22.10.2014, 02:38 Uhr

Tiersegnung am Stephansplatz zum Welttierschutztag 2014

Franziskus predigt zu den Vögeln (Gemälde von Giotto di Bondone, um 1295) (Foto: Giotto di Bondone)
"Und Gott sprach: Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen auf Erden unter der Feste des Himmels.
Und Gott schuf große Walfische und alles Getier, das da lebt und webt, davon das Wasser wimmelt, ein jedes nach seiner Art, und alle gefiederten Vögel, einen jeden nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war.
Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich mehren auf Erden.
Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag.
Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendiges Getier, ein jedes nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art. Und es geschah so.
Und Gott machte die Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art und alles Gewürm des Erdbodens nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war.
Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.
Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.
Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.
Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise.
Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah so.
Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag."

Mit diesen Worten aus der Genesis (Kapitel 1, Verse 20-31, aus dem Ersten Buch Mose) eröffnete Dompfarrer Toni Faber die Tiersegnung am Stephansplatz am 5. Oktober 2014, die auch in diesem Jahr wieder anlässlich des Welttierschutztages vor dem Stephansdom stattfand und mittlerweile schon zu einer festen Einrichtung im Kalender der Dompfarre St. Stephan geworden ist.

Der Welttierschutztag kann bereits auf eine längere Tradition zurückblicken: zum Gedenken an den Heiligen Franziskus von Assisi, dem Schutzpatron der Tiere, der Natur und der Umwelt, der am Vorabend des 4. Oktober 1226 verstarb, wurde bereits 1931 der 4. Oktober zum Welttierschutztag erklärt.

Der Einsiedlermönch Franziskus von Assisi, der sein Leben in Demut, Armut und im Einklang mit der Natur verbrachte, um sich ganz in den Dienst Gottes zu stellen, war bereits im Hochmittelalter durch seine Vogelpredigt bekannt geworden und verstand es der Überlieferung nach sogar, den „Bruder Wolf“ zu zähmen. Vom Heiligen Franziskus stammt auch das folgende Zitat:

„Gott wünscht, dass wir den Tieren beistehen, wenn sie der Hilfe bedürfen. Ein jedes Wesen in Bedrängnis hat gleiches Recht auf Schutz. Alle Geschöpfe der Erde fühlen wie wir, alle streben nach Glück wie wir. Alle Geschöpfe der Erde lieben, leiden und sterben wie wir. Also sind sie uns gleich gestellte Werke des allmächtigen Schöpfers – unsere Brüder.“
(Franziskus von Assisi, 1182 – 1226)

Tiersegnungen sind in der katholischen Kirche längst zu einer schönen und langen Tradition geworden. Bei der Tiersegnung am Stephansplatz sprach Dompfarrer Toni Faber zunächst ein Segensgebet aus dem Benediktionale (dem Segensbuch der katholischen Kirche):

„Guter Gott. Du schenkst uns, was wir zum Leben brauchen. Du hast die Tiere erschaffen und uns als Helfer und Gefährten zur Seite gegeben. Wir bitten dich: Erhalte und bewahre alles, was auf Erden lebt. Schütze diese Tiere vor allen Gefahren, damit der Nutzen und die Freude, die sie uns bereiten, uns zu einem Zeichen deiner Großzügigkeit und Liebe werden. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.“

Zahlreiche Tierfreunde waren der Einladung gefolgt und erschienen zusammen mit ihren Lieblingen am Stephansplatz, um ihre Schützlinge segnen zu lassen. Um ängstliche Tiere vor unnötigem Stress zu bewahren, hatten viele Tierfreunde auch ein Foto ihres Lieblings mitgebracht, um sich den Segen für ihr Haustier abzuholen.

Viele der mitgebrachten Hunde schienen es zu genießen: freudig beschnupperten sie ihre Artgenossen und holten sich von den Menschen ihre Streicheleinheiten ab, während sie auf den Segen des Pfarrers warteten. Nach den vielen Hunden, Katzen, Meerschweinchen und anderen Haustieren wurden natürlich auch die Fiaker-Pferde bedacht: auch sie erhielten von Dompfarrer Toni Faber den Segen und geweihtes Brot.

Mit dieser Veranstaltung wollte die Tierschutzstiftung auch ein Zeichen setzen für die vielen armen Tiere, die kein liebevolles Zuhause haben. So ließen Mitarbeiterinnen der Tierschutzstiftung zum Abschluss der Veranstaltung noch hunderte Luftballons steigen für das neue TierQuarTier Wien, das im März 2015 eröffnet werden soll. Natürlich durfte auch Maggie Entenfellner von der Tier-Ecke der Kronenzeitung bei dieser Veranstaltung nicht fehlen! So konnten für das neue TierQuarTier bereits jetzt zahlreiche Spenden gesammelt werden.

Auch mich als Tierfreundin aus Nordrhein-Westfalen, die in der evangelischen Tradition aufgewachsen ist, hat die Tiersegnung am Stephansplatz, die überdies noch von festlicher Bläsermusik und Gesängen umrahmt wurde, sehr angerührt. An diesem Tag wurde mir einmal mehr klar, was ich an der katholischen Tradition so sehr schätze und in der evangelischen Kirche leider so oft vermisse: nämlich die Betrachtung und Einbeziehung der gesamten Schöpfung in die kirchlichen Handlungen, die allumfassenden Fürbittengebete, die nicht nur die Lebenden, sondern auch die Verstorbenen stets mit einschließen – und nicht zuletzt die sehr feierlichen Gottesdienste und Segnungen, die sowohl den Menschen als auch den Tieren, der gesamten Schöpfung, zugute kommen. Beim nächsten Mal werde ich wohl wieder dabei sein – und wer weiß: vielleicht sogar mit einem eigenen oder anvertrauten Tier?

Ich hoffe, dass es mir meine beruflichen Verpflichtungen irgendwann erlauben werden, mir endlich meinen Kindheitstraum zu erfüllen und mir einen Hund anzuschaffen! Und dann werde ich meinen tierischen Begleiter ebenfalls zum Stephansplatz mitbringen und segnen lassen.

Wenigstens hatte ich es noch geschafft, schnell noch ein paar frische Karotten für die Fiaker-Pferde einzustecken – und auch diese empfingen von Dompfarrer Toni Faber noch rasch den Segen, bevor ich sie den Pferden als Kraft- und Vitaminspender darreichen durfte!
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