(Geheim-)Tipp Sehenswürdigkeit
"Diese Fresken sind von unschätzbarem Wert"

Peter Lerchner (Messner, li.) und Hans Fuchs (ehemaliger Messner) vor der Filialkirche St. Rupert – ein romanischer Sakralbau aus dem 11. beziehungsweise 12. Jahrhundert nach Christus.
6Bilder
  • Peter Lerchner (Messner, li.) und Hans Fuchs (ehemaliger Messner) vor der Filialkirche St. Rupert – ein romanischer Sakralbau aus dem 11. beziehungsweise 12. Jahrhundert nach Christus.
  • Foto: Peter J. Wieland
  • hochgeladen von Peter J. Wieland

In dieser Folge des Bezirksblätter OTVS (OnlineTV Salzburg) statten wir der denkmalgeschützten Filialkirche St. Rupert in Weißpriach einen Besuch ab. Der Messner, Peter Lerchner, und sein Vorgänger, Hans Fuchs, haben uns dabei auch die wertvollen Fresken gezeigt, die so alt sind wie die Kirche selber: also knapp 1.000 Jahre alt. An den Seiten sind weltweit seltene Darstellungen – echte Raritäten – zu sehen.

WEISSPRIACH. Wer nach Weißpriach in Tal hineinfährt, der kommt, kurz bevor er den Hauptort erreicht, am Ortsteil St. Rupert vorbei. Just dort befindet sich ein Kleinod romanischer sakraler Baukunst: die Filialkirche St. Rupert.

Erbaut vor knapp 1.000 Jahren

Erbaut wurde diese Kirche, die einst von einer Burgmauer, deren Bruchstücke zum Teil heute noch zu sehen sind, umgeben war, in etwa zwischen 1050 und 1150 nach Christus. Durch Urkunden lässt sich das Baudatum nicht 100-prozentig belegen, doch Einschätzungen von Fachexperten und Historikern lassen diesen Zeitraum als wahrscheinlich vermuten. Ihr Ursprung liegt wohl noch früher zurück, so etwa um 750 nach Christus. Verbaut wurden damals zum Teil auch römische Bauelement, die von abgerissenen Bauwerken stammen und die dann bei der Errichtiung der Kirche Wiederverwendung gefunden haben.

Der Original-Schlüssel der die Kirche sperrt ist rund 1.000 Jahre alt. Messner Peter Lerchner hütet ihn.
  • Der Original-Schlüssel der die Kirche sperrt ist rund 1.000 Jahre alt. Messner Peter Lerchner hütet ihn.
  • Foto: Peter J. Wieland
  • hochgeladen von Peter J. Wieland

An einem strategischen Standort

Der Standort der Kirche wurde nicht zufällig gewählt; er liegt strategisch gut gelegen am früheren Hauptweg über den Tauerngebirgszug, der einst durch das Weißpriachtal nach Forstau-Radstadt oder über den Znachsattel nach Schladming führte. Die Kirche samt Wehrburg diente dereinst den Fürsterzbischöfen, die auf der Durchreise hier logierten, als Herberge.

Die Fresken haben Seltenheitswert

Das Außergewöhnliche und Besondere der Filialkirche St. Rupert sind zweifelsfrei ihre bereits erwähnten Fresken im Inneren. Die Apsis wurde – so berichtete uns der ehemalige und langjährige Messner Hans Fuchs – in den 1930er- und 1940er-Jahren freigelegt. Diese Fresken stammen aus dem 13. Jahrhundert; es handelt sich in der Apsis unter anderem um eine byzantinische Christusdarstellung: Christus mit der Mandorla.

Hans Fuchs (ehemaliger Messner) und Peter Lerchner (Messner) in der Filialkirche St. Rupert, in der vor allem die Fresken von höchstem kunsthistorischem Wert sind.
  • Hans Fuchs (ehemaliger Messner) und Peter Lerchner (Messner) in der Filialkirche St. Rupert, in der vor allem die Fresken von höchstem kunsthistorischem Wert sind.
  • Foto: Peter J. Wieland
  • hochgeladen von Peter J. Wieland

Es war damals der Pfarrer und Professor Josef Schitter, ein Kooperator, der immer wieder neugierig geschmökert hat; denn er hat wohl schon geahnt, dass sich an den Wänden versteckt etwas Besonders verborgen befindet. Und so war es auch. Der bedeutende Freskenfund in der Apsis, machte die Verlegung des Altars notwendig. Dieser wurde zum damaligen Missfallen der Weißpriacher nach Maria Hollenstein in Ramingstein gebracht. Die Weißpriacher waren nicht erfreut, dass wegen "der bissl Malerei“ – so schildert es uns Hans Fuchs – ihr gestifter Altar – die Weißpriacher hatten viel Geld dafür ausgegeben – weichen musste. "Heute redet man nicht mehr davon", beruhigt Hans Fuchs die zeitgenössischen Gemüter, "heute weiß man: das ist etwas Besonderes. Heute kommen Experten von der ganzen Welt zu uns und schauen sich die Fresken an."

>> Video – eine kleiner kunsthistorischer Streifzug durch die Kirche St. Rupert:

Die Seitenwände – rechter und linker Hand – wurden dann in den 1970er-Jahren freigelegt; die dort angebrachten Fresken stammen in etwa aus dem Jahre 1100 nach Christus, also aus der Zeit, in der die Kirche gebaut wurde. Abgebildet an den Seiten sind die Legende und noch weitere Geschichten rund um den Heiligen Ägidius;  aber auch die Kreuzigung des Heiligen Philippus oder die Steinigung des Heiligen Stefanus sind dort zu sehen. Diese Fresken mit ihrer Darstellungsart und -technik werden übrigens als Wiege der Malkunst im hiesigen geografischen Raum angesehen.

Peter Lerchner (Messner, li.) und Hans Fuchs (ehemaliger Messner) vor der Filialkirche St. Rupert – ein romanischer Sakralbau aus dem 11. beziehungsweise 12. Jahrhundert nach Christus.
  • Peter Lerchner (Messner, li.) und Hans Fuchs (ehemaliger Messner) vor der Filialkirche St. Rupert – ein romanischer Sakralbau aus dem 11. beziehungsweise 12. Jahrhundert nach Christus.
  • Foto: Peter J. Wieland
  • hochgeladen von Peter J. Wieland

Hans Fuchs, der ehemalige Messner, der gleich neben der Kirche wohnt und dort auch seine Kindheit verbracht hat, war als Bub live dabei. "Pro Tag legen die Restauratoren nicht mehr als einen Quadratdezimeter frei. Ein Jahr lang dauerte es, bis man gesehen hat, was hier abgebildet ist. Eine spannende Zeit, auch für uns Kinder."

„Es ist hier nicht alles Gold, es ist nicht alles glänzend; aber es ist etwas ganz Besonders, vor allem die Fresken sind von unschätzbarem Wert.“
Hans Fuchs, ehemaliger Messner

Im hinteren Teil der Kirche, an der Seite über der Eingangstür, ist das jüngste Gericht dargestellt. Zu sehen sind Himmelsszenen und auch jene des Fegefeuers und der Hölle. Diese Fresken sind eine ikonographische Seltenheit und gelten weltweit als echte Rarität. Ähnliche Fresken findet man nämlich – soweit bekannt – heute nur noch in Frankreich.

Messner Peter Lerchner. Seit zwei Jahren kümmert er sich um das Kirchlein, das unter Denkmalschutz steht und um welche sich viele Geschichten, Legenden und Anektoden ranken.
  • Messner Peter Lerchner. Seit zwei Jahren kümmert er sich um das Kirchlein, das unter Denkmalschutz steht und um welche sich viele Geschichten, Legenden und Anektoden ranken.
  • Foto: Peter J. Wieland
  • hochgeladen von Peter J. Wieland

Versperrt, aber zu besichtigen

Von Interessierten besichtigt kann die Filialkirche St. Rupert auch werden. Eine Anmeldung bei Messner Peter Lerchner, oder in der Pfarrkanzlei Mariapfarr – die politische Gemeinde Weißpriach gehört zur Pfarre Mariapfarr – ist allerdings nötig, denn normalerweise ist die Filialkirche St. Rupert zugesperrt; der Messner hat aber den Schlüssel – auch dieser ist in etwa 1.000 Jahre alt; der Messner zeigt den Leuten in die Kirche hinein und er zeigt ihnen vor allem auch die sich in ihr befindenden Fresken. "Die Motive der Leute, die zu uns kommen sind unterschiedlich", erzählt Peter Lerchner, "der eine hat einen (kunst-)historischen Standpunkt, der andere kommt zum Fotografieren und wieder andere kommen zur Ausübung ihres Religion."

Derzeit keine Heiligen Messen

Bis vor ein paar Jahren wurde in St. Rupert eine wöchentliche Schulmesse abgehalten, bevor dies aus diversen Gründen, auf die wir an dieser Stelle nicht näher eingehen wollen, eingestellt wurde. Normalerweise wurde bis zuletzt auch einmal im Monat ein Sonntagsgottesdienst gefeiert. Seit der Corona-Pandemie gibt es allerdings gar keine Heilige Messe mehr. Das – so hofft Messner Peter Lerchner – wird sich wohl irgendwann wieder ändern; vielleicht sogar schon bis zum 24. September, denn an diesem Datum wird in der Regel die Patroziniumsmesse zu Ehren des Heiligen Rupert – Namenspatron der Filialkirche St. Rupert – gefeiert.

>> Schmökere auch in diesem Beitrag, wenn du magst:

Hinter Schloss und Riegel, ganz nahe bei Gott

>> Weitere Artikel von Peter J. Wieland findest du >>HIER<<
>> Zu den weiteren Videos des "Bezirksblätter OTVS" geht es >>HIER<<

Newsletter Anmeldung!

Du willst Infos, Veranstaltungen und Gewinnspiele aus deiner Umgebung?

Dann melde dich jetzt für den kostenlosen Newsletter aus deiner Region an!

ANMELDEN

Newsletter Anmeldung!


Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Aktuell
Anzeige
Das Wiener Jaukerl und die Schluck I. - seit kurzem nur noch zensuriert erhältlich
1 4 4

Das Warten aufs Jaukerl hat ein Ende!

Wenn zwei Wiener Urgesteine zusammenfinden, entsteht etwas Großes! Das Bioweingut Lenikus und die bz-Wiener Bezirkszeitung haben mit dem "Wiener Jaukerl" und der "Schluck I." gemeinsam das 750ml Serum aus bestem gegorenem Traubensaft ins Leben gerufen. Das Jahr 2020 wird immer als das Jahr der weltweiten Pandemie in Erinnerung bleiben, und das Jahr 2021 als das, der weltweiten Impfung gegen Covid-19. Das „Serum“ hilft zwar offensichtlich nicht gegen das Virus und kann auch die richtige Covid-19...

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!




Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen