Unterm Landesdurchschnitt

Im Gespräch über die Qualifizierungsbilanz:

Vertreter aus der Lokal- und Landespolitik sowie aus der Wirtschaft kamen vergangene Woche zusammen, um über die Qualifizierungsbilanz Pongaus zu diskutieren – das Fazit: Der öffentliche Verkehr muss ausgebaut werden, um Lehrlinge, Pendler, Menschen in Ausbildung und Pongauer in Fort- und Weiterbildung zu unterstützen und die Abwanderung von gut ausgebildeten Personen einzudämmen.

PONGAU (jb). Grüne Wiesen, Berge, die zum Wandern einladen, verträumte Täler und viel unberührte Natur, so zeigt sich der Pongau von seiner charmanten Seite – doch bei uns scheint nicht nur die Sonne. Eine eher niedrige Bildungsbeteiligung der Bevölkerung, beschränkte Erwerbsmöglichkeit auf wenige Branchen, eine geringe Anzahl an hochwertigen Arbeitsplätzen, eine hohe Abwanderungsquote bei gut ausgebildeten Personen und ein stark eingeschränkter öffentlicher Verkehr – auch das ist der Pongau. All diese Aspekte des Arbeitsmarktes ergaben sich aus der Arbeitsmarktpolitischen Qualifizierungsbilanz für den Pongau, eine 200 Seiten umfassende Studie, finanziert durch den Territorialen Beschäftigungspakt Salzburg kurz TEP und durchgeführt von der Wissenschaftsagentur Salzburg, rund um Univ.-Prof. Christian Dirninger und Mag. Armin Mühlböck. Das Ziel lautete, die Stärken und Schwächen unserer Region in den arbeitsmarkt- und wirtschaftsrelevanten Bereichen herauszuarbeiten und die Ergebnisse in Folge als Grundlage neuer Maßnahmen zur Gestaltung des Pongaus als Lebens-, Wirtschafts- und Arbeitsraum zu verwerten.

Die wichtigsten Ergebnisse
Einige Aussagen der Studie bezeichnet die Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, die mit LAbg. Hans Scharfetter, AMS Regionalstellenleiter Thomas Burgstaller, ÖGB Sekretär Martin Goller und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Regionalverbandes Bgm. Josef Tagwercher zur Diskussion zusammenkam, als „schockierend und besorgniserregend“: „45 Prozent aller befragten Pongauerinnen verfügen nicht einmal oder höchstens über einen Pflichtschulabschluss, dasselbe gilt für 29 Prozent der männlichen Pongauer“, so die Landeshauptfrau. Auch mit sieben Prozent Maturaanteil und drei Prozent Hochschulabsolventen liegt der Pongau unter dem Landesdurchschnitt – ein eher niedriger Bildungsanteil der Bevölkerung. „Die Bildungsbeteiligung unter den jüngeren Jahrgängen steigt klar an, aber wenn in der Gruppe der 20- bis 39-Jährigen immer noch 19 Prozent keinen Pflichtschulabschluss aufweisen, ist das viel zu hoch“, zeigt sich die LH besorgt.

Lehre hat zentrale Bedeutung
Knapp 40 Prozent der Pongauer verfügen über einen Lehrabschluss, damit hat die Lehre zentrale Bedeutung in unserem Bezirk. Interessant ist, dass sich bei den Lehrstellen dreiviertel der Burschen in nur sechs, 82 Prozent der Mädchen in nur drei unterschiedlichen Berufsfeldern beschäftigen. „Dies liegt daran, dass man im Pongau vermehrt in der eigenen Region eine Lehre beginnt“, erklärt Armin Mühlböck, verantwortlich für die Studie. Martin Goller, ÖGB Sekretär sieht dieses Problem im mangelhaften öffentlichen Verkehrsnetz begründet: „Für Lehrlinge und Berufsanfänger ist es schwer, andere Ortschaften zu erreichen und damit ist das Angebot der Berufsgruppen beschränkt.“ Verstärkte Informationsveranstaltungen und Berufsberatungen sollen dazu führen: „den Eltern und Kindern die Augen für die Vielzahl an spannenden und zukunftsweisenden Berufen zu öffnen“, ergänzt die Landeshauptfrau. Weiters zeigt sich als bedenklich, dass 65 Prozent der Schüler nach der Matura der Region Pongau den Rücken kehren. Als Grund dafür werden schlechte Berufschancen und niedrige Bezahlung angegeben. Die Folge: Abwanderung von gut ausgebildeten Personen, besonders von Frauen, die vermehrt Hochschulen und Unis besuchen. Ebenso negativ zeigt sich das geringe Interesse an beruflicher Weiterbildung. Das Resümee der beteiligten Gesprächspartner: Viele der angeführten Problempunkte resultieren aus dem schlechten Angebot der öffentlichen Verkehrsmittel. Nun heißt es Ärmel hochkrempeln und Lösungen finden, damit die Bildungsbeteiligung der Bevölkerung steigt. Ein vielschichtig zusammengesetzter Arbeitskreis aus dem Bezirk hat bereits die Arbeit aufgenommen und entwickelt Lösungsvorschläge zu den Themen: Eingeschränkte Berufswahl, Weiterbildung bildungsferner Gruppen, Abwanderung, Mobilität und Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

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