Spekulationsgeschäfte im Bezirk Melk
Investitionen in Kryptowährungen veruntreut

Der 39-jährigen „Bitcoin-Millionär“ betritt den Saal.
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  • Der 39-jährigen „Bitcoin-Millionär“ betritt den Saal.
  • Foto: Ilse Probst
  • hochgeladen von Daniel Butter

BEZIRK. Schwerer gewerbsmäßiger Betrug, Veruntreuung und falsche Zeugenaussage lauten die Anklagepunkte des St. Pöltner Staatsanwalts Karl Wurzer gegen einen 39-jährigen Arbeiter aus dem Bezirk Melk, der sich vor der Polizei selbst als „Bitcoin-Millionär“ ausgegeben haben soll.

42.000 Euro entlockt

Der achtfach vorbestrafte Mann bekannte sich gegenüber Richter Slawomir Wiaderek nur teilweise schuldig, einer Frau und zwei Männern aus dem Bezirk Melk und aus dem Pielachtal insgesamt 42.000 Euro mit dem Versprechen, das Geld gewinnbringend in Kryptowährungen anzulegen, herausgelockt und in die eigene Tasche gesteckt zu haben.

Seit 2016 habe er selbst etwa 50.000 Euro in Kryptowährungen investiert, damit aber keinen Gewinn gemacht. Für Weiterempfehlungen habe er von einem Unternehmen jedoch rund 30.000 Euro an Provisionen erhalten. „Ein bis zwei Jahre ist alles ganz gut gegangen“, erklärte er vor Gericht, schließlich habe er aber mehr verloren als verdient.

Im großen Stil Bitcoin traden

Mit seiner Werbung auf Facebook gelang es ihm, einem 29-Jährigen 11.000 Euro abzuschwatzen, indem er behauptet habe, dass er „im großen Stil Bitcoin tradet“. Leichtgläubig überwies das Opfer den Betrag an das Bitcoin-Wallet des Beschuldigten, der 9.000 Euro davon selbst einsteckte.

Eine Bekannte habe ihn gebeten, 28.000 Euro zu investieren, wovon er 20.000 bei einem Unternehmen veranlagt habe, dem die Finanzmarktaufsicht 2018 den Hahn für dieses Geschäftsmodell zudrehte. Das Geld sei noch in seinem Wallet, behauptete er, derzeit könne er es aber nicht beheben. Darüber hinaus wartet die 37-Jährige noch auf 1.000 Euro, die sie dem Angeklagten für seinen Umzug geborgt habe.

Falschaussage und Vortäuschung

Im Sommer 2017 half der Onkel des Beschuldigten aus. Er überließ dem Neffen 5.000 Euro für angebliche Investitionen in Kryptowährungen, am Ende des Jahres war die Rückzahlung vereinbart. „Was er damit gemacht hat, weiß ich bis heute nicht“, meinte der 58-Jährige.

Im November 2018 erstattete der 39-Jährige Anzeige bei der Polizei. Er habe den Code, mit dem er auf das Geld zugreifen könne, auf seinem Handy gespeichert, das bei einem Ausflug in einen Teich gefallen sei. Vor der Polizei habe er behauptet, dass Währungsbestände von seinem Wallet abgebucht worden seien. Für Wurzer handelt es sich dabei um Falschaussage und die Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Tat, was der Angeklagte bestreitet. Der Prozess wurde damit zur Einvernahme weiterer Zeugen vertagt.

Autor:

Daniel Butter aus Melk

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