24.10.2016, 09:59 Uhr

Otto-Bauer-Gasse: Wie geht es weiter?

Die Gehsteige sind zu schmal, barrierefreiheit erwünscht - dass in der Otto-Bauer-Gasse was passieren muss, ist allen klar. Bleibt nur noch die Frage, wann es soweit ist. (Foto: Bunke)

Eine Umgestaltung der Gasse scheint fix. Ein Baubeginn vor 2018 ist aber unwahrscheinlich, 2017 könnte der Planungsprozess mit Anrainern, Fach- und Geschäftsleuten gestartet werden.

MARIAHILF. So große Einigkeit in Sachen Raumgestaltung hat Seltenheitswert – insbesondere wenn man an die Querelen, die die Umgestaltung der Mariahilfer Straße einst verursacht hat, zurückdenkt. 70 Prozent der Unternehmer in der Otto-Bauer-Gasse wünschen sich eine Veränderung des Status quo, und sogar 27 Prozent sprechen sich für die Schaffung einer Begegnungszone in der Seitengasse der Mariahilfer Straße aus.

Das ergab eine Befragung von 52 ansässigen Geschäftsleuten durch den Wiener Wirtschaftsbund. "Jetzt ist es wichtig, auf die Betriebe und ihre Sorgen einzugehen. Sonst war’s das mit der beliebten und einst belebten Otto-Bauer-Gasse", kommentiert Kari Gödde, Obmann des Wirtschaftsbundes im 6. Bezirk, das Ergebnis.

Einer der betroffenen Unternehmer ist Emmanuel Burtscher. Er betreibt seit zwölf Jahren das Geschäft "SpielRaum" in der Otto-Bauer-Gasse 17. Er sei stets für eine Verkehrsberuhigung der Mariahilfer Straße gewesen, aber seitdem diese umgesetzt wurde, sei die Otto-Bauer-Gasse, die in diesem Abschnitt eine Sackgasse ist, zu einem "Dead End", also zu einem "toten Ende" geworden. Er fordert daher eine rasche Umwandlung in eine Begegnungszone. "Im Abschnitt Schmalzhofgasse bis Mariahilfer Straße sollen Parkplätze weichen und so Raum für alle geschaffen werden", so Burtscher in einem Leserbrief.

Gasse ohne große Ketten

Die Otto-Bauer-Gasse sei eine der wenigen belebten Geschäftsgassen ohne große Franchisenehmer – und genau solche Gassen müssten gestärkt und die Wiener Geschäftstreibenden gefördert werden, schreibt "SpielRaum"-Betreiber Burtscher. Diese Meinung teilt auch ein Anrainer, der ebenfalls dem bz-Leserbrief-Aufruf gefolgt ist. Dadurch, dass der obere Teil der Otto-Bauer-Gasse bis zur Schmalzhofgasse wegen der Sackgasse ohnehin nur zum Umdrehen genutzt werde, könne man leicht eine komplette Verkehrsberuhigung andenken. Hinzu komme, dass die Gehsteige viel zu schmal seien. So gebe es bei den Fußgängern Stau, während auf der Straße wegen der Sackgasse gähnende Leere herrsche.

Die schmalen Gehsteige, von oben gesehen auf der rechten Seite, sind auch dem Leiter des Bezirksmuseums, Erich Dimitz, ein Dorn im Auge. Wegen einer Gehbehinderung ist er darauf angewiesen, mit zwei Stecken zu gehen. Damit sei er zwar vergleichsweise mobil, zwei Kinderwägen oder zwei Rollstühle kämen da aber beim besten Willen nicht aneinander vorbei. Er selbst gehe zumeist "illegal in der Mitte der Straße" und lasse sich von Autos anhupen, die "hier ohnehin nicht hin wollten". "Wie auch immer das gelöst wird: Ich möchte dort wieder barrierefrei und gemütlich gehen können", so Dimitz in seinem Leserbrief. Eine einzige negative Rückmeldung hat die bz-Redaktion erreicht.


Nur FPÖ dagegen

Von den Bezirksparteien spricht sich nur die FPÖ dezidiert dagegen aus, Grüne, ÖVP und auch die SPÖ rund um Bezirksvorsteher Markus Rumelhart wollen eine Umgestaltung – insbesondere des oberen Teils – der Gasse. Bereits im bz-Kreuzverhör hat Rumelhart erklärt, dass klar sei, dass hier etwas passieren müsse. Seine "Lieblingsvariante" ist die Schaffung einer Begegnungszone, in der man Gehsteig und Straße auf eine Ebene bringen würde, um so Barrierefreiheit zu schaffen. Ladezonen und Behindertenparkplätze sollten beibehalten werden. Das sei in seinen Augen "ein guter Kompromiss". Fakt ist aber auch, dass dieser Kompromiss noch mit den anderen Fraktionen zu klären sein wird und auch die MA28, zuständig für Straßenbau, noch ein Wörtchen mitreden wird.

Und eine Sache gilt es ohnehin abzuwarten: In der Otto-Bauer-Gasse 12 wird demnächst ein ganzes Haus abgerissen und ein neues gebaut. Eine Sanierung der Straße hätte davor keinen Sinn. Insofern wird sich ein tatsächlicher Baubeginn wohl kaum vor 2018 realisieren lassen. Mit den Planungsarbeiten könnte 2017 begonnen werden. Und dabei ist Rumelhart vor allem eines wichtig: Bewohner, Geschäftsleute und Fachleute einzubinden. Damit kann sich auch ÖVP-Bezirksparteiobmann Gerhard Hammerer anfreunden: Er spricht sich für "eine Attraktivierung und Sanierung" aus, entscheiden sollen am Ende Anrainer und Wirtschaftstreibende. Passieren wird also auf jeden Fall etwas. Bleibt nur noch die Frage, wann und in welcher Form.
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