"Home-learning" zu Corona-Zeiten

Von der Pendlerin zur Heimarbeiterin: ein Bericht über das Studieren von zu Hause aus.

MELK. Meine Name ist Melanie Grubner und ich bin Studentin und nebenbei Redakteurin bei den Bezirksblättern. Manche kennen mich, weil sie schon mal von mir fotografiert wurden und danach auf einer der Leute-Seiten aus der Zeitung lachten.
2017 habe ich meinen Vollzeitjob an den Nagel gehängt und begann das Bachelor-Studium "Bildungswissenschaft" an der Universität Wien. Bis vor kurzem bestand mein Alltag wochentags darin von meinem Wohnort Melk nach Wien zu pendeln um dort in Hörsälen und Seminarräumen Lehrveranstaltungen zu genießen. Die Wochenenden verbrachte ich meist damit mir mein Leben zu finanzieren, indem ich für die Bezirksblätter Berichte schrieb. Seit wenigen Wochen ist das alles etwas anders.

Das Ende des Alltags

Nach der Pressekonferenz der Bundesregierung am 11. März trudelte ein Mail des Rektorats der Uni bei mir ein: Bis nach Ostern würde der Studienbetrieb auf "Home-Learning" umgestellt. Was das genau bedeutet, würden die einzelnen Lehrveranstaltungsleiter noch ausschicken. Erstmal änderte sich für mich also nicht viel, selbstständiges Erarbeiten von Studieninhalten ist an der Universität ohnehin normal und das sind auch alle gewohnt. Für mich gab es sogar einen Vorteil: Drei Stunden Pendeln von und zur Uni nach Wien fielen weg. Ein bisschen beunruhigt war ich allerdings aufgrund meiner finanziellen Situation.

Prekäre Beschäftigung

Da ich erst nach acht Jahren Vollzeitarbeit zu studieren begann, bin ich "Selbsterhalter-Stipendiatin", das bedeutet ich bekomme ein Stipendium mit dem ich mir (unter gewissen Auflagen und mit Notennachweisen) das Studium finanziere. Da dies – auch wenn der Name es vermuten liese – schwer zum leben reicht, arbeitete ich von Beginn an bei den Bezirksblättern als freie Redakteurin. So komme ich über die Runden. Mit einem Virus, das Veranstaltungen jeglicher Art unmöglich macht, wird das schwieriger. Da ich auf Werksvertragsbasis arbeite gibt es für mich keinerlei Absicherung. So schrumpfte mein Einkommen von heute auf morgen gehörig zusammen. Ich zähle mich jedoch zu den Glücklichen, ich habe mein Stipendium, das mich zumindest meine Fixkosten bezahlen lässt. Viele Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen haben von heute auf morgen jegliches Einkommen verloren und stehen vor dem Nichts.

"Home-Learning"

Nach wenigen Tagen wurden alle meine Lehrveranstaltungen auf online umgestellt. Vorlesungen bestehen nun aus dem Lesen von diversen Büchern oder dem Ansehen von Videos, die von den Lehrenden auf die Uni-Lernplattform gestellt werden. In Seminaren, die in Kleingruppen stattfinden, gestaltet sich die Verlagerung ins Internet etwas schwieriger. Hier gibt es nun mehr Schreibaufgaben und Austausch in Foren. Auch ein Referat hielt ich schon in Form eines "Powerpoint-Videos", was eine sehr interessante Erfahrung darstellte.

Wissenschaftliches Interesse

Mein Studium ist ein Sozialwissenschaftliches, das bedeutet, dass es sich mit dem Zusammenleben von Menschen befasst. Von meinem Studiengang wurde ein Forschungsprojekt gegründet, an dem ich mitarbeite und das sich mit den sozialen Auswirkungen der "Coronakrise" befasst. Daran merke ich wieder, wie toll mein Studium ist: Wenn die Krise nicht nur bewältigt werden muss, sondern produktiv genutzt werden kann, um die Auswirkungen auf Menschen zu untersuchen.

Autor:

Melanie Grubner aus Melk

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