22.11.2016, 09:46 Uhr

Bezirk: "Die Demenz ist leider ein Tabuthema"

Petra Köfinger vom Hilfswerk NÖ berät Angehörige.

Im Bezirk gibt es eigene Beauftragte, die Betroffenen und Angehörigen bei dieser Krankheit unterstützen.

BEZIRK. "Es ist leider noch immer ein großes Tabuthema in der Bevölkerung. Doch das Leben mit Demenz sollte trotzdem ein lebenswertes bleiben und nicht als etwas 'Peinliches' dargestellt werden", sagt die Demenzbeauftragte vom Hilfswerk, Petra Köfinger.

Herausfordernd, aber schön
Dass der Umgang mit von Demenz betroffenen Personen nicht immer leicht ist, weiß sie aus der Praxis. "Es ist zwar herausfordernd, aber auch schön, wenn man sieht, wie diese Menschen im Alltag damit umzugehen lernen", so die Beauftragte. Besonders Angehörige sind oft mit dieser neuen Situation überfordert. "Es ist sehr wichtig, normale Alltagsaktivitäten mit den Betroffenen durchzugehen. Wenn die Person beispielsweise gerne kocht, soll man sie weiterhin kochen lassen oder mit ihr den Einkauf tätigen oder erledigen lassen", rät die Hilfswerkmitarbeiterin, "auf jeden Fall sollte man sie dabei unterstützen."
Denn nur mit entsprechenden geistigen und körperlichen Aktivitäten lässt sich die Demenz, die nicht heilbar ist, zumindest ein wenig bremsen. "Die Angehörigen sollten unbedingt zusätzliche Hilfe in Anspruch nehmen, denn es besteht die große Gefahr, dass man irgendwann an der Situation zerbricht", rät Petra Köfinger.

Drei Stufen der Demenz
Insgesamt gibt es drei Stufen der Demenz: Leichte Demenz herrscht vor, wenn die Person vergesslich wird oder wenn gewisse Aktivitäten nicht mehr so leicht von der Hand gehen. Da sollte man ein bis zwei Mal in der Woche Beistand leisten. Bei der mittleren Stufe wird eine intensivere Betreuung angeraten. Bei der Stufe "schwer" ist eine 24 Stunden-Betreuung oder ein Platz im Pflegeheim schließlich unumgänglich.

Mit der Demenz leben lernen
Die 91-jährige Herta Haiszan, die mit ihrem Mann Fritz in einer Wohnung in Gaming lebt, leidet seit einiger Zeit an Demenz und hat gelernt, damit umzugehen.
"Mein Mann Fritz und ich, mit dem ich seit 69 Jahren glücklich verheiratet bin, ergänzen uns wirklich perfekt. Ich bin körperlich topfit und er ist geistig voll auf der Höhe, obwohl er zwei Jahre älter ist als ich. Es war mir immer wichtig, so unabhängig wie möglich zu bleiben, aber seit einiger Zeit vergesse ich leider vieles. Unsere Nachbarin in Gaming unterstützt uns, und ab und zu mache ich ein paar Wochen 'Urlaub' im Landespflegeheim in Scheibbs, wo man sehr gut aufgehoben ist. Ich will auf alle Fälle 100 Jahre alt werden", so Herta Haiszan aus Gaming.

Demenz-Vorträge in der Region
"Wir bieten übrigens für alle Gemeinden im Mostviertel Vorträge zum Thema Demenz an", gibt Köfinger abschließend noch einen Tipp, wie man sich schon vorher darüber informieren kann.

ZUR SACHE

Das Gedächtnis lässt nach. Man vergisst häufiger etwas. Das Verrichten einfacher, vertrauter Dinge fällt immer schwerer: Das können erste Anzeichen einer beginnenden Demenz sein. Wichtig: Eine frühzeitige Diagnose und individuelle Therapie können den Krankheitsverlauf der Demenz effektiv bremsen.
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