"Wir begleiten das Leben"

Obfrau Sabine Reisinger gründete den Verein Kinderhospiz Netz aufgrund eigener Betroffenheit.
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MEIDLING. Die Kraft zur Gründung des Kinderhospiz Netz gab Sabine Reisinger die eigene Tochter, die nach nur 66 Tagen auf einer Intensivstation gestorben war. „Das hat mich in meinem Wunsch, hier etwas grundlegend verändern zu wollen, bestärkt“, erzählt die geschäftsführende Obfrau.

Aktuell kümmert sich der unabhängige Verein um 35 schwersterkrankte Kinder, deren Eltern und Geschwister. Die Einrichtung finanziert sich über private Spenden.

Vielfältiges Angebot

„Bis 2005 gab es keinerlei mobile Betreuungsangebote für palliativ erkrankte Kinder und auch kein Bewusstsein dafür, wie dringend diese Art der umfassenden Betreuung und die Miteinbeziehung des Lebensumfeldes und der Familie sind“, so Reisinger.

Anfangs wurde hauptsächlich Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit geleistet. Doch bald wurde aus der Theorie gelebte Praxis, immer mehr Eltern wollten konkrete Hilfe und Begleitung. 2015 dann der Umzug in die heutigen Räumlichkeiten, in denen es seit 2016 auch ein Tageshospiz gibt. Dieses steht dreimal pro Woche und Samstags zur Verfügung.

"Wir ermöglichen eine umfassende Betreuung in der gewohnten Umgebung zu Hause. Die Kinder benötigen intensive, permanente Pflege. Auch ihre Eltern brauchen Hilfe, sie stehen vor psychischen, physischen, zeitlichen und finanziellen Herausforderungen“, erklärt die Obfrau. Neben Ärzten, Kinderschwestern, Pflegern, Pflegekräften, Sozialarbeitern, Physio- und Psychotherapeuten, einer Seelsorgerin und dem Organisationsteam arbeiten auch 50 geschulte ehrenamtliche Betreuer im Verein. „Wir bilden unsere Ehrenamtlichen in einem viermonatigen Kurs selbst aus. Heuer findet dieser schon zum zehnten Mal statt“, erzählt Reisinger. Freiwillige helfen und entlasten die Eltern im Alltag und kümmern sich auch liebevoll um die Geschwister der kranken Kinder, lernen und spielen mit ihnen oder machen Ausflüge.

Sicherheit und Liebe

„Ihr Kind ist unheilbar krank.“ - mit diesem Satz ändert sich das ganze Leben. Über 400 Kinder sterben jährlich in Österreich, oft nach langem Leiden an unheilbaren Krankheiten. In Wien und Umgebung sind 800 Kinder lebensbedrohlich krank. Oft sind Eltern überfordert. „Niemand muss mit der Diagnose alleine fertig werden. Wir helfen, wo auch immer es nötig ist, auch bei Zweifel und Fragen“, sagt Reisinger. Im Unterschied zum Erwachsenenhospiz, das man mit dem bevorstehenden Tod verbindet, ist das Kinderhospiz Lebensbegleitung und Einrichtung für mobile Betreuung und Hilfestellung und das für die ganze Familie. „Wir sehen uns auch als Ort der Begegnung“, erzählt die Obfrau.

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