02.11.2016, 08:35 Uhr

Grüne Mariahilf: Überraschender Wechsel an der Spitze

Wien-Wahlkampf 2015: Michi Reichelt (rechts), Susanne Jerusalem (Mitte) und Oliver Schönsleben (links) gemeinsam auf Tour. (Foto: Grüne Mariahilf)

Die stellvertretende Bezirksvorsteherin Susanne Jerusalem tritt ab – ihr Nachfolger heißt überraschend nicht Oliver Schönsleben, sondern Michi Reichelt.

MARIAHILF. 30 Jahre in der Politik wären genug, es sei Zeit an die jüngere Generation zu übergeben. Das sagt Susanne Jerusalem von den Mariahilfer Grünen anlässlich ihres Rücktritts als stellvertretende Bezirksvorsteherin. Obwohl es nachvollziehbar klingt, kam der Abgang von Jerusalem doch recht überraschend – jedenfalls für außenstehende Beobachter, zum Teil auch für Parteikollegen.

Noch überraschender als der Abgang Jerusalems, die vor ihrer Zeit in Mariahilf 20 Jahre Gemeinderätin war, kommt der des Klubchefs der Mariahilfer Grünen, Oliver Schönsleben. In einer knappen Presseaussendung gab man den Wechsel an der Spitze bekannt – dass auch Klubchef Schönsleben aufhört, war mit einem beiläufigen Satz schnell erklärt. Dabei waren Beobachter, politische Mitbewerber und wohl auch Teile der Grünen selbst stets davon ausgegangen, dass er – der mit viel Engagement bei der Sache war – der logische Nachfolger von Jerusalem ist.

Michi Reichelt übernimmt von Jerusalem

Aber das reichte wohl nicht aus. So heißt der Neue an der Spitze der Mariahilfer Grünen nun nicht Oliver Schönsleben, sondern Michi Reichelt. Der 46-jährige Online-Journalist und bisherige Bezirksrat konnte sich bei der internen Abstimmung gegen Schönsleben durchsetzten – wenn auch knapp, wie man hört. So wurde die innerparteilliche Demokratie Schönsleben zum Verhängnis.

In anderen Parteien hätte es möglicherweise schlichtweg keinen Gegenkandidaten gegeben. Der logische Nachfolger hätte die Funktion quasi geerbt und wäre als einziger Kandidat bestätigt worden. Nicht so bei den Grünen. In einem ausführlichen Hearing präsentierten die Kandidaten ihre Ideen. Die anschließende Abstimmung konnte Reichelt für sich entscheiden – warum, darüber kann nur gemutmaßt werden.

Ruhigere Töne im Bezirk?

"Ich möchte dem Stil von Susanne Jerusalem treu bleiben", sagt Michi Reichelt im bz-Gespräch. Kein Wunder, war es nach seinen Aussagen auch Jerusalem, die ihn überhaupt für die Parteipolitik begeistern konnte. Er war bis dahin zwar politisch interessiert und engagiert, aber lieber unabhängig von einer Partei.

Seit 2014 ist er nun doch im Dienst der organisierten Politik – und ist nun vom Bezirksrat zum stellvertretenden Bezirksvorsteher aufgestiegen. Er werde ein offenes Ohr für alle Anliegen haben, konkstruktiv arbeiten und politschen Freunden wie auch Feinden mit Respekt begegnen. Vielleicht ist genau das der Punkt, in dem ihm jene, die in der Abstimmung für ihn ihre Stimme abgegeben haben, mehr zugetraut haben als dem bisherigen Klubchef Schönsleben.

Polternde Töne als Verhängnis?

Denn dieser ist immer wieder mit recht polternden Tönen aufgefallen, insbesondere wenn FP-Mariahilf-Chef Leo Kohlbauer involviert war. In den sozialen Medien lieferten sich die beiden wüste Schlagabtäusche, die ihren Niederschlag in den Boulevardmedien fanden. Auch im Bezirksparlament schenkten die beiden sich nichts. Warum sollten sich Grüne und FPÖ auch verstehen? An der Ablehung der Politik der FPÖ wird sich mit Reichelt nichts ändern, aber eben möglicherweise am Umgang damit. Bleibt abzuwarten, ob mit dem Wechsel ein bisschen mehr Ruhe in der Bezirkspolitik einkehrt.
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