Die Vertreibung der Sudetendeutschen wirkt noch heute nach.
Spurensuche nach 75 Jahren

Hochaktuell in der Laaer Burg: Geschichtsaufarbeitung von Nachbarn
Werner Fasslabend, Manfred Frey, Niklas Perzi, Christoph Benedikter, Ondrej Matejka und Brigitte Ribisch
  • Hochaktuell in der Laaer Burg: Geschichtsaufarbeitung von Nachbarn
    Werner Fasslabend, Manfred Frey, Niklas Perzi, Christoph Benedikter, Ondrej Matejka und Brigitte Ribisch
  • Foto: Eva Gabriel
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LAA/THAYA (ega). Der Verein zur Dokumentation der Zeitgeschichte lud zur Podiumsdiskussion in die Laaer Burg. Alois Mock gründete den Verein vor 30 Jahren anlässlich des Falls des Eisernen Vorhangs in Weitra im Waldviertel. Um auch im grenznahen Weinviertel präsent zu sein, wandte sich der jetzige Präsident Werner Fasslabend an Brigitte Ribisch. Laas Bürgermeisterin freute sich über eine hochkarätig besetzte Runde an Diskutanten in der neu renovierten Burg.
Generalsekretär Christoph Benedikter führte durch den Abend. Thema waren Konsequenzen und Probleme, die aus den Vertreibungen der deutschsprachigen Minderheit ab 1945 aus der Tschechoslowakei bis heute bestehen, nicht um Trauer oder Anklage. Als Zeitzeuge konnte Manfred Frey, ehemaliger Präsident-Stv. der Österreichischen Nationalbank, ein anschauliches Bild über die Erfahrungen seiner Familie zeichnen. Die Historiker Niklas Perzi aus Österreich und Ondrej Matejka aus Tschechien beleuchteten kritisch den Umgang mit der Geschichte der Vertreibung von drei Millionen Sudetendeutschen. Und Niklas Perzi präsentierte ein neues Buch, „Nachbarn- Ein österreichisch-tschechisches Geschichtsbuch“, das eine Kooperation von österreichischen und tschechischen Autoren darstellt.
Ondrej Matejka berichtet von einer Umfrage zur Geschichtsaufarbeitung in Tschechien zu den Benes -Dekreten. Daraus geht hervor, dass die tschechische Bevölkerung seit 2010 die Vertreibung der Sudetendeutschen als ungerecht empfindet, was eine tiefgreifende Änderung in der öffentlichen Haltung bedeutet.
Werner Fasslabend zeigte die gravierenden Folgen auf, die durch die Entfernung von 3 Mio. Menschen entstanden: 1500 Orte verschwanden an Tschechiens Nord-, Süd- und Westgrenzen. Damit entstand Isolation zu den Nachbarn in vielfacher Hinsicht. Heute noch erkennbar an den Außenhandelsbeziehungen, die zu Tschechien um ein Drittel weniger sind als zu vergleichbaren Staaten wie Ungarn, Slowenien oder der Slowakei. Und auch die Rolle Tschechiens in der EU scheint eine Spätfolge der (Selbst)Isolation zu sein.
„Viele kleine gemeinsame Schritte zu einem gemeinsamen Europa muss die Lösung sein“, lud Bürgermeister Ribisch die Runde nach Corona nochmals nach Laa ein.

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