Wie ein Querschnittsgelähmter am Wings for Life Run teilnahm

Gregor Demblin ist ein Vorbild für viele: Aufgeben stand für ihn nie in Frage.
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  • Foto: Udo Titz
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MARGARETEN/WIEDEN. Geht nicht gibt’s nicht. So scheint das Motto des Unternehmensberaters Gregor Demblin zu sein. Aus diesem Grund lief er – entgegen vieler Skepsis – beim Wings for Life Run in einem Exoskelett mit. Und hat sich damit selbst einen großen Wunsch erfüllt.

"Ich will wieder gehen"

Passiert ist es auf der Maturareise. Ein paar Schritte ins Meer, eine Welle und ein Genickbruch. Im Krankenhaus dann die Diagnose: Querschnittslähmung.
"Ich wollte es zunächst gar nicht wahrhaben, es war ein riesiger Schock", erzählt Demblin. "Ich habe mich immer gefragt: Warum passiert das gerade mir?" Doch der gebürtige Wiener musste sich seinem Schicksal stellen. Und tat das mit Bravour. "Mir ist klar geworden: ich habe nur dieses eine Leben." Der Wiedner kämpfte wie ein Löwe. "Ich habe Reha gemacht, sehr viel trainiert, alles ausprobiert und war mir sicher: ich werde wieder gehen lernen." Irgendwann kam der Punkt, an dem auch er einsehen musste: Der Wunsch wird nicht in Erfüllung gehen. Für den leidenschaftlichen Sportler ein herber Rückschlag.

Firma für Integration

Doch Aufgeben stand nie auf seinem Lebensplan. "Ich machte mit meiner Behinderung einige Erfahrungen, die mich nachdenklich machten", erzählt er. "Mir wurden in der U-Bahn Zuckerl zugesteckt oder über den Kopf gestreichelt. Die Leute wissen einfach nicht, wie sie damit umgehen sollen." Demblin entschied sich dafür, dieses Bewusstsein zu ändern.

Der studierte Philosoph definierte für sich selbst die Wirtschaft als Veränderungsmotor und gründete eine Firma in Margareten. Der Unternehmensberater kümmert sich heute darum, Menschen mit Beeinträchtigungen – geistiger oder körperlicher Natur – in die Arbeitswelt zu integrieren. "Ich will sie aus der Sozialecke rausholen", so Demblin.

Mit Exoskelett beim Wings for Life Run

Er selbst wagte am vergangenen Wochenende einen ganz besonderen Ausflug. Als erster Mensch nahm er mit einem Exoskelett am Wings for Life Run teil. Einem Lauf-#+event, dessen Einnahmen an die Rückenmarksforschung gehen. Ein Exoskelett ist eine Stützstruktur für den Körper, eine Art Prothese mit Motor. (siehe Foto)

Mit seiner Hilfe kann Gregor Demblin "gehen". "Es ist wahnsinnig anstrengend, aber wie es beim Sport so ist: Das Gefühl danach, etwas geleistet zu haben, ist überwältigend", lacht er. Die Unterstützung der Zuseher überwältigte ihn ebenfalls. "Es war unglaublich, alle haben mich angefeuert, ein tolles Gefühl", so der Wiedner. Für den Alltag ist das Skelett bisher nicht einsetzbar. "Es handelt sich um ein reines Trainingsgerät", erklärt Demblin. Die Kosten belaufen sich auf rund 120.000 Euro, die Krankenkassa zahlt bis jetzt nichts dazu. Hinzu kommen noch die hohen Personalkosten, man benötigt zwei Therapeuten/Trainer. "Für mich kam extra jemand aus Deutschland mit einem Exoskelett, in der EU ist es noch schwierig, so eines zu bekommen", sagt er.

"Ich möchte der Erste sein, der damit regelmäßig geht", erzählt Demblin von seinen Plänen. Er möchte das Gerät in die Öffentlichkeit bringen. "Sie haben alle gesagt, es wird nicht funktionieren. Aber ich habe mich nicht beirren lassen und es geschafft." Und darauf kann er mehr als stolz sein.

Gregor Demblin ist ein Vorbild für viele: Aufgeben stand für ihn nie in Frage.
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