30.11.2016, 14:49 Uhr

Efgani Dönmez: "Behalte für mich, wen ich am 4. Dezember wähle"

Auf Einladung von FP-Mariahilf-Chef Leo Kohlbaur (rechts) war Efgani Dönmez im G'schamster Diener in Mariahilf zu Gast.

Was macht ein ehemaliger Grüner Bundesrat eine Woche vor der Wahl des Bundespräsidenten auf einer FPÖ-Veranstaltung? Das erklärt Efgani Dönmez im bz-Interview.

MARIAHILF. Der ehemalige Grüne Bundesrat, Efgani Dönmez, tourt derzeit durchs Land und hält Vorträge zum Thema "Politischer Islam" - also die Instrumentalisierung der Religion für politische Zwecke - unter anderem für FPÖ-Bezirksorganisationen. In der vergangenen Woche war er in Mariahilf zu Gast und hat dort auf Einladung von Leo Kohlbauer, FP-Chef im sechsten Bezirk, vor Publikum referiert.

Zwar ließen sich die Co-Gastgeber Harald Vilimsky und Maximilian Krauss entschuldigen, von FPÖ-Bezirkspolitikern und einem FPÖ-Staatssekretär außer Dienst, über den ehemaligen Rotlicht-Baron und Betreiber der FPÖ-nahen Website erstaunlich.at bis hin zum rechten Publizisten und Identitären-Sympathisanten, waren die Gäste zahlreich erschienen.

Warum ein ehemaliger Grüner Bundesrat einen Vortrag - just eine Woche vor der Wahl eines Kandidaten aus einem der beiden Lager zum Bundespräident - in dieser Runde hält, erklärt Efgani Dönmez im bz-Interview. Wen er selbst am 4. Dezember wählt, wollte er nicht verraten.

Was bezwecken Sie mit Auftritten zum Thema "Politischer Islam" vor FPÖ-Runden wie dieser?

EFGANI DÖNMEZ: Ich werde als Vortragender und Referent von unterschiedlichen Parteien eingeladen und ich gehe ehrlich gesagt auch überall hin, weil es zu dieser Thematik noch sehr viel Aufklärungsbedarf gibt. Sie haben selbst gesehen, wie emotional Diskussionen geführt werden. Es gibt viel Halb-Wissen bzw. Nicht-Wissen, da versuche ich meinen Teil beizutragen, um hier eine differenzierte Diskussion führen zu können.

Sie haben offenbar einen Draht zu den Menschen, die diese Veranstaltung besucht haben, im Anschluss haben sogar einige der Anwesenden Selfies mit Ihnen gemacht. Wie empfinden Sie das?
Mir geht es um die Sache und nicht um das Ideologische. Natürlich gibt es Themenbereiche, da liegen Welten zwischen uns, aber es gibt auch Bereiche, wo man gar nicht so weit auseinander liegt und ich glaube, dass hier alle Parteien einen Aufklärungsbedarf haben. Ich bin auch bei der SPÖ oder ÖVP eingeladen und eben auch bei der FPÖ. Ich suche den Dialog mit allen und betreibe keine Gesprächsverweigerung.

Woran glauben Sie liegt das, dass sie so häufig eingeladen werden?

Ich glaube das liegt daran, dass ich hier wirklich aufklärend unterwegs bin und alles was ich sage, mit Fakten beweisen kann. Da gibt es keine Diffamierungen oder ideologisches Geplänkel. Die Menschen sind interessiert, quer durch alle Parteien.

Ihr Vortrag war zwar sehr faktenorientiert, in der anschließenden Fragerunde bzw. Diskussion ging es dann schon sehr viel emotionaler zu. Eine Frau sprach davon, dass sie wegen Männern aus dem Ausland Angst um sich selbst und ihre anwesende Tochter habe. Sie haben darauf geantwortet, dass sie selbst Angst um Ihre zwei Töchter haben….

… Diese Ängste gibt es, die kann man nicht vom Tisch wischen. Und ich nehme sie sehr ernst. Ich sage zwar immer, zu Tode fürchten bringt auch nichts, aber man muss auch nicht alles schön reden. Ich hab selber zwei Töchter und nicht nur ich mache mir diesbezüglich Gedanken. Es wäre meines Erachtens nach präpotent gewesen, wenn ich dieser Dame die Aufrichtigkeit Ihrer Fragestellung abgesprochen hätte oder nicht angemessen geantwortet hätte.

Ich bin mir aber sicher, dass Sie genauso gut wie ich wissen, dass in Österreich ein Großteil der Gewalttaten, die sich gegen Frauen richten, im familiären Umfeld passieren.
Ich glaube, dass das ein rationales Argument ist und es stimmt, ein Großteil der Übergriffe gegenüber Frauen passiert durch Angehörige, in den eigenen vier Wänden. Aber ich glaube nicht, dass sich die Frau, die diese Frage gestellt hat, in ihren Ängsten abgeholt gefühlt hätte. Es gibt Übergriffe durch Flüchtlinge, die dann in den Medien total hochgespielt werden - auch wenn es nicht viele sind. Aber es gibt eine andere Sichtweise auf Frauen und einen anderen Stellenwert bei diesen Leuten, das ist ein Fakt.

Müssten wir an dieser Stelle dann nicht auch über das Frauenbild der FPÖ sprechen?
Darüber kann man natürlich auch diskutieren. Ich habe in meinem letzten Kommentar für die oberösterreichischen Nachrichten über Parallelen zwischen rechten und islamistischen Ideologien geschrieben - die sind sich in sehr vielen Aspekten ja doch recht ähnlich. Da stecken zwar unterschiedliche Ideologien dahinter, aber das Bild was die gesellschaftliche Stellung der Frau, von Homosexuellen, die Gleichstellung von Mann und Frau betrifft - da sind sie nicht allzu unterschiedlich.

Fühlen Sie sich wohl bei Veranstaltungen wie dieser?

Nicht immer, weil die Diskussionen teilweise auch sehr emotional und teilweise auch sehr unter der Gürtellinie verlaufen. Letztendlich ist es ein sehr emotional besetztes Thema und wenn man gewisse Haltungen hat und die auch vertritt, muss man damit rechnen, dass hier Gegenwind entsteht und das muss man aushalten wenn man im politischen Bereich tätig ist.

Sie haben vorher gesagt, es gibt Themen wo man „gar nicht so weit auseinander liegt“ - betrachten Sie die FPÖ hier als eine Art „Bündnispartner“? Kann man da zusammen arbeiten?

Bei vielen anderen Parteien ist leider Gottes die Problemeinsicht noch gar nicht vorhanden. Das ist bei der FPÖ was anderes. Aber nur die Probleme zu erkennen, oder zu benennen ist zu wenig - man braucht auch die Lösungen dazu. Und ich glaube, da hat die FPÖ noch massiven Aufholbedarf. Aber: es gibt überall vernünftige Leute mit denen man reden kann.

Ist FP-Mariahilf-Chef Leo Kohlbauer einer dieser „Vernünftigen“ in der FPÖ? Bzw. sind Sie befreundet? Es wirkt doch recht amikal zwischen Ihnen beiden.
Er ist in der Wiener Politik tätig, ich war Bundesrat für Oberösterreich, hier hat es sehr wenig Begegnungen auf politischer Ebene gegeben, daher kann ich diese Frage seriöserweise gar nicht beantworten. Ich weiß nicht konkret, was Herr Kohlbauer in Wien gemacht hat oder nicht.

Sie haben beim Vortrag auch erwähnt, dass sie bei den Grünen „nur mehr am Papier Mitglied“ sind - was halten die davon, dass sie eine Woche vor der Präsidentschaftswahl, bei der ein Blauer gegen einen Grünen antritt, bei der FPÖ auftreten?
Es steht auch den Grünen offen, eine Veranstaltung abzuhalten, wo ich als Referent komme. Nachdem sie das nicht machen, brauchen sie auch nicht herum meckern. Ich gehe überall hin, ich habe bisher noch keine Einladung ausgeschlagen.

Wen wählen Sie am 4. Dezember - Alexander van der Bellen oder Norbert Hofer?

Das möchte ich lieber für mich behalten.

Heißt das, dass sie nicht den ehemaligen Bundessprecher der Grünen, Alexander van der Bellen, wählen werden?

Das möchte ich wirklich für mich behalten.
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