien durchgeführt. 25 Kinder beobachteten „Billie“ als auch den menschlichen Trainer beim Sprechen der Wörter und beim Ausführen der passenden Gesten. Die Kinder urteilten, wer von beiden Trainern die Gesten besser ausführte. Sie beurteilten dabei Natürlichkeit der Ausführung und Geschwindigkeit der Ausführung, aber auch Wesenszüge der Trainer, wie Sympathie, Freundlichkeit und Intelligenz. Das Resümee: Der Avatar erschien in der Bewegung etwas roboterhaft, der Mensch in der Gestik daher ein wenig sympathischer – „im Endeffekt gab es aber, gerade im Hinblick auf den Lernerfolg, keinen signifikanten Unterschied.“ Ein weiteres Experiment mit Erwachsenen bestätigte die Ergebnisse. „Ein großer Erfolg. Wir wissen nun, dass der Agent Menschen trainieren kann, weil sie ihn akzeptieren.“ Neue Animationsprogramme werden den „Billie“ der nächsten Generation natürlicher erscheinen lassen.

Als Test-Fremdsprache dient übrigens „Vimmi“, eine Kunstsprache, die von Macedonia gemeinsam mit zwei Linguisten entwickelt wurde. Um verwertbare Resultate zu erhalten, konnte keine wirkliche Sprache genutzt werden, da diese Vokabel bei den Testpersonen unerwünschte Assoziationen auslösen. „Übrigens auch ein Element, das Lernen unterstützen kann und von Billie daher genutzt wird“, so die JKU-Wissenschafterin.

Präsentation im Ars Electronica Center

Erste Testergebnisse wird sie am 4. September um 11 Uhr beim Vortrag „Mensch und Maschine: Ein Blick ins menschliche Gehirn“ im Ars Electronica Center Linz präsentieren.
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