29.09.2014, 18:33 Uhr

Eine Matinée mit Sonetten, Musik und einem Felix

Wien: read!!ing room |

Eine Matinée mit Daria Hagemeister, Jürgen Kleinowitz, Sabina Kleinowitz und Gerd Birkmeyer

Daria Hagemeister zeichnete verantwortlich für das Programm der Matinée und bewies erneut, dass sie eine sehr vielseitige Autorin ist. Eine starke weibliche Stimme, die es versteht, eigenes Empfinden und eigene Erlebnisse in den verschiedensten literarischen Formen zu neuen Texten zu verweben. Ihr Einstiegstext zeichnete eine weibliche Figur, die beim Publikum noch für viel Gesprächsstoff sorgen sollte. Ein mehr als geglückter Einstieg. Radikal war der stilistische und inhaltliche Bruch in ihrem zweiten Text. Zuerst eine geheimnisvolle Frau, dann ein Stofftier sollten aufeinander folgen. In nicht veröffentlichten Texten wechselte die Autorin auch das Genre und zeigte, dass sie auch die bös-pointierte Art des Aphorismus beherrscht. Daria Hagemeister schloss mit einem Auszug aus "Mein Afrika" nicht ohne das Ende von Marcus Omofuma noch einmal in Erinnerung zu rufen. Gerd Birkmeyer und Sabina Kleinowitz sorgten für die musikalische Umrahmung der Texte. Gerd Birkmeyer spielte Flöte und wurde auf dem Klavier von Sabina Kleinowitz über eine CD-Einspielung begleitet. Dieser Kunstgriff war aus Platzgründen notwendig, tat dem Erlebnis jedoch keinen Abbruch.
Den zweiten Teil der Lesung bestritt Jürgen Kleinowitz auf seine ganz eigene Art. Die Gedichtsammlung von Jürgen Kleinowitz ist eine Art Kalenderblatt und/oder Gelegenheitsdichtung. Man kann sagen, dass Jürgen Kleinowitz seine Erfahrungen, Gedanken und Ansichten in Sonettform oder in Akrostichonen verdichtete und da kommt es schon einmal vor, dass ein Begräbnistext oder ein Sonett für die ersten, zweiten und dritte Zähne vorgetragen wird. Ein Herbstgedicht wurde sogar in einer klassisch-modernen Vertonung als Lied dargebracht - seltene genug, dass im read!!ing room musiziert wird... aber ein mehr oder weniger klassisches Lied ist wirklich etwas Besonderes ... Der über 70-jährige Autor wechselte für ein Gedicht in den Dialekt und bewies einmal mehr, dass der Dialekt oft besser dazu geeignet ist, persönliche Dinge zu sagen. Den Autor/innen und Musiker/innen war der Applaus gewiss.
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