Als Soldat im Pensionistenhaus

Josef Pribitzer wohnt im Haus Margareten im fünften Stock: "Da hab ich einen schönen Ausblick in den grünen Innenhof."
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  • hochgeladen von Mathias Kautzky

Seit 13 Jahren wohnt Josef Pribitzer im Haus Margareten. Regelmäßig macht er Ausflüge zu seiner Freundin.
MARGARETEN. Josef Pribitzer wurde vor kurzem 81 Jahre alt - im Gespräch wirkt er aber sehr jugendlich. "Das ist ein großes Problem: Hier im Haus Margareten habe ich nicht viele Gesprächspartner, mit denen ich mich gut unterhalten kann."

So macht er aus der Not eine Tugend und besucht nicht nur regelmäßig seine Freundin Elfi, die im 14. Bezirk lebt, sondern auch einmal in der Woche die Maria-Theresien-Kaserne im 13. Bezirk, wo er die längste Zeit seines Berufslebens verbracht hat.

"Mein Leben lang habe ich eine sehr gute Kondition gehabt, das war auch notwendig - schließlich bin ich als Vizeleutnant beim Bundesheer dauernd mit jungen Rekruten querfeldein merschiert", erzählt der agile Pensionist, während er auf der Bank zwischen den Bäumen im Garten des Hauses Margareten sitzt.

Geboren wurde Pribitzer 1937 in Stockerau, im Lehrlingsalter begann er eine Metallerlehre. "1956 gehörte ich zum ersten wehrpflichtigen Jahrgang, der zum damals neu gegründeten Bundesheer einrücken musste. Dort bin ich dann geblieben."

Als es im Herbst 1956 zur Ungarnkrise kam, war er gerade erst zwei Wochen beim Bundesheer, "und musste schon an die Grenze - das war sehr aufregend für uns Jungspunde, als die russischen Panzer auf der ungarischen Seite auffuhren." Pribitzer erinnert sich noch an die tausenden ungarischen Flüchtlinge, "hauptsächlich waren es alte Frauen, alte Männer und Kinder".
1968, beim Aufstand in der damaligen Tschechoslowakei, war er schon erfahrener. "Trotzdem war auch dieser Grenzeinsatz heikel und aufregend, auch wenn nicht geschossen wurde."

Schöne Erinnerungen hat Pribitzer auch an seine Laufbahn als Sportler: "Jahrzehntelang habe ich Handball gespielt, bis ich mir mehrere Bänder im Knie gerissen habe - dann war's mit dem Leistungssport vorbei." Praktischerweise wechselte sein Vorgesetzter beim Bundesheer dann ins Verteidigungsministerium - und er gleich mit. "So habe ich meine letzten 15 Berufsjahre in der Attaché-Abteilung verbracht und dort die Besuche ausländischer Delegationen vorbereitet", erinnert sich der Vater zweier Söhne an seine Berufszeit. Insgesamt war Pribitzer 41 Jahre Soldat.

Laufen mit Mitte 70

Im Jahr 2006 übersiedelte er schließlich ins Haus Margareten. "Damals wurden vom Kuratorium nur Leute aufgenommen, die weder Rollstuhl noch Rollator gebraucht haben. Naja, ich bin damals noch viel laufen gegangen", erzählt Pribitzer lachend. An seine Soldatenzeit erinnern nicht nur zwei Bundesheermesser an der Wand, sondern auch eine Reihe von Auszeichnungen und Orden in einer Vitrine. "Ja, wenn man etwas lange und gern macht, bleibt die Anerkennung nicht aus", sagt Pribitzer.

Im Pensionistenhaus fühlt er sich wohl. "Mein Apartment liegt im fünften Stock und ist sehr ruhig. Praktisch ist die Holzklappe, durch die das Mittagessen hereingestellt werden kann - die benütze ich aber nie, weil ich immer hinunter in den Speisesaal essen gehe", erklärt Pribitzer bei der Führung durch seine kleine Wohnung.

Eine positive Lebenseinstellung hatte er immer schon. "Die habe ich mir auch nach meiner Krebserkrankung behalten, die Gottseidank gut ausgegangen ist", sagt Pribitzer und erzählt von seinen drei Chemotherapien, mit denen er im Krankenhaus Rudolfstiftung schlussendlich den Krebs besiegte. Während dieser schweren Zeit kümmerte sich seine Freundin Elfi um ihn, "aufopfernd wie eine Mutter. Das vergess ich ihr nie", erklärt er mit Rührung in der Stimme.

Kein Verständnis hat er für Raunzer, auch im Pensionistenwohnhaus: "Da gibt es viele, denen gar nichts recht ist. Einmal habe ich so eine raunzerte Dame gefragt, warum sie eigentlich hier ins Haus gekommen ist, wenn ihr so gar nichts passt - ich bekam aber keine Antwort", erzählt er amüsiert.

Was würde er heutigen Jugendlichen raten? "Wichtig ist, vernünftig zu leben, regelmäßig Bewegung zu machen - und Hände weg von allen Drogen!", erklärt Pribitzer.
"Bescheidenheit ist wichtig, um langfristig zufrieden sein zu können - denn je mehr man hat, desto unzufriedener wird man. Das habe ich oft beobachtet."

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