"Kinderhände": Österreichische Gebärdensprache für Familien

Gemeinsames Spielen, Musizieren, Lernen und Gebärden: Das können Kinder und Familien beim Verein Kinderhände.
  • Gemeinsames Spielen, Musizieren, Lernen und Gebärden: Das können Kinder und Familien beim Verein Kinderhände.
  • Foto: Kinderhände
  • hochgeladen von Theresa Aigner

MARIAHILF. Eine einzige gehörlose Kindergartenpädagogin gibt es in ganz Österreich. Dieser Umstand ist bezeichnend dafür, wie es um den Zugang zu Bildung und Ausbildung für Menschen, deren Gehör beeinträchtigt ist, steht. Barbara Schuster ist eine der Gründerinnen des Vereins Kinderhände, der seit August in der Stumpergasse sein Büro hat. Sie ist selbst gehörlos und der Verein setzt mit seinem Angebot genau da an, wo im staatlichen Bildungssystem eine Lücke existiert.

Bilinguale Kurse für gehörlose und hörende Kinder sowie für Erwachsene sind das zentrale Handlungsfeld des Vereins. Das heißt, es werden Spielgruppen und Workshops für Familien angeboten, die stets von zwei Trainerinnen bzw. Trainern geleitet werden, wovon eine bzw. einer in Österreichischer Gebärdensprache (ÖGS) unterrichtet. Ab dem Alter von sechs Monaten können Kinder und ihre Eltern am Angebot teilnehmen.

"Es ist sehr wichtig, dass ÖGS von klein auf dazugehört. Im Kindergarten damit anzufangen, ist zu spät", so Schuster. Und selbst dort ist das Angebot schwach, viele gehörlose Kinder haben in den Schulen kein Unterrichtsfach ÖGS. Insbesondere für Familien, in denen die Eltern hören und die Kinder nicht bzw. umgekehrt, ist das ein wichtiges Angebot, denn wo sonst sollten sie die gemeinsame Sprache lernen?

"Bei uns ist vor allem das gleichberechtigte Miteinander von Deutsch und ÖGS ein zentrales Anliegen", so Schuster, die noch hinzufügt, dass Kinderhände österreichweit die einzige Anlaufstelle mit einem derartigen Angebot ist – und dennoch erhält der Verein keine Basisförderung vom Staat, man ist von Projektförderung und Spenden abhängig. Dennoch begnügt sich Kinderhände nicht damit, Kurse anzubieten, auch die dafür nötigen Materialien werden im eigenen Verlag produziert. Denn auch hier besteht ein eklatanter Mangel.

Liederbuch mit Gebärden

Dazu gehört natürlich ein "Lernkoffer" mit CDs und DVDs, die genauso wie die Kurse bilingual aufgebaut sind. Aber auch ein Liederbuch hat Kinderhände mit den Musikern Birgit Denk und Klaus Trabitsch produziert, in dem sowohl Text als auch Gebärden zu finden sind, DVD inklusive. Auch die musikalische Beschäftigung ist sehr wichtig, denn: Gerade das wird absurderweise häufig als Grund genannt, warum gehörlose Menschen keine pädadogische Ausbildung machen können.

An den BAKIPs etwa, den Schulen für Kindergartenpädagogik, ist Musik ein zentrales Unterrichtsfach. "Das Bildungssystem ist insgesamt sehr exklusiv", sagt Schuster. Obwohl es keinen Grund dafür gibt, landen viele gehörlose Kinder in Sonderschulen. Jene, die "Glück" haben, in Integrationsklassen. Mit all diesen Hürden bis zur Matura oder bis zu einem Studium zu kommen, sei in Österreich sehr schwierig. Deshalb würden gehörlose Pädagogen fehlen und auch die Vorbilder. "Zu zeigen, dass man als gehörloser Mensch ein ganz ‚normales‘ Leben mit einem Job führen kann, sehen wir auch als unsere Aufgabe."

Newsletter Anmeldung!

Du willst Infos, Veranstaltungen und Gewinnspiele aus deiner Umgebung?

Dann melde dich jetzt für den kostenlosen Newsletter aus deiner Region an!

ANMELDEN

Newsletter Anmeldung!

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen