Es stehen große Investitionen an

Mit 23-jähriger Amtszeit ist Ortschef Lanner der längst dienende Bürgermeister im St. Martiner Amt.
  • Mit 23-jähriger Amtszeit ist Ortschef Lanner der längst dienende Bürgermeister im St. Martiner Amt.
  • hochgeladen von Julia Hettegger

Bürgermeister Rudolf Lanner wirft im BEZIRKSBLATT-Interview einen Blick auf seine Gemeinde St. Martin – wie steht es um die Nebenerwerbsbauern, wie will man den Neubau des Amtshauses finanzieren und wie steht er der SPÖ-Forderung der Anhebung der Ortstaxenobergrenze gegenüber?

Beschreiben Sie die Struktur Ihres Ortes!
RUDOLF LANNER:
„St. Martin ist ein, vom Tourismus und von der Landwirtschaft geprägter Ort. 60 Prozent des Tourismus macht bei uns der Winter, 40 Prozent der Sommer aus. Wir kommen heute auf 140.000 Jahresnächtigungen bei 1.400 Gästebetten. Wenn wir den Tourismus weiter ausbauen wollen, werden wir in die Qualität und in die Anzahl der Betten investieren müssen. Weiters sind 60 landwirtschaftliche Betriebe in St. Martin beheimatet, die meisten davon sind Nebenerwerbsbauern. Was das Gewerbe betrifft läuft unser Ort auf eher niedrigem Niveau. Dennoch sprechen die Zahlen der Wirtschaftskammer für sich. In den letzten zehn Jahren sind die St. Martiner Pflichtmitglieder der Wirtschaftskammer um 60,3 Prozent angewachsen, damit sind wir die Anstiegsspitze im Pongau.“

Weil wir gerade von den Landwirten in Ihrer Gemeinde gesprochen haben – wie geht es Ihrer Meinung nach für die Nebenerwerbsbauern in den kommenden Jahren weiter?
RUDOLF LANNER:
„Ich hoffe natürlich, dass die Entwicklungen ab 2013 die kleineren Bauern nicht benachteiligen. Die Politik kann es sich in den Bergregionen nicht erlauben, großartig Unterstützungen zu streichen, viel eher muss eine Umverteilung vorgenommen werden. Wenn Privatgeld für den Erwerb von landwirtschaftlichen Maschinen genutzt werden muss, werden wohl viele Nebenerwebsbauern sprichwörtlich den Hut drauf werfen.“

Wieviel Budget steht Ihnen im Jahr zur Verfügung und wie kommen Sie mit den finanziellen Ressourcen zu Rande?
RUDOLF LANNER:
„Im ordentlichen Haushalt haben wir 2,4 Millionen Euro, im außerordentlichen stehen uns 400.000 Euro zur Verfügung. Davon ist der Großteil fix verplant. Die freie Budgetspitze liegt nur bei 5 bis 10 Prozent. Große Investitionen, wie der Zubau und die Sanierung des Schulgebäudes, mit Kindergarten, Musikerheim und Freiwilliger Feuerwehr im Jahr 2008, sind ohne Fremdkapital nicht möglich. Weiter belasten die Gemeinde die Gastschulbeiträge an Annaberg, das SBZ Radstadt, sowie an die Polytechnische Schule Abtenau von jährlichen 100.000 Euro. Die Verschuldung von St. Martin ist aber moderat.“

Würde St. Martin die Anhebung der Ortstaxenobergrenze, wie es die SPÖ fordert, auf zwei Euro etwas bringen?
RUDOLF LANNER:
„Ich denke, dass die Schaffung der gesetzlichen Grundlage dafür ein sinnvoller Schritt wäre. Auch in St. Martin wäre das eine finanzielle Hilfe für den Tourismusverband.“

Mit welchen konkreten Problemen sieht sich St. Martin konfrontiert und welche Gegenmaßnahmen werden seitens der Gemeindevertretung aktuell vorbereitet, um dagegen zu steuern?
RUDOLF LANNER:
„Probleme bereiten uns die drei großen anstehenden Investitionen. Einmal wäre das der Bau eines neuen Amtshauses, zu welchem demnächst ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben wird. In diesem Gebäude sollen das Gemeindeamt, der Tourismusverband als Postpartner, sowie ein Jugend- und Seniorenraum Platz finden. Der Spatenstich wird aller Voraussicht nach im Herbst 2011 erfolgen. Eine weitere Investition wird der Ankauf eines Löschfahrzeuges sein und als drittes‚ Problem‘ stellt sich die Finanzierung des Umbaues des Hüttauer Seniorenheims dar. Als Mitglied im Gemeindeverbund hat St. Martin dort 15 Betten, somit müssen wir uns mit 1,2 Millionen Euro am Umbau beteiligen.“

Ist es wahr, dass die Ferienregion Lammertal Dachstein West mit St. Martin als Mitgliedsgemeinde nicht länger existieren wird?
RUDOLF LANNER:
„Ja, die Gemeinde St. Martin hat heuer den ersten Stein geworfen und ist aus der Gesellschaft ausgestiegen. Die Kooperation der Gemeinden bleibt aber über die Werbegemeinschaft erhalten. Zu diesem Zweck wollen wir auch Russbach wieder ins Boot holen.“

Wenn Sie der Landeshauptfrau gegenübersitzen würden, um was würden Sie sie für Ihre Gemeinde bitten?
RUDOLF LANNER:
„Falls Frau Burgstaller 2014 wieder als LH kandidieren sollte, würde ich mir wünschen, dass sie das Gemeinderessort wieder für sich beanspruchen würde. Damit die Ungleichbehandlung bei der Verteilung der Mittel aus den Gemeindeausgleichsfonds unter den Ausgleichsgemeinden aufhört.“

Wer ist der geheime Bürgermeister in Ihrer Gemeinde?
RUDOLF LANNER:
„Es gibt keinen, denn sonst wäre ich nicht mehr Bürgermeister (lacht). Vor den letzten Wahlen hatte ich meinen Rücktritt bereits bekannt gegeben. Der Bürgermeisterkandidat ist dann jedoch abgesprungen und so kam mein Rücktritt vom Rücktritt. Dieses Hin und Her hat uns in der Gemeinde sicher die absolute Mehrheit gekostet.“

Interview: Julia Baumgärtner

Newsletter Anmeldung!

Du willst Infos, Veranstaltungen und Gewinnspiele aus deiner Umgebung?

Dann melde dich jetzt für den kostenlosen Newsletter aus deiner Region an!

ANMELDEN

Newsletter Anmeldung!


Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!




Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen