15.10.2014, 20:00 Uhr

"Bei allen Prognosen steht ein Plus davor"

BezirksRundschau: Es wird immer schwieriger, sagen die Unternehmer aufgrund der vielen Regulierungen. Was sind da die Forderungen der Wirtschaftskammer Oberösterreich?
Rudolf Trauner
: Wir haben bei der Bürokratie 110.00 Gesetze und es gibt 1200 Arbeitnehmerschutzbestimmungen. Und wenn man wo überzieht als Unternehmer, wird man überdimensional bestraft. Wir sind der Überzeugung, die Behörden sollen Berater werden und nicht hoheitlich bestrafen. Ich glaube, dass die Sozialpartnerschaft etwas sinnvolles ist, aber der Missbrauch hat hier große Dimensionen angenommen. Wir haben ein gutes soziales Netz in Österreich, besser als in allen anderen Ländern. Das müssen wir uns erhalten und pflegen, dürfen uns damit aber nicht übernehmen. Derzeit ist die Gefahr, dass wir das Netz überdehnen.

Was meinen Sie mit Missbrauch konkret?
Wir haben ja einige Missbrauchsfälle, beispielsweise bei den Krankenständen, aufgezeigt. Dreieinhalb Prozent der Krankenstandstage werden missbräuchlich in Anspruch genommen. Das sind 234.000 Tage im Jahr und kostet die Wirtschaft 15 Millionen Euro. Oder ein Tourismusbetrieb hat eine Abwäscherin gesucht. Vom AMS wurden ihm 26 Personen genannt, gekommen ist aber keine Einzige. Also ich glaube, dass wir ein tolles soziales Netz haben, aber wir müssen wieder mehr Leistungsbereitschaft und Leistungsbewusstsein fördern.

Wie kann man den Hunger nach Leistung fördern? In anderen Staaten sind die Menschen förmlich hungrig auf Erfolg.
Wir reden immer von Leistungsgerechtigkeit im Gegensatz zu Verteilungsgerechtigkeit. Neue Steuern sind da auf jeden Fall der falsche Weg. Zuerst muss man Anreize schaffen, damit Erfolg möglich ist.

Burn-out und Co als Stichwort. Wie sollen Unternehmer in Zukunft den Umgang mit ihren Mitarbeitern pflegen? Welchen Weg will man da gehen?
Der Druck wird auf allen Seiten größer. Nicht nur auf die Arbeitnehmer, auch auf die Unternehmer. Heute gibt es wesentlich höhere Anforderungen als früher. Das ist ein zentraler Punkt in der Wirtschaftspolitik in Zukunft.

Gibt es jetzt aber konkrete Rezepte um den Druck auf das Arbeitsleben zu mindern?
Man muss schauen, dass Arbeit leistbar bleibt, aber wir nehmen das Thema Burn-out durchaus ernst. Bei Burn-out gibt es aber in der Regel mehrere Gründe, da gehört das private Umfeld meistens auch mit dazu. Zu sagen, die böse Wirtschaft macht die Arbeitnehmer kaputt, stimmt so nicht. Die Internationalität des Wettbewerbs ist da. Da kann man nicht viel ändern.

Wir haben steigende Arbeitslosenzahlen und in beispielsweise in der Baubranche schaut es düster aus. Wie ist Ihre Einschätzung der Konjunktur?
Die Arbeitslosenrate wird hoch bleiben. Das Wachstum ist auf Sicht zu gering, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Dennoch sehe ich den Vorteil, dass bei allen Prognosen – auch wenn sie jetzt zurückgeschraubt wurden – ein Plus davor steht. In der Krise haben wir ein Minus gehabt. Jetzt haben wir zwar nicht mehr das Plus, das ursprünglich prognostiziert war, aber es ist immer noch ein Plus. Die Faktoren Wachstum, Exporte, und Kaufkraft stehen auf Plus.

Wie kann man hier höheres Wachstum erreichen?
In der Wirtschaft geht es auch stark um Stimmung. Und da müssen die Rahmenbedingungen passen. Die Situation ist hier nicht ganz einfach. Bei der Kaufkraft beispielsweise bewegen wir uns inflationsbereinigt nahe der Nulllinie und die Investitionen gehen zurück. Konzerne überlegen, im Ausland zu investieren, statt in Österreich und das verunsichert auch die KMU.

Heißt das, wir brauchen vermehrt seitens der Politik Anreize?
Erstens brauchen wir eine positive Grundstimmung und zweitens mehr Unterstützung. In der Regierung Schüssel hat es eine Investitionszuwachsprämie gegeben. Und wir brauchen Förderungen für Unternehmen.

Wäre ein Sonderkonjunkturprogramm hilfreich?
Durchaus. Ich bin übrigens auch für alternative Finanzierungsprogramme, wie etwa Crowd-Funding. Allerdings unter den gleichen Bedingungen, wie es für Banken gilt. Das heißt, es braucht hier auch eine Absicherung.

Brauchen wir mehr Risikokapital in Oberösterreich?
Natürlich. Banken haben hier auch starke Restriktionen durch Basel II und Basel III. Da hätte die Wirtschaft mehr Möglichkeiten aufgrund alternativer Finanzierungsmodelle.

Das wäre für die Start-up-Szene interessant.
Durchaus. Wir haben da aber in Oberösterreich auch die UBG, die Unternehmensbeteiligungsgesellschaft, haben die Kreditgarantiegesellschaft und wir haben auch auf Bundesebene Unterstützung für Jungunternehmer. Das geht aber auch nur für ein paar Jahre.

Wie beurteilen Sie die Situation bei den Unternehmensgründungen?
Wir haben 88.500 Mitgliedsbetriebe in Oberösterreich und etwa 4500 Unternehmensgründungen und circa 500 bis 1000 Betriebsübergaben pro Jahr. Wir sind ein sehr intensives Gründerland, das stärkste im Bundesländervergleich.

Und international?
Auch da können wir mithalten.

Wie glücklich sind Sie mit dem Mix bei den Unternehmensgründungen?
Da sind natürlich viele Ein-Personen-Unternehmen dabei und viele Dienstleister, aber wir halten auch bei den Gründungen die Balance. Da haben wir in etwa denselben Mix wie bei den bereits am Markt etablierten Betrieben.

Funktioniert die Sozialpartnerschaft noch?
Wenn die Arbeiterkammer mit einem Schwarzbuch kommt, dann ist das ein Stil, der absolut das Vertrauen unterwandert. Ich glaube dennoch, dass wir die Sozialpartnerschaft brauchen.

Ist das eine Situation, die nur auf Oberösterreich beschränkt ist?
Auf Bundesebene wissen die handelnden Personen schon, dass es nur Miteinander geht. Das Schwarzbuch ist der komplett falsche Weg und Oberösterreich ist das einzige Bundesland, in dem es das gibt. Und wir wissen ja auch gar nicht, ob das alles stimmt, was da drinnen steht. Wenn es Missbrauch gibt, muss man den natürlich aufzeigen und abstellen. Dazu stehe ich. Aber die Leute an den Pranger zu stellen, ist der falsche Weg. Das erzeugt nur Neid und Missgunst.

Stichwort Exporte. Wohin sollen die oberösterreichischen Unternehmen gehen?
Überall dort, wo das Wachstum höher ist, als in Europa. Chancen sehe ich in Afrika, Asien und auch Amerika.

Die Staaten sind aber weiter weg und dort gibt es andere rechtliche Rahmenbedingungen. Das macht es speziell für KMU schwer.
Die KMU gehen oft mit den großen expandierenden Unternehmen mit, weil sie beispielsweise Zulieferer sind. Leitbetriebe brauchen wir daher sehr dringend.

Und wie bekommen beziehungsweise halten wir die Leitbetriebe im Land?
Wenn wir die Unternehmen bei Umweltschutzbestimmungen beispielsweise überfordern, wird es schwer. Auf der anderen Seite haben wir zum Glück sehr gut ausgebildete Fachkräfte. Und vor allem Zweiteres muss so bleiben. Und ohne gesetzliche Vereinfachungen und weniger Bürokratie wird es nicht gehen.
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