13.09.2016, 14:42 Uhr

Lokalaugenschein: Schule ohne Noten - geht das?

Schule ohne Noten gab es bisher vor allem in Form von Schulversuchen. In Alternativschulen ist das gängige Praxis. (Foto: Co-Learning Zentrum)

Ohne klare Klassenstruktur, ohne festen Stundenplan und vor allem ohne Noten: In der Hofmühlgasse funktioniert Lernen anders.

MARIAHILF. Mit Beginn dieses Schuljahres verfällt die Pflicht zur Vergabe von Noten an Volksschulen. In der Hofmühlgasse, in welcher gleich drei alternative Bildungseinrichtungen angesiedelt sind, ist dies schon seit Jahren gängige Praxis. Vielmehr versucht man hier die Lernmethode dem Kind entsprechend zu wählen, man lernt "prozessorientiert, nicht leistungsorientiert". Die Leistungen der Schüler anhand von Noten zu bewerten, hält man diesbezüglich für wenig förderlich. Beim Besuch beim Verein für emanzipatorische Erziehung "Ätsch" und dem Co-Learning Zentrum in der Hofmühlgasse wird klar, dass Lernen auch anders funktionieren kann.

Eltern sind Teil des Lernprozesses

"Die Methode muss zum Kind passen, nicht das Kind zur Methode", erklärt "Ätsch"-Obfrau Ursula Schönherr. Im Gegensatz zu anderen Bildungseinrichtungen versucht man in ihrem Haus den Lernalltag der Kinder so harmonisch wie möglich zu gestalten. Klassische Fächer wie Mathematik oder Deutsch gibt es in dieser Hinsicht nicht, vielmehr versucht man die Kinder im Rahmen von Projekten und verschiedenen Themenblöcken zum Lernen zu motivieren.

Dies geschieht auch klassenübergreifend und mit Einbezug der Eltern, welche ein wichtiger Bestandteil des Vereins sind. Sie kümmern sich um's Kochen und erledigen Organisatorisches, bringen manchmal aber auch eigene Lerninhalte oder Projektvorschläge ins Gesamtkonzept mit ein. Bestandteil des Schulalltages zu sein, sei auch für die Eltern selbst oft ein toller Lernprozess.

"Noten sind Humbug!"

Die Abschaffung der Notenpflicht an staatlichen Volksschulen hält Schönherr zwar für längst überfällig, für sie ist es aber eher "ein Tropfen auf dem heißen Stein". Die einstigen Noten 1 bis 5 schlichtweg durch Formulierungen auszutauschen ist ihrer Meinung nach nur wenig zielführend, die Reform also eher eine Farce. Regelschulen sollten sich ihrer Meinung nach mehr darum kümmern, das Kind selbst in den Mittelpunkt zu rücken um insbesondere den positiven Eigenschaften eines Kindes mehr Beachtung schenken.

Nur ein paar Meter weiter, im Co-Learning Zentrum, wird man diesbezüglich sogar noch deutlicher: "Noten sind Humbug!". Leiter des Zentrums Roland Dunzendorfer und Kollegin Florence Holzner sehen vor allem die skandinavischen Länder als Vorbild. Dass Noten für Kinder eher leistungshemmend wirken, habe man in Ländern wie Schweden oder Finnland bereits vor Jahrzehnten erkannt. Dass das dortige Bildungssystem als weltweit führend betrachtet wird, ist für die beiden nur wenig überraschend.

"Wir sehen uns auch selbst als Lernende"

In dem vor einem Jahr gegründeten Co-Learning Zentrum verfließen die Grenzen des Lernens in jeder Hinsicht. Personen im Alter von drei bis 60 Jahren sind Teil des Unterrichts, Klassen gibt es keine und auch die Trennung zwischen Lehrer und Schüler ist nicht immer klar definiert. "Wir sehen uns auch selbst als Lernende", so Dunzendorfer.
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