Wiener Sozialdienste: Und als Dank gibt’s Blumen

"Ich bin da, um Gutes zu tun": Margarethe Krutak kümmert sich in ihrer Pension um Donaustädter ab 75 Jahren.
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  • Foto: Spitzauer
  • hochgeladen von Andrea Peetz

WIEN. Nein, ans Aufhören hat Margarethe Krutak noch nie gedacht: "Wenn einem wer die Türe vor der Nase zuschlägt, darf man das nicht persönlich nehmen. Ich sag dann höflich Dankeschön und Wiedersehen und geh halt wieder."

Seit sieben Jahren ist die 66-Jährige beim Kontaktbesuchsdienst der Sozialdienste tätig – ehrenamtlich in ihrer Pension. Ihre Aufgabe: Donaustädter ab 75 Jahren zu besuchen und zu helfen – sei es jetzt bei Fragen zum Erbrecht oder zu Pflegeheimen. "Natürlich, bei meiner Aufgabe sieht man schon viel – auch Schlimmes", sagt Krutak. Einmal pro Monat ist sie einen Tag lang im 22. Bezirk unterwegs, bis zu zehnmal klopft sie dabei an eine Haus- oder Wohnungstür.

"Schicksale berühren"

Eine Liste der Bedürftigen bekommt Krutak von der Bezirksvorstehung: "Wohnen, Familie, Gesundheit – das alles frag ich bei meinen Besuchen ab. Rückmeldung geb ich dann wieder an den Bezirk, der dann weiterhilft." Was sie besonders berührt? "Wenn die Menschen von früher erzählen. Da sind schon arge Schicksale dabei."

Aber auch die Dankbarkeit, die ihr entgegenschlägt – und sei es auch noch so unerwartet: "Schlimm war mein Besuch in einer extrem zugemüllten Wohnung. Der Mann im schmuddeligen Bett, ich mit meinem Block am Schoß auf einem Stockerl. Ich war geschockt. Als er mich dann wieder zur Tür gebracht hat, hat er mir einen Strauß Blumen überreicht. So dankbar war der für das Gespräch."

Familie als Stütze

Mit den teils schweren Schicksalen kann Margarethe Krutak – mittlerweile, wie sie sagt – gut umgehen. Zu verdanken hat sie das wohl auch ihrem einstigen Job: Als Pädagogin in basalen Förderklassen hat sie elf Jahre lang mit schwerstbehinderten Kindern von null bis acht Monaten gearbeitet. "Damals hab ich mir auch immer gedacht: ‚So schwer das alles ist – ich bin da, um zu helfen. Ich tue Gutes.‘ Und das hilft mir heute auch noch weiter, wenn es ganz schlimm ist."

Wenn es ganz schlimm ist, helfen auch ihre zwei erwachsenen Söhne und zwei Enkerl weiter. Oder als Ausgleich dreimal pro Woche Turnen und Laufen – dann tut sich Margarethe Krutak auch selbst mal etwas Gutes.

Zur Sache: Wiener Sozialdienste

Die Wiener Sozialdienste wurden vor 70 Jahren gegründet. Die mittlerweile 1.400 Mitarbeiter übernehmen neben Pflege für Bedürftige und Alte auch Beratungs- und Therapieangebote für alle Altersgruppen. Der Kontaktbesuchsdienst der Wiener Sozialdienste wurde heuer mit dem "Preis der Menschlichkeit" der Gesundheitsförderung ausgezeichnet. Info: 01/98121-1730.

Autor:

Andrea Peetz aus Wien

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