Leserbrief: "Windenergiepark Fanningberg, Biosphäre und Bevölkerung ?"

Dieser Leserbrief in Sachen Windenergiepark am Fanningberg stammt von August Pichler jun. aus Tamsweg.
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  • Foto: Archiv BB
  • hochgeladen von Christa Nothdurfter

Aus einigen Medienberichten konnte man erfahren, dass am Fanningberg bei Weißpriach eine Windenergieanlage, bestehend aus acht 180 Meter (!) hohen Windkrafträdern, geplant ist. Der Rotordurchmesser würde 136 Meter betragen. Jedes dieser Windräder würde den Stephansdom in Wien um etwa 45 Meter überragen.

Der Alpenverein als anerkannte Umweltorganisation, dem Parteistellung im UVP-Verfahren zukommt, spricht sich nicht generell gegen die Windkraft aus, verlangt aber aufgrund der Sensibilität der alpinen Regionen im Vorfeld eine ausgewogene und eingehende Planung und knüpft diverse Bedingungen an mögliche Standorte, wie zum Beispiel  die Einhaltung gewisser Tabuzonen betreffend visuell exponierter Standorte.

Die geplanten Windräder am Fanningberg-Zechnerriegel würden aufgrund ihrer Höhe und Sichtbarkeit den Charakter des Landschaftsbildes prägen (vgl. die herrliche Landschaftssilhouette am Titelfoto des Magazins "Wir sind Biosphäre", Tätigkeitsbericht 2016/17, herausgegeben vom Biosphärenpark Lungau, und das wunderbare Landschaftsfoto auf den letzten beiden Seiten dieses Magazines) und wären auch wirtschaftliche Folgen dadurch im Tourismus nicht auszuschließen.

Derzeit sind beim Amt der Salzburger Landesregierung, Abteilung Raumplanung, Verfahren betreffend der Änderung des räumlichen Entwicklungskonzeptes, betreffend der Flächenwidmungsplanänderung und die unerlässlichen Untersuchungen für die strategische Umweltprüfung anhängig.

Das Positionspapier des Österreichischen Nationalkomitees für das UNESCO-Programm "Man and the Biosphere" verlangt, dass sowohl die Entwicklung von Energiekonzepten als auch die Umsetzung von Windkraftanlagen in den Biosphärenparks unter enger Einbindung der regionalen Bevölkerung vorgenommen werden muss. Der Ausbau erneuerbarer Energien darf nur Hand in Hand mit Natur- und Landschaftsschutz geschehen. Es muss ein mit den Schutzzielen des Biosphärenparks in Einklang stehendes Energiekonzept von den Gemeinden bzw. der Region erarbeitet werden. Vorrang haben grundsätzlich Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und Senkung des Energieverbrauches gegenüber dem Neubau von Anlagen. Eine diesbezügliche Stellungnahme des UNESCO-MAB-Komitees ist einzuholen.
Derzeit hat das MAB-Komitee weder eine Anfrage von den Projektbetreibern noch von den politischen Verantwortungsträgern erhalten.

Aus dem Umsetzungskonzept der Biosphäre Lungau als Klima- und Modellregion geht hervor, dass im Lungau aus den 39 Kleinwasserkraftwerken und dem Kraftwerk Hintermuhr jährlich ca. 170.000 MWh Strom produziert wird. Dem gegenüber steht ein jährlicher Stromverbrauch im Lungau von ca. 115.000 MWh.

Meines Erachtens wären jetzt die politischen Verantwortungsträger vor allem der betroffenen Gemeinden (Weißpriach, Mariapfarr, Tamsweg, St.Andrä) am Zug, um die Bevölkerung über die tatsächlichen Dimensionen des Windparks in punkto extremer Höhe der Windräder  und des visuell äußerst exponierten Standortes zu informieren. Es wären, wie es das UNESCO-Komitee auch verlangt, unter Einbindung der Bevölkerung dringend Informationsveranstaltungen (pro und kontra, Standort an zentraler Sichtachse; Finanzierung, Effizienz und Kostendeckung von Windenergieanlagen nach Ablauf der Förderungen usw. ) abzuhalten und anschließend die Bevölkerung zu befragen, um nicht durch Ignorieren der Vorgaben des UNESCO-Komitees unter Umständen das mühsam für den Lungau erworbene Prädikat „Biosphärenpark“ zu gefährden !?

August Pichler jun., Tamsweg 
Naturschutzreferent der ÖAV-Sektion Lungau

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