Orange the World im Bezirk Melk
"Gewalt im Haushalt trifft auch die Kinder" (mit Video)

Ingrid Lebersorger, Eveline Tanzer, Ulrike Koller und Karin Emsenhuber
  • Ingrid Lebersorger, Eveline Tanzer, Ulrike Koller und Karin Emsenhuber
  • Foto: sterngasse*
  • hochgeladen von Daniel Butter

Orange the World: Melks Soroptimistinnen sprechen über Missstände in heimischen Haushalten.

BEZIRK. Es ist in unserer Gesellschaft noch immer weit verbreitet: Gewalt – egal ob physischer oder psychischer Natur – ist noch immer in vielen Haushalten vorhanden. Ganz besonders Frauen und Kinder sind immer wieder in einem tyrannischen Umfeld regelrecht gefangen.

Opferrolle wird umgedreht

"Es kommt leider viel zu oft vor, dass selbst wenn Frauen oder auch den Kindern Leid angetan wird, diese nicht die Opferrolle annehmen, sondern dem einst geliebten Menschen noch untertänig sind", sagt die Opfer-Vertreterin Ulrike Koller. Sie und ihre Melker Soroptimistinnen-Kolleginnen Karin Emsenhuber (Familienrichterin), Eveline Tanzer (Psychotraumatologin) und Ingrid Lebersorger (Ärztin) wollen mit der UN-Aktion "Orange the World" verstärkt auf das Thema aufmerksam machen.

30 Frauenmorde 2021

"Alleine dieses Jahr gab es in Österreich schon 30 Femizide – Morde an Frauen. Ein sehr trauriges Zeichen. Leider ist Gewalt innerhalb der Familie noch immer ein Tabuthema, welches gebrochen werden muss", sagt Eveline Tanzer. Dabei sollen nicht nur Frauen und Kinder animiert werden, dass sie Hilfe in Anspruch nehmen sollen, sondern auch aufmerksame Nachbarn sollen durch Meldung des Umfeldes mithelfen. "Woran man auch denken muss: Kinder nehmen diese Gewalt wahr, auch wenn ihnen nichts geschieht, sondern ,nur‘ der Mutter, und werden im Alter dann vom Opfer zum Täter und leben diese Gewalt später weiter, da sie glauben, dass es völlig normal ist", zeigt Tanzer auf, dass man bei aller Gewalt an Frauen auch nicht auf die Kinder vergessen darf.

"Frauen müssen aussagen"

Alle vier Damen appellieren ebenso an die unterdrückten Frauen, den Mut zu haben, gegen den "Täter" eine Anzeige zu erstatten und dann auch vor Gericht auszusagen. "Ich hatte leider erst wieder einen Fall, wo vor der Verhandlung die Frau nicht aussagen wollte, obwohl nicht nur psychische sondern auch physische (der Mann hat ihr mehrmals in den Bauch getreten) Beweise vorlagen. Dies war zwar dem Richter genug um ihn zu verurteilen, aber nicht mit dem ursprünglichen Strafmaß", so Koller.

Wichtige Instrumente gegen die Gewalt innerhalb der Familie sieht Karin Emsenhuber auch an den Betretungsverboten: "Alleine in Scheibbs gab es in diesem Jahr 13 Anträge. Die Familien können sich für eine bestimmte Zeit von den Machtspielen befreien." Doch auch hier kommt es immer wieder zu "Rückfällen", wo die Frauen trotz der tyrannischen Zustände, ihrem Mann bzw. Ex-Mann bei Wohnungssuche, finanziellen Angelegenheiten und noch mehr helfen. Zudem gibt es auch die Möglichkeit der geschützten Unterkunft in einem Frauenhaus.

Bei den Männern ansetzen

Ein Mittel dagegen könnte etwa das Ansetzen bei der Täterarbeit sein. "Es gibt Männerberatungsstellen, wo etwa gewaltbereiten Männern geholfen werden kann. Nach sechs Stunden Täterarbeit eruiert der Verein ,Neustart‘ dann, wie der Person weitergeholfen werden soll", erklärt Ingrid Lebersorger.

Hilfe-Hotlines

Frauennotruf: 01/71719
Frauenhelpline: 0800/222555
Männernotruf: 0800/246247
Männerinfo: 07207/04400
Opfernotruf: 0800/112112
Polizei: 133
Rettung: 144
Ärztenotruf: 141
Rat auf Draht : 147
Euronotruf: 112

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