30.09.2014, 00:00 Uhr

SPÖ will Umstrukturierungspläne betreffend das Krankenaus Tamsweg so nicht hinnehmen!

Diese SPÖ-Granden kritisieren die Umstrukturierungs-Pläne betreffend das KH Tamsweg: Peter Pfeifenberger, Bgm. Franz Doppler, Bgm. Sepp Kanlder, SPÖ-Lungau-Chef Bgm. Gerd Brand und SPÖ-Salzburg-Chef Walter Steidl.

"Krankenhaus Tamsweg: Visionen entwickeln, statt kürzen um jeden Preis!", so die Devise der SPÖ im Lungau.

LUNGAU (pjw). Massive Kritik an den Umstrukturierungsplänen betreffend das Krankenhaus Tamsweg äußerten hochkarätige Lungauer SPÖ-Politiker bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der außerordenlichen Bezirkskonferenz in St. Michael am vergangenen Freitag. Der Bezirksvorsitzende und Bürgermeister von St. Margarethen, Gerd Brand, Bgm. Franz Doppler (Mariapfarr), Bgm. Sepp Kandler (Muhr), der ehemalige Landtagsabgordnete und vorige SPÖ-Bezirksvorsitzende Peter Pfeifenberger sowie der Landespartei- und Klubvorsitzende Walter Steidl sprechen von einer Bankrotterklärung für die Gesundheitspolitik und sehen den KH-Standort gefährdet.

Steidl: "Rasenmähermethode"

„Die Lungauer Bevölkerung hat sich eine verlässliche und gute Gesundheitsversorgung verdient. Hier geht es auch um Gerechtigkeit in der Gesundheitspolitik“, stellt SPÖ-Landespartei- und Klubvorsitzender Walter Steidl klar. „Statt mit der Rasenmähermethode die Bettenanzahl im Krankenhaus Tamsweg zu halbieren, muss zuerst einmal nach den Gründen gesucht werden, warum die Patient/inn/en mit den Füßen abstimmen und in andere Krankenhäuser gehen, um sich dort behandeln zu lassen. Sind die Gründe gefunden, ist die Landespolitik, also Gesundheitsreferent Christian Stöckl, gefordert, taugliche Pläne vorzustellen, um das Spital zu stärken und aufrecht zu erhalten.“

Steidl: "Wie viele Jobs gehen verloren?"

Wie viele Dienstposten es künftig bei nur mehr 76 Betten geben wird, wie groß der Verlust an Arbeitsstellen sein wird und wie viele Personen in der Pflege sich künftig einen Job außerhalb des Bezirks suchen müssen, will Steidl vom Gesundheitsreferenten LH-Stv. Christian Stöckl (ÖVP) wissen. Eine entsprechende Anfrage werde bereits am Mittwoch in den Landtag eingebracht, so Steidl.

Steidl: "Was kommt auf die Lungauer Patient/inn/en zu?"

Walter Steidl will von Stöckl zudem erfahren, wie viele Patient/inn/en, die jetzt noch in Tamsweg behandelt werden, dort künftig bei derselben Krankheit nicht mehr behandelt werden und wie die Alternative für diese Patient/inn/en aussieht. „Können die SALK diese Kapazitäten aufnehmen? Wie viele Rettungsfahrten und Krankentransporte fallen an? Ist die Rettung im Lungau darauf vorbereitet? Fragen über Fragen, auf die der Gesundheitsreferent noch keine Antworten geliefert hat“, gibt Steidl zu bedenken.

Gerd Brand: "Überfallsartige und mit niemandem abgesprochene Vorgangsweise"

Auch der SPÖ-Bezirksvorsitzende Bgm. Gerd Brand sieht in der "überfallsartigen und mit niemandem abgesprochenen Vorgangsweise von Gesundheitslandesrat Stöckl eine Bankrotterklärung für die Gesundheitspolitik". Brand: „Ich habe Verständnis, dass auch der Spitalsstandort in Tamsweg optimiert und auf die Bedürfnisse vor Ort angepasst werden muss. Aber ohne mit den Lungauer/inn/en oder der Belegschaft zu sprechen und ohne sich zu überlegen, wie man das Krankenhaus sichern und stärken kann, herzugehen und die Bettenzahl zu halbieren und das Spital unter das Dach der SALK einzugliedern, wird es keine erfolgreiche Zukunft für das Krankenhaus geben. Und das werde ich als Bürgermeister nicht einfach so hinnehmen“, ärgert sich Brand.
„Interessanterweise wurde heuer im Juni das Krankenhaus Hallein mit einem Hernienzentrum aufgewertet, obwohl im Krankenhaus Hallein die Auslastung mit 65 Prozent um einen Prozentpunkt niedriger ist als die, in den Medien kolportierte, Auslastung des Krankenhauses Tamsweg. Ebenso wird für Hallein ein Satellitendepartment für Unfallchirurgie und Orthopädie angedacht, was für dieses Krankenhaus weitere 300 bis 400 Operationen im Jahr bedeutet. Wenn die politisch Verantwortlichen also wollen, finden sie Wege, um Spitalsstandorte durch Aufwertung zu stärken. Aber Tamsweg schwächt die Landespolitik durch Abwertung. Das ist nicht akzeptabel“, unterstreicht der SPÖ-Bezirksvorsitzende.

Pfeifenberger: "Das wird sich als großer Nachteil für die Bevölkerung herausstellen!"

Peter Pfeifenberger, ehemaliger Landtagsabgeordneter und voriger Bezirksvorsitzender sagt: „In meinen neun Jahren als Lungauer SPÖ-Abgeordneter im Landtag habe ich immer für ein gutes und starkes Krankenhaus Tamsweg gekämpft. Dass die ÖVP-geführte Landesregierung mit Unterstützung ihrer Lungauer Bürgermeister und ihres Lungauer Abgeordneten, Manfred Sampl, jetzt hergehen und das Krankenhaus mittelfristig gefährden, wird sich als großer Nachteil für die Bevölkerung herausstellen.“

Brand ortet Verlust von Arbeitsplätzen – "Dementi der Landesregierung helfen nichts!"

Krankenhaus Tamsweg: Großer Arbeitgeber und Gesundheitszentrum
Das Krankenhaus Tamsweg beschäftige mehr als 300 Menschen, der Großteil davon gehe hoch qualifizierten Jobs nach, von denen es im Bezirk Lungau viel zu wenige gebe, so SPÖ-Lungau-Chef Gerd Brand: „Wenn Gesundheitslandesrat Stöckl jetzt die Hälfte der Betten streicht, wird auf Dauer gesehen, auch weniger Personal benötigt. Das ist für mich ganz klar, da hilft auch jedes Dementi der Landesregierung nichts. Dramatisch kann sich das auf die Situation der Frauenarbeitslosigkeit im Pflegebereich auswirken. Dort sind nämlich besonders viele Frauen beschäftigt. Im Lungau finden die Betroffenen keine neue Arbeitsstelle. Es ist auch nicht möglich, diesen Frauen Arbeit in den bestehenden Seniorenwohnheimen anzubieten. Schließlich haben sich die Gemeinden um diese Arbeitskräfte schon längst bemüht!"
SPÖ-Salzburg Chef Walter Steidl gibt Brand Schützenhilfe: „Der Lungau steht im Arbeitsmarkt ohnehin vor besonderen Herausforderungen. Eine Schließung des einzigen Spitals in der Region auf Raten, nichts anderes wird durch Stöckls Vorhaben herauskommen, wird die Lage noch mehr zuspitzen. Dass Gesundheitsreferent Stöckl jetzt aus der Hüfte schießt und mit einem kurzsichtigen Plan alleine darauf achtet, dass die Zahlen stimmen, gefährdet die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung und die Arbeitsplätze der Bediensteten des Spitals. Stöckl darf die Spitalslandschaft nicht nur durch die Brille des Finanzreferenten betrachten, sondern auch durch jene des Gesundheitsreferenten“, so Steidls Forderung.


"Das Spital attraktiv machen!"

Die SPÖ-Politiker fordern Gesundheitsreferent Stöckl auf, sich für ein Attraktiveren des Standortes einzusetzen, denn eine Verkleinerung alleine würde rasch ins Gegenteil umschlagen: „Wichtig ist eine Kooperation mit anderen Krankenhäusern, auch in anderen Regionen. Meine Herangehensweise in der Spitalslandschaft im Süden des Landes war und ist es, die Spitäler im Süden, mit Einbindung der SALK, miteinander kooperieren zu lassen. Die Gespräche für das Tauernklinikum, so der Arbeitstitel, waren schon weit fortgeschritten und mit den ärztlichen, pflegerischen und verwaltungstechnischen Leitungen der Krankenhäuser besprochen. Leider werden diese Pläne von ÖVP, Grünen und Stronach verworfen. Geprüft werden sollte auch die Möglichkeit einer Zusammenarbeit zwischen Lungau und der Stolzalpe (Murau) in der Steiermark oder eine vermehrte Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus in Schwarzach“, fordert SPÖ-Chef Walter Steidl.

Gerd Brand: „Stöckl und die Landesregierung betonen, es sei quasi unmöglich qualifiziertes Personal, vor allem Ärzt/inn/en, für das Krankenhaus Tamsweg zu finden. Auch soll die Auslastung des Spitals zu gering sein. Ich frage mich, ob es nach der Verkleinerung des Spitals und ohne weitergehende strategische Überlegungen für die Zukunft einfacher werden wird, Mediziner/inn/en zu finden? Wohl kaum! Bei der Auslastung des Spitals werden offiziell überhaupt keine Zahlen vom politisch Verantwortlichen genannt. Stöckl spricht nur von einer ‚Ist-Analyse‘. Ich verlange, dass das Gesundheitsressort endlich die offiziellen Zahlen der vergangenen fünf Jahre vorlegt.“

Pfeifenberger: "Faktor Tourismus nicht außer Acht lassen!"

Für eine Stärkung des Spitals in Tamsweg spreche zudem der Faktor Tourismus, so Peter Pfeifenberger: „Besonders im Winter kommen zahlreiche Gäste zu uns. Diese schätzen nicht nur unsere Skigebiete, sondern auch die gute und verlässliche Gesundheitsversorgung. Als Lungauer kann ich von etlichen Malen berichten, an denen die Passstraße nach Obertauern und/oder der Tauerntunnel gesperrt waren und/oder der Hubschrauber nicht fliegen konnte. Was passiert an diesen Tagen mit den Skiunfallopfern?“

Die Gynäkologie schließen aber trotzdem Geburten ermöglichen?

Eine "Irreführung und Falschinformation" – so heißt es – orten die SPÖ-Politiker zudem "in der Ansage Stöckls, Geburten im Krankenhaus Tamsweg weiterhin zu ermöglichen, gleichzeitig aber die gynäkologische Station zu schließen. Wo sollen die Wöchnerinnen hin? Auf die Interne Station neben den Patient/inn/en mit Lungenentzündung oder auf die Chirurgische Abteilung neben einem offen Unterschenkelbruch durch einen Skiunfall? Die Pläne von Gesundheitsreferent Stöckl sind unausgegoren, schlecht bis gar kommuniziert und völlig ideenlos. Das haben sich die Lungauer/inn/en nicht verdient!“, sind sich die SPÖ-Politiker einig.

"ÖVP-Abgeordneter Manfred Sampl soll Wort halten!"

„Mit Erstaunen musste ich zur Kenntnis nehmen, dass der Lungauer ÖVP-Abgeordnete Manfred Sampl Stöckls Halbierungspläne applaudierend gut geheißen hat. Nur zu gut kann ich mich erinnern, wie kritisch Sampl einer Eingliederung in die SALK gegenüber gestanden ist“, äußerte sich Gerd Brand im Rahmen der Pressekonferenz kritisch. „Die Qualität der medizinischen Versorgung, so Sampl, müsse gewährleistet bleiben und das Krankenhaus dürfe nicht zu einer kleinen Filiale degradiert werden. Aus seiner Sicht wäre das ein erster Schritt in Richtung komplett zusperren des Spitals, verkündete Sampl noch im Jänner 2013. Jetzt, wenn es darauf ankommt, muss Sampl Wort halten und für unser Krankenhaus kämpfen“, fordert Brand.

Weiterer Beitrag zum Thema:
Krankenhaus Tamsweg wird in die SALK eingegliedert – entsprechende Reformen werden umgesetzt!
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