Offener Keller war eine "Schnapsidee"

emmerich haimer offener keller erfinder

Der Poysdorfer Erfinder des offenen Kellers hat am vergangenen Wochenende seinen Keller zum letzten Mal geöffnet gehabt.
POYSDORF. Ein gutes Beispiel, wie Privatinitiativen den Weinviertler Tourismus weiterbringen können, ist der Poysdorfer Winzer Emmerich Haimer: Er kam vor nunmehr 17 Jahren beim Schnapsbrennen auf die Idee, dass in der Weinstadt doch eigentlich jeden Tag jemand seinen Keller geöffnet haben müsse, um die Gäste zu bewirten.

Idee beim Schnapsbrennen
Aus dieser „Schnapsidee“ wurde ein Konzept, das im gesamten Weinviertel erfolgreich umgesetzt werden konnte. Anfangs nur von Frühjahr bis Herbst, inzwischen ganzjährig und mit vielen weiteren guten Beispielen. „Allein im Raum Poysdorf beteiligen sich heute um die 30 Winzer am offenen Keller“, sagt Bürgermeister LA Carlo Wilfing.
Der Gemeindechef dankte Haimer in der Vorwoche für seine Initiative mit einer Urkunde. „Wir bräuchten noch viel mehr Privatinitiative im Weinviertel. Was die Menschen hier selbst auf die Beine stellen, kann gar nicht hoch genug geschätzt werden“, sagt Wilfing.
Mit dem offenen Keller hat auch der Direktverkauf eine neue Schiene bekommen. Heute bricht der Weinmarkt Poysdorf alle Rekorde: Im ersten Halbjahr 2010 konnte der Absatz um 32,4 Prozent auf insgesamt 30.000 Flaschen Wein gesteigert werden. Etwa 30 Winzer bieten ihr Sortiment an Weiß- u. Rotwein, Sekt u. Schaumwein an. „Besonders hoch ist der Zuwachs an tschechischen und polnischen Kunden“, sagt Bgm. Wilfing. So hat die verkehrsreiche Brünner Straße wenigstens einen positiven Effekt.

In Ruhestand
Doch zurück zum Pionier des offenen Kellers: „Haimer und alle anderen Teilnehmer an dieser Idee haben dafür gesorgt, dass unsere Gäste nun jeden Tag einen offenen Keller vorfinden und der Tourismus in der Region sich positiv entwickeln konnte“, dankt Wilfing allen Beteiligten für ihre Initiative.
Und Emmerich Haimer wünschte Bürgermeister Wilfing einen angenehmen, langen und gesunden Ruhestand beim einen oder anderen Glaserl Wein.

Kommentar von Ewald Schingerling:

Tourismus-Ideen
In den vergangenen Wochen haben wir über die Mängel im Weinviertler Tourismus berichtet.
Heute ist es genau umgekehrt: Mit Emmerich Haimer geht jemand in Pension, der viele Ideen, viel Freizeit und anfänglich auch viel Überzeugungskraft investiert und so einen wichtigen Beitrag für den Weinviertler Tourismus geleistet hat. Denn es war kein leichter Weg, die Idee des offenen Kellers flächendeckend umzusetzen.
Wobei flächendeckend nicht ganz richtig ist. Denn auch heute gibt es noch etliche Orte, in denen Gäste von Heurigen zu Heurigen irren, ohne etwas serviert zu bekommen. Immer noch sperren vielerorts alle gemeinsam zu – und die Touristen müssen durstig bleiben.
Emmerich Haimer war also ein Vorkämpfer einer Idee, die immer noch nicht von allen verstanden wurde: Wenn wir Geschäfte mit Gästen machen wollen, dann müssen wir ihnen auch etwas bieten.

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