Fakten sind besser als Panik
Der Wolf kehrt zurück

Alpakazüchter Manuela Mayer und Dominik Wlcek mit Wolfsexperten Daniel Heindl (li) und Kurt Kotrschal (re)
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SIEBENHIRTEN (ega). Beate Kainz, Gemeinderätin in Gänserndorf, lud hochkarätige Experten zum Thema Wolf in die „Alpakazucht Siebenhirten“ zu Manuela Mayer und Dominik Wlcek. Ihr Ansatz zum Thema Wölfe im Weinviertel: „Bevor Panik ausbricht, sollten Fakten auf den Tisch“. In diesem Sinne referierten Wolfexperte Kurt Kotrschal, Biologe und Verhaltensforscher der Uni Wien und Georg Rauer vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde an der Veterinärmedizin und Wolfbeauftragter des Landes Niederösterreich. Daniel Heindl, Landeskammerrat in der Landwirtschaftskammer, selbst Landwirt und Jäger, behandelt die praktische Umsetzung der gegebenen Richtlinien vor Ort in den Betrieben. Selbst Landwirt und Jäger, ist Heindl als Klientelvertreter und Berater für die Erstellung geeigneter Rahmenbedingungen bei Wolfsrissen in Herden und für ein Gleichgewicht im Wechselspiel Beutetier- Wolf bei Wildtieren zuständig.
Sind Alpakas durch Wölfe gefährdet?
In einem ersten Programmpunkt präsentierten die Alpakazüchter ihre momentan 32 Tiere umfassende Herde in Siebenhirten, Dominik Wlcek erläuterte Zuchtziele, Haltung, Genetik und Anpassung der neugierigen Herdentiere an ihr neues zu Hause. Ursprünglich aus den peruanischen Anden kommend, mussten sich die Herden dort gegen ihren härtesten Feind, den Puma, bewähren. So koten Alpakas beispielsweise nur auf einem gemeinsamen Platz mit dem Ziel, eine Geruchsspur, anhand der ein Jäger der Herde folgen könnte, zu vermeiden.
Geeignete Zäune sind das Um und Auf
Die Zäune rund um die neue Alpaka-Weide wurde von den Experten auf Wolfsicherheit überprüft und für tauglich eingestuft. Wolfzäune sollten mindestens 110 cm hoch sein und eine zusätzliche stromführende Litze in höchstens 35cm Höhe außerhalb des Zaunes soll ein Durchschlüpfen von Wölfen verhindern. „Auch gegen Füchse und Hunde ist ein derartiger Zaun sehr wirkungsvoll“ bestätigte Kurt Kotrschal. Und der Verhaltensforscher weiter: „Wenn ein Wolf frühzeitig die unangenehme Erfahrung mit Strom gemacht hat, wird er die Nähe von Weidezäunen immer meiden. So sind Herden optimal geschützt. Nur in allerseltensten Fällen wurde von Wölfen berichtet, die springen gelernt haben. Dann schützt ein Hütehund die Herde optimal“. Aus Italien, Frankreich und der Schweiz gibt es eine Menge Erfahrungsberichte, wie mit Wölfen in der Nähe von Zuchttieren umzugehen ist.
Der Wolf, seit über 35 000 Jahren Begleiter der Menschen, war viele Jahrtausende lang wertvoller Jagdpartner des Menschen, wahrscheinlich auch Beschützer der Lager von Jägern und Sammlern in der Steinzeit. Die ersten Hunde wurden damals selektiert und nur in der gemeinsamen Jagd ist das Erlegen von Großtieren vorstellbar. Erst viel später wurde der Wolf als Nahrungskonkurrent zum Feindbild, die Ausrottung in Mitteleuropa stand kurz bevor. Nun ist er zurück, nur die Landschaft ist nicht mehr dieselbe, er kehrt in eine Kulturlandschaft heim, was problematisch sein kann.
Kontakt zu Menschen ist unbedingt zu vermeiden.
Die beste Strategie gegen „Problemwölfe“ ist: Null Kontakt zu Menschen, sind sich die Experten einig. Die Wölfe des WolfScienceCenter Ernstbrunn dienen nur zu vergleichender Verhaltensforschung.
Die aktuell besonders große Menge an Wildtieren in unseren Wäldern gewährleistet, dass die vorhandenen Wölfe nicht auf eingezäunte Tiere angewiesen sind. Diese streifen im Weinviertel manchmal im Gebiet nördlich von Mistelbach umher, Familien haben sich im Waldviertel angesiedelt. Aktuell gibt es drei Wolfsfamilien die Jungtiere und Welpen bei sich haben: Die erste Familie ist seit 2016 im Raum Allentsteig bekannt, die Zweite im Gebiet um Bad Groß Pertholz und eine dritte Wolfsfamilie hat sich 2018 im Gebiet um Litschau niedergelassen. Die Wolfsterritorien sind aber sehr groß, Jungtiere wandern 300 oder auch 1000 km weiter. Die 16 Allentsteiger Jungtiere sind, um den Menschenkontakt zu vermeiden, nicht mit Sendern versehen. So ist man auf Sichtungen angewiesen um herauszufinden, wo die 16 jungen Wölfe geblieben sind.
2018 waren in Österreich gesamt 20-25 Wölfe in Rudeln und ca. 10-15 Tiere einzeln unterwegs. Daneben gibt es immer wieder Sichtungen von „Durchreisenden“, die im Wienerwald, aber auch im Kärntner Grenzgebiet oder in Vorarlberg auftauchen. Falls es zu Rißschäden kommt, gibt es seit März einen Fördertopf der EU. Das Land muss sich die Gelder nur noch abholen, um  Geschädigte zu entlasten.
Von 2019 gibt es noch keine Daten, es werden heuer aber mehr Wolfsichtungen als bisher erwartet.

Autor:

Eva-Maria Gabriel aus Mistelbach

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