AMS Mattersburg
180 Betriebe und 1.100 Beschäftigte in Kurzarbeit

AMS Mattersburg-Geschäftsstellenleiter Markus Plattner gibt im Bezirksblätter-Interview einen Überblick über die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt im Bezirk
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Markus Plattner, Geschäftsstellenleiter des AMS Mattersburg, über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt im Bezirk Mattersburg.

MATTERSBURG. Die Corona-Krise hat auch auf den Arbeitsmarkt im Bezirk Mattersburg starke Auswirkungen. AMS Mattersburg-Leiter Markus Plattner schildert im Bezirksblätter-Interview die aktuelle Situation.

Wie sieht die Arbeitsmarktsituation (Arbeitslose, Zahl der Beschäftigten, Lehrstellensuchende, offene Lehrstellen, Kurzarbeit, …) im Bezirk aktuell aus?
Beim AMS Mattersburg sind mit Ende Dezember 1.853 Personen arbeitslos gemeldet. 42 Prozent davon sind weiblich. Im Jahr 2020 waren im Bezirk Mattersburg durchschnittlich 1.551 Menschen arbeitslos vorgemerkt (738 Frauen, 813 Männer) – gegenüber dem Jahr 2019 ein Anstieg von 28,9 Prozent.
164 Personen sind derzeit in Schulungen und Weiterbildungen.
23 Lehrstellensuchende stehen 19 offenen Lehrstellen gegenüber. Ein Großteil der Lehrstellen konzentriert sich auf den Einzelhandel.
Im dritten Lockdown befinden sich derzeit 180 Betriebe und 1.100 Beschäftigte in Kurzarbeit.
Mit 30. November 2020 gab es im Bezirk 17.045 Beschäftigte, ein Minus von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Wie hat sich die Arbeitslosigkeit seit Beginn der Corona-Pandemie entwickelt?
Die Corona-Pandemie hat auch am Arbeitsmarkt deutliche Spuren hinterlassen. Heute vor einem Jahr hätte man sich das noch in keinster Weise vorstellen können und dann sind im März auf einmal die Arbeitslosenzahlen explosionsartig in die Höhe gegangen. Wenn man die Monate März, April und Mai betrachtet war das jenseits der 50 Prozent Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr. Besonders der April 2020 war mit einem Anstieg von fast 72 Prozent im Vergleich zum Vorjahres-April gewaltig.
Arbeitslose die im März 2019 noch einen sicheren Arbeitsplatz hatten und sich im März 2020 plötzlich beim AMS anmelden mussten. Dass das diese Dimension annehmen würde war in keinster absehbar und Unternehmer mussten von einem Tag zum anderen gravierende Entscheidungen treffen. Viele Unternehmen haben schnell das Mittel der Kurzarbeit in Anspruch genommen. Was für die Arbeitnehmer, im Vergleich zur Arbeitslosigkeit, natürlich die finanziell weit bessere Lösung war damit man über die Runden kommt. Ein großer Teil der Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt wurde sicher von der Kurzarbeit aufgefangen. Das Mittel war super und ist es auch noch immer.

Gibt es Branchen in denen man besonders starke Auswirkungen der Corona-Krise verzeichnen muss?
Der Handel und die Gastronomie wurden am schwersten von der Corona-Krise getroffen. Genauso wie die körpernahen Dienstleistungen wo von heute auf morgen das Geschäft aufgrund behördlicher Massnahmen schließen musste. Viele hatten nicht die Möglichekit ihr Geschäftsmodell von heute auf morgen umzustellen und zum Beispiel auf online umzusteigen. Auch wenn die Kurzarbeit von vielen in Anspruch genommen wurde mussten einige Unternehmer ihre Mitarbeiter wegen zu geringer Rücklagen in die Arbeitslosigkeit entlassen.

Wie hat das AMS versucht, der hohen Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken? Wo lagen hier die größten Herausforderungen?
Die größte Herausforderung für uns beim AMS war es mit Sicherheit innerhalb sehr, sehr kurzer Zeit das immense Antragsvolumen auf Seiten der Arbeitslosmeldungen zu bewältigen. Die Kurzarbeitsanträge möglichst rasch zu bearbeiten. Immer unter dem Gesichtspunkt, wenn sich jemand melden muss schnellstmöglich die Berechnungen zu erledigen und Versicherungsschutz zu bieten.
Die höchste Prämisse war und ist es keine Zeit zu verlieren damit der Kunde nicht unter der schweren Situation zusätzlich leiden muss, weil er kein Geld bekommt oder der Versicherungsschutz nicht gegeben ist. Das ist bis heute Gott sei Dank immer gut gelungen, was ich auf den großartigen Einsatz meines Teams zurückführe wofür ich wirklich dankbar bin. Keine Ahnung wie das immer funktioniert hat aber es hat funktioniert, der Einsatz immer da und das ist es was zählt. Denn eines sollte man nie vergessen: Die Mitarbeiter machen die Arbeit und der Chef muss für die Rahmenbedingungen sorgen.

Gibt es spezielle Schulungs-/Kursangebote im AMS? Hat sich im Weiterbildungsbereich des AMS durch die Pandemie etwas verändert?
Mit Sicherheit hat man durch die Corona-Pandemie auch einiges dazugelernt. In der Kundenbetreuung hat sich vieles gewandelt. Die neuen Medien werden jetzt mehr genutzt, der Fokus liegt auf telefonischer Betreuung und online-Beratung. Auch im Kursbereich spürt man die Veränderung. Die Partner des AMS haben sehr schnell reagiert und gute Ideen entwickelt damit die Kursinhalte jetzt auf andere Art an die Kunden gebracht werden können.
Inzwischen sind wir beim AMS Mattersburg wieder fast auf einem Regelbetrieb der sich aus einem gesunden Mix aus Präsenz- und online-Veranstaltungen zusammensetzt. Es ist auf jeden Fall geplant, die neu entwickelten Möglichkeiten auch über die Pandemie hinaus fortzuführen. Dazu werden wir genau prüfen welche Maßnahmen sinnvoll sind und diese werden weiterhin geboten werden. Ganzu auf den direkten Kontakt zu unseren Kunden wird aber auch in Zukunft nicht verzichtet werden, da der soziale Kontakt einfach wichtig ist.

In welchen Branchen werden derzeit besonders viele Mitarbeiter gesucht? Welche Branchen sind derzeit besonders gefragt?
Der Stellenmarkt hat sich trotz der Corona-Krise im Bezirk einigermaßen stabil gehalten. Betrachtet man das gesamte Jahr hat man natürlich einen starke Anstieg der Arbeitslosigkeit in den Monaten März und April. Da haben Unternehmer natürlich nicht daran gedacht wieder neue Mitarbeiter einzustellen. Im Jahresverlauf hat sich das aber schnell wieder eingependelt.
Branchen die jetzt verstärkt Leute suchen sind vor allem der Handel. Abgesehen von den Lockdownbetrieben sind das der Lebensmittelhandel und die Güter des täglichen Bedarfs. Hier musste von Anfang an fast unmenschliches geleistet werden damit sichergestellt ist, dass die Leute an ihre Sachen kommen.
Auch im Gesundheitsbereich werden weiterhin, wie schon vor der Corona-Pandemie, Arbeitskräfte gesucht. Nicht nur im Bezirk Mattersburg hat die Corona-Pandemie die Entwicklung von EDV-nahen Jobs vorangetrieben – hier wird ebenfalls verstärkt nach neuen Mitarbeitern gesucht.
Was auch die Krise nicht ausgesetzt hat ist der Fachkräftemangel in allen Branchen egal ob Tischler, Metalltechniker oder Mauerer. Im Facharbeiterbereich ist der Bedarf an Arbeitskräften nahezu ungebrochen.
Betrachtet man die 170 bis 180 freien Stellen die am heutigen Tag da sind, sind bei 70 Prozent davon ein Ausbildungsstand von einem Lehrabschluss oder höher gefordert.

Was wünschen Sie sich für 2021?
Das ist gar nicht so viel. Ein Stück Normalität. Aber nicht die Neue sondern was von der alten Normalität. Und dass sie vielleicht ein bisserl geschwinder kommt und sich wenn möglich relativ viele Menschen gegen Corona impfen lassen. Alles andere haben wir oder kommt dann von alleine wieder.

Wie sind die Erwartungen für die ersten Monate des neuen Jahres?
Im Moment sind wir sehr im Kaffeesudlesen. Es hängt alles stark von der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie ab. Jänner und Februar wird die Arbeitslosigkeit saisonbedingt noch höher bleiben. Danach hängt es davon ab wie schnell die Corona-Maßnahmen Wirkung zeigen. Wir rechnen damit, dass sich eine Besserung der Corona-Zahlen auch 1:1 auf die Wirtschaftszahlen auswirken wird. Wenn die Infektionsraten zurückgehen wird hier wieder ein Wachstum sein. Bis wir wieder auf Normalniveau sind wird es wohl einige Jahre dauern aber wir freuen uns schon über jedes Plus das wir verzeichnen können.
Ich gehe davon aus, dass wir gegen Ende des dritten oder vierten Quartals dieses Jahr mit den Arbeitslosenzahlen wieder etwas runter kommen. Die Arbeitslosigkeit wird zwar hoch bleiben aber ich hoffe darauf, dass es dann wieder besser wird denn viel schlimmer sollte es nicht mehr werden. Gemeinsam werden wir die Pandemie überstehen.

AMS Mattersburg-Geschäftsstellenleiter Markus Plattner gibt im Bezirksblätter-Interview einen Überblick über die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt im Bezirk
Der Ausbruch der Corona-Pandemie zeigt sich auch an den Arbeitslosenzahlen im Bezirk Mattersburg

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