Geschichte
Die Polizei in Tamsweg behütet historische Schätze

Schmökern in den historischen Polizeichroniken des Lungaus: Felix Gautsch (Bezirkspolizeikommandant Lungau), Ludwig Fegerl (Geologe Land Salzburg), Aurelia Liegler (Geologin) und Joachim Steinlechner (BMI, Leiter Exekutivgeschichte).
  • Schmökern in den historischen Polizeichroniken des Lungaus: Felix Gautsch (Bezirkspolizeikommandant Lungau), Ludwig Fegerl (Geologe Land Salzburg), Aurelia Liegler (Geologin) und Joachim Steinlechner (BMI, Leiter Exekutivgeschichte).
  • Foto: Land Salzburg/Monika Rattey
  • hochgeladen von Peter J. Wieland

MIT VIDEO Vor 100 Jahren wurde ein Polizist erschlagen: Das und noch viel mehr findet sich in den Polizeichroniken des Lungaus für die Nachwelt dokumentiert; und auch warum die Daten so wichtig für die Geologen des Landes Salzburg sind, verraten wir in diesem Artikel.

TAMSWEG. Ein Wilderer, der vor rund 100 Jahren einen Polizisten mit einem Ast erschlagen hat. Oder ein Betrüger, der viele in Tamsweg in den 1950er Jahren um mehrere 100.000 Schilling erleichtert hat. Nicht nur solche Beispiele polizeilich relevanter Vorfälle sind in den Polizeichroniken des Lungaus, die bis in das Jahr 1860 zurückreichen, zu finden. aufbewahrt werden diese historsichen Schätze im Keller der Polizeiinspektion Tamsweg. Salzburgs Landes-Medienzentrum (LMZ) berichtete darüber.

„Bis 2005 war es verpflichtend, dass diese von allen Polizeistellen geführt wurden, im Zeitalter des Computers wurde diese Verpflichtung dann außer Kraft gesetzt."
Felix Gautsch, Polizeikommandant Lungau

„Die Chroniken haben sich schon öfter als Schatz erwiesen, sei es für Forscher, Historiker oder nun eben auch die Geologen des Landes“, betont auch Felix Gautsch, Bezirkspolizeikommandant im Lungau, in Tamsweg, der die Chroniken laut dem LMZ hütet, wie seinen Augapfel. Gautsch erzählt: „Bis 2005 war es verpflichtend, dass diese von allen Polizeistellen geführt wurden, im Zeitalter des Computers wurde diese Verpflichtung dann außer Kraft gesetzt. Das ist schade, auch wenn es neben der polizeilichen Tätigkeit viel Arbeit ist, sie zu befüllen, beinhalten sie doch wertvolle Informationen von gestern, für unser heute und für unser morgen“, ist der Bezirkskommandant überzeugt.

>> Video des Landes-Medienzentrum Salzburg zum Thema:

Auch Naturereignisse sind vermerkt

Auch extreme Naturereignisse seien in den Chroniken akribisch vermerkt, was hilfreich bei künftigen Einschätzungen sein könne. Die Polizeichroniken geben somit nicht nur Aufschluss über Ereignisse der Vergangenheit wie Unfälle, Morde und dergleichen, sondern auch über Umweltkatastrophen, Lawinen oder Hochwasser.

Wichtige Daten für die Geologen

Diese Daten sind für die Geologen des Landes Salzburg eine wahre Fundgrube. „Die Polizeiaufzeichnungen enthalten Informationen über den Ort, den Zeitpunkt und das Ausmaß eines Schadens“, so Geologin Aurelia Liegler, die während ihres Praktikums beim Land Salzburg begonnen hat, die Chroniken nach Naturereignissen zu durchforsten.

„Daten aus den Archiven fließen ins 'Sagis'. Diese Daten sind äußerst hilfreich für die Planung von Schutzbauten.“
Landesrat Josef Schwaiger

Dass die Reise in die Vergangenheit beim Schutz für die Zukunft helfen kann, bestätigt auch Landesrat Josef Schwaiger: „Ich bin der Polizei sehr dankbar für diese Kooperation. Die Archive decken die neuralgischen Punkte – jetzt in allen Bezirken – auf. Das unterstützt uns bei der Planung der Schutzbauten. Dass die Daten hausintern durch 'Sagis' (Salzburger Geologische Informationssystem) dann verarbeitet und aufbereitet werden, ist ein großer Vorteil.“

"Sagis" mit Daten aus allen Bezirken gespeist

Die Inhalte der handschriftlichen Chroniken wurden in den Ereigniskataster des Landes, ins Sagis (Salzburger Geologische Informationssystem) eingespeist. „Diese Daten liegen uns nun aus allen Bezirken vor, nach und nach wurden in den vergangenen drei Jahren die alten Dokumente durchforstet“, so Ludwig Fegerl, Geologe beim Land Salzburg. „Sie dokumentieren geologische und hydrologische Gefahrenstellen. Diese Dokumentationen sind für uns wesentliche Quellen von Wissen und dienen als Grundlagen für Risikoanalysen bzw. können auch äußerst wertvoll und hilfreich sein, wenn man beispielsweise Schutzbauten dimensioniert.“

Chroniken werden in der Landespolizeidirektion digitalisiert

Die Polizeichroniken des Lungaus werden von der Exekutive in Tamsweg zwar bestens behütet, sie werden nun allerdings trotzdem auch digitalsiert. „In der Landespolizeidirektion Salzburg werden nun schrittweise die Chroniken digitalisiert", sagt Joachim Steinlechner, Historiker und Leiter des Fachzirkels im Bundesministerium für Inneres. "Es handelt sich um einzigartige zeithistorische Dokumente. Dieses Wissen soll auch für die Polizei erhalten bleiben.“

>> Mehr News aus dem Lungau findest du >>HIER<<

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Autor:

Peter J. Wieland aus Lungau

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