04.11.2016, 09:26 Uhr

Wirtschaft in Russland auf dem Prüfstand

Die Herausforderungen für künftige Wirtschaftsbeziehungen mit Russland wurden im Bankhaus Spängler besprochen. Foto: Bankhaus Spängler

Im Bankhaus Spängler am Hauptplatz wurden bei einem Frühstück die wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland diskutiert.

LINZ (red). Russland und dessen wirtschaftliche Entwicklung standen im Mittelpunkt eines “Business-Frühstücks”, zu dem das Bankhaus Spängler in Linz geladen hat. Regionalleiter Johann Penzenstadler begrüßte zahlreiche Gäste in der Filiale am Hauptplatz. Gastredner Dietmar Fellner, Delegierter der Österreichischen Wirtschaftskammer in Moskau, hielt einen spannenden Impulsvortrag über die Chancen und Herausforderungen für Wirtschaftstreibende im größten Land der Welt. “Seit ein paar Jahren sinkt das österreichische Handelsvolumen mit Russland leider kontinuierlich, 2015 betrug der Einbruch der Exporte gegenüber dem Vorjahr satte 43 Prozent”, erklärte Fellner. “Russland ist auf Platz 16 der wichtigsten Handelspartner zurückgefallen. Dennoch sind aktuell noch immer an die 500 österreichische Unternehmen in Form von Repräsentanzen oder Firmen in der Russischen Föderation vertreten. Aber: Aufgrund erhöhter Unsicherheit werden deutlich weniger Investitionen getätigt.”

Geld fließt vermehrt ins Ausland


Die russische Wirtschaft steht laut Fellner vor immensen Herausforderungen. “Ölpreisverfall, Rubelabwertung, Ukraine-Krise und Sanktionen setzen das Land unter Druck. Sowohl Konsumausgaben - aufgrund schwindender Kaufkraft - als auch Investitionsvolumen befinden sich im Sinkflug. Der Staat muss bei öffentlichen Projekten Ausgaben kürzen, auch in der Privatwirtschaft gibt es finanzielle Engpässe. Das vorhandene Geld fließt nicht in Investitionen sondern wird vermehrt ins Ausland transferiert”, so der Experte.

Neue Chancen sehen

All das wirkt sich natürlich auch auf ausländische Wirtschaftstreibende aus. “Die protektionistische Politik zielt auf Importsubstitution und Lokalisierung ab”, berichtet Fellner. “Bei der Vergabe öffentlicher Aufträge werden Hersteller aus Russland, Eurasien und aus Ländern, die keine Sanktionen gegen Russland eingeführt haben, bevorzugt.” Dennoch: "Es ist auch der Versuch einer Annäherung an Europa zu spüren. Unternehmen tun gut daran, die Krise zu `durchtauchen´, um wieder neue Chancen wahrnehmen zu können - beispielsweise in der Eurasischen Wirtschaftsunion.” Der Wirtschaftsdelegierte betont aber auch: “Einfach ist es nicht, die zukünftigen Entwicklungen in Russland richtig einzuschätzen. Es dreht sich dort nun einmal alles um einen Mann: Wladimir Putin.”
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