03.11.2016, 10:04 Uhr

Ladberg: "Eishockeyboom wird nicht abreißen"

Christian Ladberg kann sich eine schrittweise Beschränkung von Legionären in der Erste Bank Eishockeyliga vorstellen. Foto: BRS

Christian Ladberg, Präsident des OÖ Eishockeyverbandes, über Talente, blaue Flecken und alte Herren.

Wann sind Sie das erste Mal mit Eishockey in Berührung gekommen?
Ladberg: Mein Vater hat Eishockey bei Union Linz gespielt. Da hab ich mitgefiebert und später selbst zu spielen begonnen. Seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen.

Sind Sie noch aktiv?
Ja, ich war sogar kürzlich fünf Tage bei einem internationalen Oldies-Turnier In Zell am See. Da kommt man oft in den Genuss, auch gegen ehemalige NHL-Spieler anzutreten. Ansonsten trainiere ich bei den Linzer Oldies mit, da sind auch einige Ex-Profis aus der Black Wings-Meistermannschaft von 2003 dabei.

Wie würden Sie einem Kind das Eishockeyspielen schmackhaft machen?
Eishockey verbindet wie kaum ein anderer Sport, das Team ist ein zusammengeschweißter Haufen. Jeder hilft jedem. Es kombiniert Schnelligkeit, Körpereinsatz, Technik und Taktik. Der Verletzungsgefahr ist weit niedriger als beim Fußball, blaue Flecken gehören allerdings dazu.

Wie steht es um den Eishockey-Nachwuchs in Oberösterreich?
Es gibt schon noch einige Baustellen. Wir sind mit vielen Ehrenamtlichen und engagierten Helfern aber auf einem guten Weg. Es gibt mittlerweile fünf Nachwuchsligen in Oberösterreich. Wir nehmen mit Teams an internationalen Turnieren teil. Wir wollen die Verknüpfung von Landesleistungszentrum mit den Blackwings weiter ausbauen und einen zweiten Standort etablieren. Dabei soll auch der Breitensport gefördert werden. Der Eishockeyboom wird also nicht abreißen.

Aktuell sieht man wenige junge, heimische Profis in der obersten Liga. Was muss passieren, dass sie eine Chance bekommen?
Meiner Meinung nach fehlt Oberösterreich eine Mannschaft in der zweiten Liga. Man muss jungen Talenten eine Perspektive geben. Ziel ist, ein Team außerhalb von Linz zu etablieren, das mit den Black Wings kooperiert, wo junge Spieler Erfahrung und Spielpraxis sammeln können. Damit könnte man eine Stadt oder Region beleben und das dortige Fanpotenzial ausnützen.

Nach den jüngsten Rückschlägen im Nationalteam, wie dem Scheitern in der Olympia-Qualifikation, wurde vom Verband ein Umbruch angekündigt. Wie könnte der aussehen?
Wir haben aktuell eine Nationalmannschaft, die mit vielen Dritt- und Viert-Linienspieler ausgestattet ist. Da kannst du international nicht standhalten. Die zahlreichen Legionäre in der Liga sind aber nur einer von vielen Faktoren, die man künftig überdenken sollte. Ich bin für eine schrittweise Deckelung. Eine Lösung wie in Norwegen mit sieben Ausländern wäre sinnvoll.

Würde das Niveau der Ligavereine darunter leiden?
Ich verstehe die Vereine – die Halle ist voll, man hat ein Produkt, das man verkauft, es geht um finanziellle Absicherung. Mit einer Österreicher-Mannschaft unter den Top-Drei mitzuspielen ist sicher schwieriger, aber machbar. Wir haben zum Beispiel viele großartige Tormann-Talente in Österreich, die aber kaum Eiszeit bekommen. Wichtig ist, dass heimische Galionsfiguren auch nachhaltig eingesetzt werden, für den Nachwuchs oder für Sponsorengewinnung. Ein Kanadier, der nach der NHL noch vier bis fünf Jahre vor der Pension in Österreich runterspult, ist schnell wieder weg.
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