18.12.2017, 11:52 Uhr

Häusliche Gewalt: Frauennotruf hilft auch an Feiertagen

Maria Rösslhumer ist seit 1997 Geschäftsführerin des Vereins Autonome Frauenhäuser.

Laut der Frauenhelpline, die ihren Sitz in Margareten hat, harren Frauen über Weihnachten in Prügelehen aus.

MARGARETEN. Gerade an Feiertagen neigen Gewalttäter dazu, ihre Familie zu tyrannisieren. Hilfe gibt es rund um die Uhr bei der Frauenhelpline, die im fünften Bezirk angesiedelt ist. Man möchte meinen, dass gerade zu Weihnachten die Leitungen glühen, aber es ist ein Irrglaube. Denn: "Die Frauen wollen - oft ihren Kindern zuliebe - Weihnachten noch gut über die Bühne bringen. Erst danach gehen sie," so Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins "Autonome Österreichische Frauenhäuser". "Es ist kein einfacher Schritt, die Flucht in ein Frauenhaus anzutreten. Oft stehen wir schon länger mit den Frauen in Verbindung", so Rösslhumer.

Die Mitarbeiter der Frauenhelpline raten den Frauen, bereits vor den Feiertagen einen Koffer zu packen. Auch Dokumente sollen eingepackt werden, ebenso Spielzeug für die Kinder. Der Koffer sollte allerdings an einem geheimen Ort stehen, damit ihn der Gewalttäter nicht vorzeitig entdeckt - dies könnte gefährliche Folgen für Frau und Kinder haben. Verfügt die Frau über ein eigenes Auto, sollte sie den Schlüssel dafür immer griffbereit haben oder eine Vertrauensperson einweihen, die im Notfall sie und eventuelle Kinder abholt. Ist die Flucht gelungen, finden betroffene Frauen Unterschlupf in Frauenhäusern.

Auch psychische Gewalt zählt

Jede Frau kann Unterschlupf in einem der Frauenhäuser finden, egal welcher Herkunft und unabhängig ihrer finanziellen Situation oder wie viele Kinder sie hat. Es gibt allerdings nicht immer sofort freie Plätze. Daher ist es wichtig, mit der Frauenhelpline in Verbindung zu bleiben. "Vielleicht besteht die Möglichkeit, dass die Frauen in der Zwischenzeit zu einer Freundin ziehen oder eventuell in ein Frauenhaus, das von ihrem Wohnort ein Stück weiter entfernt ist", so Rösslhumer. Nicht nur Frauen mit sichtbaren Verletzungen werden aufgenommen. "Psychische Gewalt ist ebenso Gewalt", meint die Vereinsleiterin. "Oft bleiben die Frauen wegen der Kinder in einer furchtbaren Beziehung. Es ist aber ein Irrtum, zu glauben, dass Kinder nichts mitbekommen. Sie leiden ebenso."

Der Verein koordiniert 15 Frauenhäuser in ganz Österreich, die sich an geheimen Adressen befinden. Das ist notwendig, um die Frauen zu schützen. "Die Häuser werden ständig mit Kameras überwacht. Es gibt einen Notfallknopf mit Direktverbindung zur Polizei sowie Fluchtwege," so Rösslhumer. Diese Maßnahmen sind erforderlich, falls gewaltbereite Männer die Adressen herausfinden.

Zur Sache

Alle Kontakte auf einen Blick:
Notruf Wiener Frauenhäuser: 05 77 22, www.frauenhaeuser-wien.at
Frauenhelpline: 0800/222 555 (für ganz Österreich kostenlos und anonym) www.frauenhelpline.at
Männernotruf: 0800 246 247
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