Hass im Netz: Neue Beratungsstelle hat ihren Dienst aufgenommen

Barbara Unterlerchner leitet die Beratungsstelle. Am Tisch sitzen ihre Kollegen Lilian Levai und Lukas Gottschamel.
  • Barbara Unterlerchner leitet die Beratungsstelle. Am Tisch sitzen ihre Kollegen Lilian Levai und Lukas Gottschamel.
  • hochgeladen von Christine Bazalka

MARGARETEN. Sie sitzen in einem hellen Altbau-Büro in der Schönbrunner Straße, die Stimmung ist konzentriert: Lillian Levai hat gerade ein E-Mail an jemanden abgeschickt, der ihr gemeldet hat, dass ein Journalist im Internet beleidigt wurde. "Ich habe der Person geschrieben, dass hier meiner Meinung nach nichts strafrechtlich Relevantes gepostet wurde, aber dass man gegen die Beleidigungen zivilrechtlich vorgehen kann", sagt sie. Ihr gegenüber sitzt ihr Kollege Lukas Gottschamel. "Ich sehe mir gerade Youtube-Videos an, die mir eine Betroffene geschickt hat", sagt er. In diesen Videos werden private Informationen von ihr preisgegeben. Ich mache mir Notizen, und werde ihr dann zurückschreiben, gegen welche Gesetze hier verstoßen wurde", sagt er. Die Betroffene hat ihn auch gebeten, ihr dabei zu helfen, das Video zu löschen.

Dieses Zimmer ist das Herzstück der neuen Beratungsstelle #GegenHassImNetz. Zu den Bürozeiten sitzen hier drei Menschen, die per E-Mail, telefonisch, über Chat oder Facebook-Messenger erreichbar sind und Menschen helfen, die im Internet diskriminiert oder beleidigt worden sind. Ebenfalls hier sitzt Barbara Unterlerchner, die die Beratungsstelle leitet. "Wir haben alle einen rechtlichen Hintergrund", erklärt sie, "und wir helfen den Betroffenen einerseits mit einer Einschätzung der rechtlichen Situation, andererseits mit psychosozialer Unterstützung."

Die Beratungsstelle wird von Zara betrieben - die Organisation, die seit 2000 Opfern von Rassismus hilft und rassistische Vorfälle dokumentiert. Bezahlt wird sie vom Bundeskanzleramt, sie geht auf eine Initaitive der Staatssekretärin Muna Duzdar (SPÖ) zurück. Bei Zara kennt man den rauen Umgangston im Internet schon, immer mehr sei der Anteil der online geäußerten Diskriminierungen in den letzten Jahren angestiegen. Jetzt geht es eben nicht mehr nur um rassistische, sondern auch um sexistische, homophobe, beleidigende Äußerungen sowie um Cybermobbing, das auch das Veröffentlichen privater (Nackt)-Fotos und -Videos beinhalten kann.

Multinationale Konzerne und österreichisches Recht

Ein weites Betätigungsfeld, und ein rechtlich noch nicht vollständig abgesichertes. Zwar gibt es in Österreich seit Jänner 2016 den Cybermobbing-Paragraphen, der fortgesetzte Online-Belästigung strafbar macht, verurteilt wurde danach allerdings bisher niemand. Es geht aber auch, so Barbara Unterlerchner, den Betroffenen meist nicht sofort um rechtliche Schritte. "Sehr viele wollen einfach, dass die Inhalte gelöscht werden", sagt sie. Hier kann die Beratungsstelle dadurch helfen, dass sie bei Facebook und Youtube über einen sogenannten "trusted flagger"-Status verfügt. "Das heißt, dass uns vertraut wird, eine rechtliche Vorbeurteilung abzugeben", sagt Unterlerchner, "und wenn wir empfehlen, etwas zu löschen, wird darauf meist schneller reagiert als wenn das andere machen." Ein Facebook-Post oder einen Youtube-Kommentar zum Verschwinden zu bringen, sei nämlich meist mühsam und langwierig.

In einem weiteren Schritt geht es dann darum, erzählt Unterlerchner, "was die Klienten wünschen." Die Berater zeigen Inhalte etwa bei der Polizei an oder geben eine rechtliche Einschätzung. Wenn die Klienten stark psychisch belastet sind, werden sie an Stellen verwiesen, die langfristig und persönlich unterstützen. Wenn es gewünscht wird, stehen die Berater auch beim Antworten und Gegenposten bei. "Ob das eine gute Idee ist, müssen die Opfer selbst beurteilen, jeder Fall ist individuell", sagt Unterlerchner.

Übergriffe werden dokumentiert und veröffentlicht

Die Mitglieder der Beratungsstelle helfen aber nicht nur beim Löschen und unterstützen die Opfer von Übergriffen, sie dokumentieren auch jeden Fall, der gemeldet wird. In Zukunft erhofft man sich dann, aus der Statistik Einsicht darüber zu gewinnen, wo welche Form der Diskriminierung besondern häufig ist. In den ersten Tagen waren es viele Seiten mit rechtsextremen Inhalten, die gemeldet wurden und sowie Fraueneinrichtungen, die online bedroht wurden und sich an die Beratungsstelle gewandt haben. Ob sich der Fokus verschiebt, wenn die Beratungsstelle bekannter wird, wird man sehen.

Barbara Unterlerchner glaubt trotz ihrer Arbeit übrigens nicht, dass die Menschheit durch die Kommunikation im Internet verroht. "Die Kommunikationskultur ist derzeit aus den Fugen geraten", sagt sie - weil die Hemmschwelle der Menschen herabgesetzt wird, wenn sie das Gegenüber nicht sehen können, sich daran aber noch nicht gewöhnt hätten. "Aber sie wird sich entwickeln", ist Unterlerchner überzeugt, "und auch der rechtliche Schutz wird besser werden. Das Recht hinkt den gesellschaftlichen Entwicklungen immer hinterher."

Zur Sache:

Die Beratungsstelle #GegenHassImNetz ist Mo. bis Mi. von 9 bis 16.30 Uhr, Do. von 10 bis 18.30 Uhr und Fr. von 9 bis 15 Uhr besetzt. In dieser Zeit stehen die Berater per Chat und telefonisch unter 01/2365534 zur Verfügung. Ansonsten kann man ihnen ein E-Mail schreiben - sie melden sich spätestens nach 20 Stunden zurück. An die Beratungsstelle können sich alle wenden: Betroffene, deren Angehörige oder Zeuginnen und Zeugen von Hass im Internet.

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