Tast- und Fühlwand
Durch Tasten kommt die Erinnerung

Stolz überreichen die Jugendlichen die Tast- und Fühlwände den dementen Senioren.
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  • Stolz überreichen die Jugendlichen die Tast- und Fühlwände den dementen Senioren.
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Spürbar generationenverbindend:  Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen bauten Therapiewände für demenzkranke Senioren.

MEIDLING. Vorsichtig streckt Herr M. seine Hand aus und ertastet eine Steckdose, die an einer  „Tast‐ und Fühlwand“ mit einem Kabel befestigt ist. Herr M. leidet an Demenz und wird im Pflegewohnhaus ÖJAB‐Haus Neumargareten in der Siebertgasse 21 betreut.

Die Wand hilft ihm, sich an Dinge des Alltags wieder zu erinnern – eine therapeutische Maßnahme, um seine Sprache und Bewegung positiv zu beeinflussen. Gebastelt haben diese Tast‐ und Fühlwände Jugendliche mit erhöhtem Unterstützungsbedarf. Sie stammen häufig aus schwierigen sozialen Verhältnissen, haben schulische Defizite oder leiden unter sozialen, emotionalen oder anderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

In der „Produktionsschule ÖJAB – Bildung, Perspektive, Integration“ in der Längenfeldgasse 27 holen sie fehlende Schulbildung nach, erhalten individuelle Hilfe zu persönlichen Problemen, finden neue Freunde und lernen sinnvolle Berufsbilder kennen.

Von Kanne bis Pumpe

Wer es selbst nicht leicht im Leben hat, hilft gerne anderen, die es auch nicht leicht haben. Nach diesem Motto haben die Jugendlichen insgesamt acht Tast‐ und Fühlwände für demenzkranke Senioren im nahe gelegenen ÖJAB‐Haus Neumargareten gebaut und Anfang Dezember feierlich überreicht.

Auf den Wänden sind verschiedene Alltagsgegenstände montiert – von der Kaffeekanne bis zur Fahrradpumpe, um die Sinne Fühlen, Sehen und Hören zu fördern. Pflegefachkräfte erklärten den Jugendlichen was Demenz ist und wie die Therapiewände aufgebaut sein müssen, damit sie den Erkrankten helfen. Bei der handwerklichen Umsetzung halfen Fachtrainer der Produktionsschule. „Ich freue mich so, dass die Wände noch vor Weihnachten fertig geworden sind“, meint Teilnehmerin Sabine Z.

„Manche unserer Jugendlichen erleben hier zum ersten Mal, dass sie wirklich etwas Sinnvolles, Wichtiges tun können, das anderen Menschen hilft“, beschreibt Sabrina Nill, Leiterin der Produktionsschule.

Jugend trifft Alter

Einige der Jugendlichen aus der Produktionsschule ÖJAB – Bildung, Perspektive, Integration besuchen regelmäßig zwei Wochen pro Monat ganztägig das Pflegewohnhaus. Die Jugendlichen lernen dort Berufsbilder in der Seniorenbetreuung und Pflege kennen, denn sie möchten später einmal in diesem Bereich tätig sein. Außerdem kommen Jugendliche der Produktionsschule, die sich für handwerkliche Berufe interessieren, immer wieder ins ÖJAB‐Haus Neumargareten und bauen kleine Dinge, über die sich die Senioren freuen. Wie etwa eine neue Gartenhütte und ein Fahrradständer für Angehörige.

„Bei all diesen Begegnungen lernen die Jugendlichen die Lebensumstände von alten und kranken Menschen kennen. Die Jugendlichen erleben, wie durch ihren Beitrag das Leben der Senioren wertvoller wird“, beschreibt Sabrina Nill. Die betagten Bewohner freuen sich über den Besuch von jungen Menschen. Im Gegenzug gibt es auch Lebenserfahrungen und prägende Erlebnisse für die Jugendlichen – soziales Lernen, gegenseitiger Respekt und Ratschläge der älteren Generation.

Österreichische Jungarbeiterbewegung

Die Produktionsschule ÖJAB – Bildung, Perspektive, Integration wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanziert. Sie ist eine Maßnahme des NEBA – Netzwerks Berufliche Assistenz, eine Initiative des Sozialministeriumservice, welche aus den Mitteln des Europäischen Sozialfonds kofinanziert wird.

Die ÖJAB – Österreichische Jungarbeiterbewegung ist eine parteipolitisch und konfessionell unabhängige Jugendorganisation und eine der größten Heimträgerorganisationen Österreichs. Als gemeinnütziger Verein betreibt die ÖJAB 23 Studierenden‐ und Jugendwohnheime, leistet stationäre und mobile Pflege und unterstützt jährlich rund 2.000 Jugendliche und Erwachsene auf ihrem Bildungsweg, unter anderem in drei Produktionsschulen in Wien und Niederösterreich. Außerdem betreut der Verein Flüchtlinge und leistet Entwicklungszusammenarbeit.

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