Mein Weg am Alpe-Adria-Trail
Etappe 3, 4 & 5: Bergtage sind meine Lieblingstage

Dieser Anblick entschädigte für die Strapazen. 🥰
38Bilder
  • Dieser Anblick entschädigte für die Strapazen. 🥰
  • hochgeladen von Sabrina Radowan

Stimmt! Aber nicht immer... manchmal verfluche ich sie auch... heute zum Beispiel! Aber beginnen wir mal von vorne...

E 3: Döllach - Marterle

Gesamtzeit: 5:55
Gehzeit: 4:21 (angegeben: 7:00)
Kilometer: 19
Bergauf: 1.080 Hm
Bergab: 280 Hm

Der Weg nach Marterle startete gemütlich entlang der Möll auf einem Radweg Richtung Mörtschach. Die App schleppte mich dann bergauf in eine Siedlung, damit ich danach wieder runtergehen konnte... Hääää? Unten verläuft der schöne Radweg entlang der Möll, völlig flach und gemütlich, warum geht der Trail so unnötig rauf und runter? 🤔 Egal, nicht fragen, nicht wundern... weitergehen! Von Mörtschach weg ging es dann ständig bergauf, zuerst einen Forstweg entlang und nach einigen Kehren steil bergauf in den Wald. Dort war es irgendwie unheimlich. Viele Bäume lagen kreuz und quer am Weg, was mit 13kg am Rücken schon oft eine große Herausforderung ist. Unten durchkraxeln ist nicht leicht und auch hohe Schritte machen fällt schwer. Der Weg wurde immer steiler und endete auf einem gesicherten Steig. Gott sei Dank konnte ich mich bei den Seilen festhalten, denn rechts ging´s dann doch ziemlich runter. 😱

Traumhafte Ausblicke...

Nach dem Steig machte ich eine kurze Verschnaufpause und genoss nochmals die Aussicht zur Glocknergruppe. Der Weg verlief dann weiter auf einer Forststraße und in einer Rechts-Kehre zeigte die App nach links - mitten in den Wald rein. Keine Markierung, kein Weg - gar nichts! Ich hab mich dazu entschlossen, die Forststraße weiterzulaufen, da auch diese ans Ziel führen sollte. So war es dann auch. Ich hab das schöne Marterle mit der höchstgelegenen Wallfahrtskirche Österreichs erreicht. Unmittelbar daneben das „Alpengasthaus Marterle“, wo ich mein Quartier bezogen habe.

Und dann endlich das Etappenziel: Marterle

Das Gasthaus liegt wunderschön auf 1.861m mit herrlichem Blick auf die Berge, sogar die Lienzer Dolomiten kann man von meinem Balkon aus sehen.

Das Gasthaus betreibt Erika, eine witzige und lässige Frau. Auch ihre Schwiegertochter Lisa ist sehr lieb und so hab ich mich hier gleich wohl gefühlt. 3 Kärntner haben mich gefragt, ob ich mich zu ihnen setzen möchte und klar hab ich ein Bier mit ihnen getrunken und gequatscht. Der eine ist sogar öfters in Mattersburg und wir haben gemeinsame Bekannte... so klein ist die Welt!  🤷🏽‍♀️

Im Gasthaus hatten sie einen Wasserschaden und so wurde mit der Dusche improvisiert. Eine mobile, runde Dusche mit einem Durchmesser von nicht mal einem Meter stand in der Damentoilette. Ich bin ja nicht so heikel, also duschte ich in bester Gesellschaft: eine Spinne hatte mich im Visier, aber ich war zu faul, um sie wegzumachen, also ließ ich ihr die Freude und wir duschten gemeinsam. 😅
Später gab`s noch den ein- oder anderen Smalltalk mit Gästen. Nach einem deftigen Wiener Schnitzel fiel ich ins Koma und schlief fast 10 Stunden!

E 4: Marterle - Stall

Gesamtzeit: 3:45
Gehzeit: 2:46 (angegeben: 4:30)
Kilometer: 12
Bergauf: 50 Hm
Bergab: 1.060 Hm

Ich bin erst um 8:45 Uhr losgegangen, weil ich wusste, dass die Etappe ziemlich kurz sein wird. Es ist erst meine 4. Etappe, aber hätte ich gewusst, dass ich immer so viel schneller bin, als die angegebenen Gehzeiten, hätte ich ein paar Etappen zusammengelegt. Ich bin davon ausgegangen, dass ich als Flachländerin bestimmt diese Zeiten brauchen werde... aber gut, ist jetzt nun mal so. Immerhin verschafft mir das viel Freizeit, ob ich will oder nicht. 🙃

Der Weg nach Stall runter führte zuerst über die Mölltalleitn und somit über viele Kuhweiden, also genau meins! 🥴 Ich hab echt großen Respekt vor diesen großen, freilaufenden Kühen. Und ich hab ständig das Gefühl, dass sie mich so böse ansehen. Na gut, immerhin gehe ich durch deren Revier, ich hätte auch keine Freude, wenn die Kühe durch mein Wohnzimmer laufen... ok, blöder Vergleich. 

Jedenfalls bin ich viel im Freien gegangen ohne Schatten und bei großer Hitze. Ohne mein Kappi hätte ich vermutlich einen Sonnenstich bekommen. Abgesehen von den freien Kühen gibt es auch einige freilaufende Hunde hier, die ihr Revier verteidigen. Ich kenn das ja von Nala, meiner Hündin, und gehe mal davon aus, dass sie einfach nur ´ne große Klappe haben. Es heißt ja „bellende Hunde beißen nicht“! Und wir gehen jetzt mal von der Richtigkeit dieses Sprichwortes aus.

Von den Kuhweiden und Forststraßen ging es schlussendlich wieder in den Wald. Die Karte bzw. auch die Navi-App zeigte plötzlich nach rechts, da war aber keine Markierung und auch kein Weg oder Steig, sondern einfach nur dichter, unbegehbarer Wald. Also bin ich weiter gegangen, allerdings kam auch dort wieder nur dichter Wald und kein ersichtlicher Trail. Dann hab ich umgedreht, weil ich dachte, ich hätte irgendwo weiter oben eine Markierung übersehen. Also den Berg wieder rauf... aber da war nichts. Dann eben wieder runter und weiter durch das Dickicht. Ich hab mich durch Stauden, Disteln und Brennessel gekämpft (die lange Hose auszuziehen und gegen ein Kurze auszutauschen war definitiv die falsche Entscheidung) und es ging sehr steil bergab. Schlussendlich sah ich wieder eine Markierung und war ziemlich erleichtert, wenn auch ordentlich zerkratzt. Am Waldrand im Schatten hab ich dann mein Frühstück fertig gegessen, schwer verdient nach dieser Tortur. Vom Wald wieder draußen, lief ich bis Stall in der prallen Sonne. Aber ich will mich keinesfalls beschweren - es ist ja Sommer! 😊 Wieder ist mir auf der ganzen Strecke niemand begegnet.

In Stall angekommen, huschte ich in den Supermarkt um ein kaltes Getränk und eine Nektarine. Ich checkte in der Dorfschenke ein und hab mal geduscht und Wäsche gewaschen. Die Tatsache, dass ich Balkon und Wäscheständer hatte, musste ich natürlich ausnutzen. Danach ging´s ab ins Freibad! Nicht groß, nichts Besonderes, aber immerhin eine super Erfrischung und eine Wohltat für meine Füße (die Brennesseln und Disteln hab ich heute echt noch gebraucht!). Ich fühlte mich gleich heimisch, denn der Dialekt ist sehr ähnlich wie bei mir zuhause in Rohrbach - manchmal weiß man einfach nicht, ob sie sprechen oder bellen! 😜 Es sind dann immer mehr Familien gekommen, viele Kinder, viel Lärm... das war mir nach so viel Ruhe dann wirklich zu viel! 😅 Nach 2 Stunden hab ich zusammengepackt, zugegeben: ich hatte auch riesigen Hunger!

Im Café-Restaurant Suntinger wollte ich eine Kleinigkeit essen. Es war nur noch ein einziger Platz draußen frei, mitten am Stammtisch der Staller Herren. Natürlich ließ ich mich nicht 2x bitten und setzte mich zu den netten Männern. Viele Fragen, viele Antworten, viele Witze und viel Bewunderung folgten... war eine wirklich angenehme und gastfreundliche Runde und mein Schweizer Wurstsalat war auch der Hammer!

Meine Staller „Freunde“! Danke liebe Herren für die nette Unterhaltung.
  • Meine Staller „Freunde“! Danke liebe Herren für die nette Unterhaltung.
  • hochgeladen von Sabrina Radowan

Die Mölltaler sind scheinbar alle sehr gastfreundlich, hab nur nette Leute getroffen... wenn ich überhaupt wen getroffen habe! 🙄 Ich bin halbwegs zeitig ins Bett, weil mich am nächsten Tag eine wirklich harte Etappe erwartete und das bei großer Hitze.

E 5: Stall - Innerfragant

Gesamtzeit: 8:30
Gehzeit: 5:17 (angegeben: 7:30)
Kilometer: 23,2
Bergauf: 1.190 Hm
Bergab: 960 Hm

Heute stand eine der „Königsetappen“ am Programm. Und es war kein Lieblingstag am Berg. Ich wusste, dass es anstrengend wird, aber ich bin soviel Höhenmeter auch schon gegangen, also nicht, dass ich nicht einschätzen hätte können, dass das bei der großen Hitze kein Honigschlecken sein wird. Es war aber nicht nur nicht einfach, sondern es war extrem. Extrem heiß, extrem herausfordernd, extrem bergauf und extrem bergab. 🥵😩

Etappe 5: steil, aber schön!

Zuerst verläuft die Strecke auf der Forststraße den Sonnberg hinauf. Bergauf und auf der Sonnenseite, wie der Name ja auch erahnen lässt. Dann geht`s mal durch den Wald, aber der ist so ausgeforstet, dass überall die Sonne reinkam. Natürlich auch steil bergauf. Danach geht man wieder eine Forststraße - schöne Landschaft vor Augen, aber genießen konnte ich das heute nicht, denn die Sonne brannte erbarmungslos auf mich herab und der Weg wurde noch steiler. Dann bin ich auch noch zu weit raufgegangen und habe versucht, den Wasserfall eben weiter oben zu queren. Fail!!! Bin durch`s Gestrüpp nicht mehr weitergekommen (juhu, wieder ein paar neue Kratzer!). Na dann eben wieder alles runter. 

Weiter ging`s zum Teil über einen Schotterweg, zum Teil steil rauf in einen Wald. Und irgendwann wurde es so steil und es ist rechts so abschüssig gewesen, dass ich mir echt ein bisschen in die Hose gemacht hab, denn es wurde nicht besser und plötzlich waren auch keine Markierungen mehr - nirgends! 😡 Da stand ich nun, schaute auf der anderen Seite den Berg hinunter und hatte keine Ahnung, wie ich durch das ganze Gestrüpp und Dickicht und vorallem bei diesem Gefälle runterkommen soll. Aber hilft ja nix, holen wird mich keiner, also musste ich da durch! Und es war echt steil... und schwierig... und gefährlich! Ich hab geflucht und mich geärgert, weil ich dann gesehen habe, dass es auch eine Forststraße gegeben hätte, die zur Goldberghütte führt. Der Wirt hat gelacht und gemeint: „Do vazedln si olle und die meistn fluchn no vü lauta ois du!“ Na Gott sei Dank bin ich nicht der einzige Depp. 😅Vermutlich wurden Bäume mit Markierungen gefällt. Wie auch immer: ich war sehr dankbar, dass ich da heil runtergekommen bin.

Die urige Goldberghütte... ich war so froh, sie überhaupt erreicht zu haben!
  • Die urige Goldberghütte... ich war so froh, sie überhaupt erreicht zu haben!
  • hochgeladen von Sabrina Radowan

Nach einer kurzen Pause beim netten Wirt ist es nochmals ordentlich raufgegangen und dann kam die sogenannte „Rollbahn“. Eine beeindruckende Weganlage, die mittels Tunnel, Brücken und in den Fels gehauenen Wegen den Steilwald durchquert. In der Zeit des Kupferbergbaus wurde das Erz hier per Pferdeeisenbahn abtransportiert. Endlich mal ein gerader Weg, wenn man rechts nicht runterschaut, ziemlich erholsam. Die Konzentration sollte man hier aber beibehalten, denn ein falscher Schritt und du fällst runter bis... vermutlich bis in die Möll hinein! 🤣

Am Umweg zur Fraganter Hütte...

Ich machte einen absichtlichen Umweg zum Fraganter Schutzhaus, denn ich hatte Hunger und Durst und wollte einfach nur noch rasten - im Schatten! Ich gönnte mir ein Weizenbier. Es war eine gute Entscheidung, mir Mut anzutrinken, denn danach musste ich wieder durch eine riesige Kuhherde (und wir sind noch immer keine Freunde!). Wunderschöne, schwarze Pferde sind frei rumgelaufen - herrlich anzusehen! 😍

Dieser Anblick entschädigte für die Strapazen. 🥰
  • Dieser Anblick entschädigte für die Strapazen. 🥰
  • hochgeladen von Sabrina Radowan

Von den knapp 1.800m ging`s dann durch den Wald steil bergab. In 45 Minuten bin ich über 700 Höhenmeter runtergegangen... und der Wald war echt unheimlich! Riesenfreude kam auf, als ich mein Etappenziel, den Innerfraganter Wirt, vor Augen hatte. Und die Wirtin da ist sehr lieb und gesprächig und brachte mir ein Zirbenschnapserl, weil „des host da owa sauwa vadiant heite!“ Ich hab nicht widersprochen.

Heute hatte ich das erste Mal Zweifel, ob ich das tatsächlich bis nach Muggia schaffen kann... 🥴

HIER geht's zur Übersichtsseite

***

Wem das zu weit ist, zu viele Höhenmeter oder zu wetterunsicher, der kommt ins sonnenreiche Burgenland - mit 300 Sonnentagen und einem vielfältigen Angebot an Ausflugszielen bietet das Burgenland Erlebnisse für die gesamte Familie.
Ob Radfahren, Wandern, Nordic Walken oder Laufen - das Burgenland bietet Bewegungshungrigen eine Fülle von Möglichkeiten.

Mit freundlicher Unterstützung von:




Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?

Werde Regionaut!

Jetzt registrieren

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.