22.06.2017, 13:10 Uhr

Frauen 2030: "Gesundheit und Karriere als Kernthemen"

Präsentierten die ersten Ergebnisse: Gerlinde Stöbich, BV`M Gmbh, Beate Zechmeister, Leiterin des Frauenreferates des Landes OÖ, Landesrätin Birgit Gerstorfer, Frauen-Landesrätin Christine Haberlander und Paul Eiselsberg, IMAS International (v.l.). (Foto: Land OÖ / Denise Stinglmayr)

Alle, die sich noch an der Entwicklung einer Frauenstrategie beteiligen wollen, erhalten dank einer neuen Onlineumfrage die Möglichkeit dazu.

Wie wollen Frauen in Oberösterreich im Jahr 2030 leben? Um das zu erfahren, fanden in den vergangenen Monaten in den Regionen zahlreiche Workshops statt. "Ziel ist es, in einem breiten Beteiligungsprozess für interessierte Frauen und Männer konkrete Ziele und Maßnahmen für eine moderne Frauenpolitik in Oberösterreich bzw. in den Regionen zu erarbeiten", sagt Landesrätin Christine Haberlander. Veranstaltet wurden die Workshops vom Frauenreferat des Landes OÖ. Die Ergebnisse sollen in die Frauenstrategie "Frauen.Leben 2030" einfließen.

Rege Beteiligung

Bisher gab es neun Diskussionsforen in verschiedenen Regionen des Landes, an denen rund 500 engagierte Frauen und Männer teilnahmen. "Es gibt eine rege Beteiligung. Das Interesse, die eigene Zukunft mitzugestalten, ist groß", sagt Landesrätin Birgit Gerstorfer, die die Initiative ins Leben gerufen hat. Nun liegen erste Ergebnisse vor. Sowohl in einer Umfrage des IMAS-Instituts als auch in den Workshops zeichneten sich zwei Kernthemen ab: Gesundheit und Karriere. Auf einer weiteren Ebene folgen Altersvorsorge, Gleichberechtigung am Arbeitsplatz, die Familie und Kinderbetreuung. Die Familie steht bei den Oberösterreichern hoch im Kurs – und zwar unabhängig vom Geschlecht. Eine unabhängige und selbstständige Lebensführung ist gerade den Frauen sehr wichtig. Die zentralen Zukunftsthemen sehen die Oberösterreicherinnen bei Gesundheit, Digitalisierung, Berufsleben, Sicherheit und Altersvorsorge.

Förderung des ländlichen Raumes

Eine große Mehrheit der Frauen ist der Meinung, dass sie es im Beruf trotz gleicher Ausbildung schwerer haben als die Männer. Mit ein Grund dafür ist, dass Frauen nach wie vor einen Großteil der Familienarbeit leisten. Mehr Flexibilität in der Kinderbetreuung und bei den Arbeitszeitmodellen ist daher eine wichtige Forderung. Besonders wichtig wird es in Zukunft auch sein, im ländlichen Raum Bildungsangebote und Arbeitsplätze zu schaffen. "Viele junge Frauen verlassen zum Studieren oder für eine Ausbildung den Heimatort und kommen nicht mehr zurück. Um das zu verhindern, müssen die ländlichen Strukturen gestärkt werden", sagt Gerlinde Stöbich von der Beratergruppe für Verbands-Management (B'VM), die das Projekt begleitet.

Frauenpolitische Diskussion im Alltag

Konkreten Handlungsbedarf gibt es in folgenden Punkten: Transparenz beim Einkommen zwischen Frauen und Männern, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, mehr Frauen in Führungspositionen und in der Politik, flexiblere Kinderbetreuungszeiten und ein niedriger Betreuungsschlüssel, Attraktivieren der Väterkarenz, Anrechnung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten sowie mehr leistbarer Wohnraum. Große Anliegen waren auch die Korrektur traditioneller Rollenbilder und Klischees, die bessere Information bei Fragen der eigenen finanziellen Absicherung, die Integration von Frauen mit Migrationshintergrund und eine gleichgestellte Mediensprache.
Einiges hat sich bisher aber schon positiv entwickelt. So gaben die Diskussions-Teilnehmer an, dass die frauenpolitische Diskussion im Alltag präsenter geworden sei, Kinderbetreuungsangebote ausgebaut wurden und auch die Gleichstellung im öffentlichen Dienst in hohem Maße erreicht worden sei. Dazu seien mehr Frauen in Arbeitsverhältnissen integriert und es gibt mehr Frauenberatungsstellen, Frauenhäuser und Übergangswohnungen.

Selbstbild stärken, gesünder leben

Zum Bereich Gesundheit und Selbstbild, der von einem Großteil der Frauen als Kernthema definiert wird, hat das Meinungsforschungsinstitut IMAS eine Umfrage unter 300 oberösterreichischen Frauen zwischen 16 und 65 Jahren durchgeführt. Die absolute Mehrheit vertritt die Ansicht, dass die heutige Generation an jungen Frauen eher bessere Zukunftsaussichten hat als ihre Müttergeneration. Sie betrachten sich auch als ebenso selbstbewusst wie Männer. Drei Fünftel lehnen die Aussage ab, dass Frauen nicht ganz so selbstbewusst auftreten wie Männer. In puncto Selbstbewusstsein spielt das Frauenbild, das in Film und Werbung transportiert wird, eine große Rolle. Knapp drei Viertel der befragten Frauen sagen, dass die Darstellung von Frauen in der Werbung nicht der Wirklichkeit entspricht, vier Fünftel wünschen sich einen durchschnittlicheren, normalen Frauentyp in der Werbung. Die absolute Mehrheit ist der Ansicht, dass Frauen mit ihrem Aussehen weniger zufrieden sind als Männer. Um das Selbstbewusstsein junger Frauen zu stärken, wünschen sich die Befragten spezielle Informationsangebote für Mädchen in Schulen und einen Appell an die Werbung, neutralere Frauenbilder zu verwenden.

Mit ihrem Gesundheitszustand zeigten sich die meisten Befragten sehr zufrieden. Etwas mehr als ein Drittel betrachtete den eigenen Gesundheitszustand als sehr gut, weitere 50 Prozent als gut. Um ihre Gesundheit zu fördern, achten die Oberösterreicherinnen vor allem auf die Ernährung. Außerdem versuchen sie, ausreichend zu schlafen und bewusste Phasen der Entspannung zu nehmen. Körperliche Betätigung ist weniger beliebt: Nur rund jede dritte Frau zwischen 16 und 65 Jahren treibt wöchentlich Sport.

Neue Onlineumfrage

Um noch mehr Menschen einzubinden, ist gestern eine Onlineumfrage gestartet. "Wir hoffen auf eine rege Teilnahme. Wünschenswert wäre vor allem mehr Interesse von jungen Frauen in Lehrberufen. Wir würden uns freuen, etwas über die Themen zu erfahren, die sie beschäftigen", ruft Beate Zechmeister, Leiterin des Frauenstrategie-Projekts zur Teilnahme auf. Mitmachen können alle Interessierten auf frauenreferat-ooe.at. Präsentiert werden sollen die Ergebnisse beim OÖ Zukunftsforum am 24. November in Linz.
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