09.11.2016, 10:53 Uhr

Daniela Emminger: Vom Leben, Lieben und Trinken

Daniela Emminger beim bz-Interview in einem ihrer Mariahilfer Stammcafés: dem unvergleichlichen "Café Jelinek".

"Gemischter Satz" von Daniela Emminger ist eine Novelle über die (verunglückte) Liebe unserer Zeit.

MARIAHILF. Sie sagt, sie sei Wienerin, wenn jemand fragt. Und das hätte Daniela Emminger eigentlich nie gedacht. "Ich bin hier angekommen", sagt die gebürtige Oberösterreicherin, die in Wien lebt, seit sie mit 18 Jahren zum Studieren gekommen ist. In den ersten Jahren ist sie zwölf Mal umgezogen. Aber inzwischen hat sie ihr Zuhause gefunden – und das ist Mariahilf. "Ich lebe seit sechs Jahren im Sechsten und ich fühle mich hier sehr wohl", so Emminger über den Bezirk ihrer Wahl.
Aber die Grenzen verschwimmen immer wieder: "Der 6. und auch der 7. Bezirk sind sehr urban und zum Teil ziemlich ‚bobo'. Das ist schon auch ein bisschen eine geschützte Szene-Blase", so Emminger. Dafür gebe es an jeder Ecke etwas zu erleben, ein Lokal, in das es sich zu gehen lohne.

Auch von der Protagonistin ihres neuen Buches - eine Liebesgeschichte - ist bekannt, dass sie an zumindest zwei Adressen in Mariahilf gewohnt hat. Sie ist um die 30 Jahre alt. So viel sei vorweggenommen: "Es gibt kein klassisches Happy End, weil ich nicht an Happy Ends in Liebesbeziehungen glaube", sagt Emminger.

Die Liebe im Wandel

Dabei klingt sie keineswegs enttäuscht oder verbittert. Sie widmet sich in ihrer Novelle schlichtweg einem Phänomen unserer Zeit: "Ich glaube nicht an diese eine, große Liebe, die für immer und ewig ist. Dieses romantische Konzept ist überholt." So trennt sich die Protagonistin im Laufe der Geschichte von ihrer "Nummer 7", für die sie am Anfang der Handlung alles hingeschmissen hat und von Wien nach Berlin gezogen ist. Auch das sei ein Phänomen unserer Zeit. "In Berlin ist sie sehr unglücklich", schildert Emminger die Handlung des Buches. Nach der Trennung führt sie ihr Weg wieder zurück nach Wien – allerdings mit einem Umweg über das dörfliche Elternhaus, in dem sie nach der Trennung, der Flucht aus Berlin, erst einmal perspektivenlos landet.

Und auch wenn es kein Happy End im klassischen Sinne gibt: "Am Ende gewinnt sie ja trotzdem. Sie kratzt die Kurve", so Emminger. "Und zwar dahingehend, dass sie sehr lange braucht, um bei sich selbst anzukommen." Darum gehe es im Endeffekt in jeder Beziehung, ob romantisch oder freundschaftlich. "Das ist kein schlechter Egoismus, sondern eine Notwendigkeit, um überhaupt Beziehungen eingehen zu können: mit sich selbst zufrieden zu sein".

Das hänge nicht zuletzt damit zusammen, dass junge Menschen heute gezwungenermaßen flexibel sein müssen – beruflich und damit auch privat. "Die heutigen 20-Jährigen leben anders als ich mit 20 Jahren. Die wollen keine absolute Bindung." Gleichzeitig befördere diese erzwungene Flexibilität eine Sehnsucht bzw. eine Rückbesinnung auf Traditionen, vermutet Emminger. "Das ist alles sehr widersprüchlich. Und in diesem Spannungsfeld spielt sich auch mein Buch ab."
Die Novelle trägt den Titel "Gemischter Satz" aus naheliegenden Gründen: Die Protagonistin hat Liebeskummer und trinkt zu guter Letzt Wiener Gemischten Satz.

Wein als Metapher

Der andere Grund für den Titel ist das sprachliche Bild, das der Gemischte Satz für Emminger geboten hat. Diese österreichische Weinspezialität, die nur in Wien und der Steiermark hergestellt wird, besteht aus unterschiedlichen Rebsorten, die in einem Weingarten angebaut werden. Das hat zur Folge, dass der Wein jedes Jahr ein bisschen anders schmeckt. "Das ist wie in einer Beziehung", vergleicht Emminger. "Da wuchert und gedeiht es so vor sich hin. Und am Ende des Jahres erntest du deinen Gemischten Satz – mit unterschiedlich guten Erfolgen im Geschmack."
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