19.10.2016, 08:22 Uhr

Obdachlosigkeit: 500 Schlafplätze mehr ab November

Mobile Teams kümmern sich um Menschen, die keinen Schlafplatz haben. (Foto: Klaus Pichler)

Im Rahmen des "Winterpakets" werden zusätzliche Schlafplätze für obdachlose Menschen zur Verfügung gestellt. Auch das "Kältetelefon" wird bald wieder aktiviert.

MARIAHILF/NEUBAU. Um die fünf Grad Celsius hat es derzeit in den Nächten in Wien, es geht gegen null. Die warmen Daunendecken werden bezogen, ein warmer Tee schmeckt am Abend besser als ein kühles Getränk. Was für die einen Vorfreude auf den Winter bedeutet, ist für andere eine existenzielle Bedrohung – für Menschen, die keine Wohnung haben, die auf der Straße leben.

Und davon gibt es in Wien viele. Schätzungen gehen davon aus, dass jede Nacht einige hundert Menschen kein Bett haben. Offizielle Zahlen gibt es nicht, da sich Wohnungslosigkeit im Schatten jeglicher Statistik abspielt. Damit auf den Straßen Wiens in diesem Winter niemand erfriert, gilt es jetzt, Vorkehrungen zu treffen, also: Plätze zum Übernachten und Wärmen zu schaffen. Mariahilf hat in diesem Zusammenhang nicht zu Unrecht den Ruf, der "sozialste Bezirk" Wiens zu sein.

Gruft betreut seit knapp 30 Jahren

Neben Betreuungseinrichtungen wie etwa "aXXept", das sich vorrangig an Punks richtet, oder "Ester", einem Tageszentrum für Frauen, befindet sich in der Barnabitengasse die älteste Einrichtung für obdachlose Menschen: die Gruft. Das Notquartier gibt es seit knapp 30 Jahren, Betroffene erhalten dort ein warmes Essen, einen Schlafplatz, Kleidung und eine Dusche. Aber: Insbesondere in der kalten Jahreszeit sind die Plätze dort schnell vergeben, nicht jeder findet ein Bett.

Auch am Neubau laufen die Vorbereitungen bereits. So ist im Sophienspital in der Apollogasse 19 ein Nachtquartier geplant. Rund 100 Plätze sollen bereitstehen, wenn der Winter kommt. Gestartet wird voraussichtlich mit 50, um dann dem Bedarf entsprechend nachzujustieren, betrieben wird es vom Roten Kreuz. Ob auch in der Kaiserstraße wieder eine Notschlafstelle eingerichtet wird, ist derzeit noch unklar.

Winterpaket ab November

Diese Bezirksangebote sind Teil des sogenannten "Winterpakets" des Fonds Soziales Wien (FSW), das ab Anfang November in Kraft tritt und insgesamt für 500 bis 600 zusätzliche Schlafplätze in ganz Wien sorgen soll. Diese werden auch dringend benötigt, denn schon jetzt sind die regulären 300 Plätze in Nachtquartieren für obdachlose Menschen größtenteils vergeben. Das hat damit zu tun, dass dort jene Menschen unterkommen, die "anspruchsberechtigt" sind und eine Zuweisung in eines der Quartiere haben.

Diese wird von P7, dem Wiener Service für Wohnungslose, vergeben, dafür müssen unterschiedliche Voraussetzungen erfüllt sein. Und um im Winter abgesichert zu sein, würden sich Anspruchsberechtigte schon jetzt zuweisen lassen, hört man von Sozialarbeitern. Das führt dazu, dass vor allem jene Menschen, die nicht anspruchsberechtigt sind – etwa EU-Ausländer oder Menschen aus den Bundesländern –, schwer einen Platz finden und auf der Straße landen.

Mehr Menschen auf der Straße

Deshalb ist auch die Schaffung der rund 500 zusätzlichen Plätze zentral, denn diese stehen den nicht Anspruchsberechtigten gleichermaßen zur Verfügung. Und auch wenn es keine offiziellen Zahlen gibt – diese Gruppe wird immer größer. Nicht zuletzt aufgrund der repressiven Politik, die in Herkunftsländern wie etwa Rumänien oder Ungarn betrieben wird. Das berichten einerseits Sozialarbeiter, aber auch dem Fonds Soziales Wien ist der Umstand bewusst. Auch Jugendliche seien immer stärker von Obdachlosigkeit betroffen, hört man aus der Szene.

Insofern sind auch Initiativen abseits von Schlafplätzen zentral etwa das "Gruft Winterpaket", bei dem ein Schlafsack und ein warmes Essen gespendet werden. Auch das Kältetelefon gibt es ab Anfang November wieder: Wer bemerkt, dass ein Mensch friert, kann unter 01/480 45 53 helfen.
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