15.03.2011, 03:47 Uhr

In memoriam: Unvergessener Peter Alexander

Autogramm von Peter Alexander, gesammelt von Sylvia in Wiesbaden (Rhein-Main-Halle), Februar 1982 (Foto: Quelle: Programmheft der Tournee Peter Alexander 1982)
Als "Wahl-Wienerin" (aus "Piefke"-Land) möchte ich es nicht versäumen, an dieser Stelle einen kurzen Nachruf auf den unvergessenen Peter Alexander an alle BZ-LeserInnen und Fans des großen Wiener Künstlers zu übermitteln.

Besonders die WienerInnen (und BZ-LeserInnen) werden "Peter den Großen" so wie ich noch in bester Erinnerung haben: mit seinem Wiener Charme, seinen unvergessenen Wiener Liedern und Hits wie "Das machen nur die Beine von Dolores", "Der letzte Walzer" oder "Die kleine Kneipe" (auf Wienerisch: "Das kleine Beisl") sang er sich rasch in die Herzen des Publikums.

Mit seinen lustigen Kinofilmen (allen voran "Charlys Tante", aber auch die "Pauker-Filme" der 60er Jahre wie "Zum Teufel mit der Penne" und "Hurra, die Schule brennt") sowie seinen gekonnten Parodien (von denen besonders der "Moser-Hans" in dem Lied "Verliebte muss man gar nicht erst in Stimmung bringen" unübertroffen bleibt!) sorgte er stets für gute Laune und ausgiebige Zwerchfell-Massagen!

Seine Fernsehshows (unter der Regie von "Traumschiff"-Produzent Wolfgang Rademann) waren bis in die 80er Jahre hinein ein Garant für hohe Einschaltquoten und gute Fernsehunterhaltung - selbst für eine leidenschaftliche Opernfreundin wie mich!

Am 30. Juni 1926 wurde "Peter der Große" unter dem Namen Peter Alexander Neumayer in Wien geboren. In der Sechsschimmelgasse 4 im 9. Wiener Gemeindebezirk (Alsergrund) wuchs er auf. Als Schüler des Döblinger Gymnasiums (Gymnasiumstraße 83 im 19. Bezirk) fiel er bereits durch seine Streiche auf: "Wir befanden uns mitten im Krieg. In allen Schulen standen Wassertonnen und große Papiersäcke mit Sand herum. Für den Fall eines Fliegerangriffes. Ich leerte einen dieser Papiersäcke, füllte ihn mit Wasser und schleppte ihn dann zum Fenster. Eigentlich hatte ich es auf einen meiner Spezies abgesehen..." (Zitat Peter Alexander, Quelle: Ganze Woche Nr. 7 vom 16. Februar 2011.) Die Wasserbombe jedoch traf seinen Mathematiklehrer! Das Ende vom "Lied" war, dass "Peter der Große" die Schule verlassen und in Znaim in einem deutschen "Staatsobergymnasium", einem besonders strengen Internat, seine restliche Schulzeit bis zur "Notmatura" verbringen musste!

Bereits während des Reichsarbeitsdienstes in Breslau schnupperte Peter Alexander Theaterluft: bei "Bunten Abenden" spielte er Klavier und servierte Sketche. 1944 wurde er zur Marine einberufen, erlebte das Kriegsende auf einer ostfriesischen Wiese und war vorübergehend in Kriegsgefangenschaft.

Im Mai 1946 kehrte er nach Wien zurück und konnte endlich seinen Wunsch, Schauspieler zu werden, in die Tat umsetzen: als 20jähriger erhielt Peter Neumayer ein Stipendium für das berühmte Wiener Max-Reinhardt-Seminar, das er 1948 als staatlich geprüfter Schauspieler verließ. Schon damals wurde sein komisches Talent entdeckt. Gelegentlich trat er auch als Sänger auf und entschied sich schließlich für den Künstlernamen "Peter Alexander".

Anfang der 50er Jahre erhielt er seinen ersten Schallplattenvertrag und wurde mit dem Lied "Das machen nur die Beine von Dolores" bekannt. Während der Proben zu seiner eigenen Sendung "Das alte Lied" beim Sender "Rot-Weiß-Rot" lernte er die Schauspielerin Hilde Haagen kennen, die er bereits am 22. September 1952 (vier Monate nach ihrem ersten Treffen!) heiratete.

"Schnurrdiburr", wie er seine Hilde stets liebevoll nannte, war von nun an nicht nur seine Ehefrau und Mutter der beiden Kinder Susanne und Michael, sondern wurde auch seine ständige Begleiterin, Managerin und die wichtigste Person in seinem Leben, ohne die seine Karriere gar nicht denkbar gewesen wäre!

Was dann folgte, war eine unvergleichliche Karriere mit nicht weniger als 60 (!) Kinofilmen, von denen "Charlys Tante", "Im weißen Rössl", "Saison in Salzburg" sowie die Graf-Bobby-Serie mit Gunther Philipp zu den Höhepunkten zählen.

1963 entdeckte das Fernsehen sein Talent als Showmaster. In seinen ZDF-Shows servierte "Peter der Große" jahrzehntelang seine Spezialitäten, die stets vom Feinsten waren und für hohe Einschaltquoten sorgten.

Nach dem Tod seiner geliebten Frau Hilde im Jahre 2003 und dem tragischen Unfalltod seiner Tochter Susanne (2009) zog sich Peter Alexander immer mehr in Einsamkeit zurück und verbrachte die meiste Zeit in seiner Villa in Döbling, dem 19. Wiener Gemeindebezirk.

Wie wir alle wissen, starb Peter Alexander am 12. Februar 2011 im Alter von 84 Jahren in seiner Villa in Döbling. Genau eine Woche später, am 19. Februar 2011, hatten seine Fans noch ein letztes Mal die Gelegenheit, sich von Peter dem Großen zu verabschieden: Tausende von Menschen erwiesen ihm in Halle 2 des Wiener Zentralfriedhofs die letzte Ehre, trugen sich in die Kondolenzbücher ein und sagten zum Abschied leise "Servus". Wenige Tage später fand das Begräbnis auf dem Grinzinger Friedhof statt - im kleinsten Familienkreis, so wie es sich Peter der Große gewünscht hatte.

Mit dem Ableben von Peter Alexander geht eine Ära zu Ende - eine Epoche großer Fernsehunterhaltung und unbeschwerter Kinofilme, die wohl so schnell nicht wiederkommt. Ein Stückerl "heile Welt", wie es viele von uns vermissen werden - gerade in Zeiten wie diesen!

So möchte auch ich an dieser Stelle Peter dem Großen mit einem Schmunzeln gedenken und sage zum Abschied leise "Servus"!

Liebe Grüße aus dem 12. Bezirk an alle BZ-LeserInnen

von der "Wahl-Wienerin" Sylvia Kreye
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Georg Ragyoczy aus Purkersdorf | 21.06.2011 | 23:04   Melden
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Alfred Doloscheski aus Vöcklabruck | 20.02.2013 | 05:55   Melden
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Sylvia Kreye aus Meidling | 15.03.2013 | 00:58   Melden
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