16.09.2014, 10:04 Uhr

"Hilfe, ich erbe ein Haus"

Die Gebäudesubstanz verschlechtert sich über die Jahre. Oft muss das Haus schlussendlich abgerissen werden. (Foto: privat)

Der Leerstand und Verfall von alten Häusern wird in immer mehr Gemeinden zum Problem.

BEZIRK (mk). Matthias Hartmann, Bürgermeister in Unterstinkenbrunn, hat sich dieser Problematik angenommen und sogar seine Bachelorarbeit darüber geschrieben. "Vorab untersuchte ich die derzeitige Situation des ungenützten Wohnraums, mit dem Ergebnis, dass es in der Gemeinde ca. 10 % Leerstand gibt", berichtet Hartmann. Ein Großteil blieb bereits über viele Jahre ungenützt und die Gebäudesubstanz ist deshalb in vielen Fällen abbruchreif.

Laut einer Berechnung der Fa. Berthold aus Stronsdorf muss man für ein ca. 50 Jahre altes Wohnhaus mit 150 m² in etwa € 10.000 Entsorgungskosten veranschlagen. "Mich interessierte jedoch die Einstellung der Liegenschaftsbesitzer und ihre Perspektiven für ihr Eigentum. Deshalb wählte ich in Einzelinterviews Personen aus unterschiedlichen Gruppen aus", so Hartmann.

Die Befragung zeigte, dass der Leerstand oft dadurch entsteht, dass Wohnraum von einer Generation geschaffen und bewohnt wird, die nächste Generation diesen teilweise weiter nutzt und erhält, und in dritter Generation diesen durch die geänderten Wohnbedürfnisse nicht mehr akzeptiert.

Bei fast allen Objekten fand ein Eigentümerwechsel nur innerhalb der Familie statt. 80 % der Befragten möchten ihr Eigentum weiterhin nur innerhalb der Familie weitergeben. Obwohl die Erhaltungskosten hoch sind, kommt ein Verkauf oft nicht infrage. In den meisten Fällen hofft man auf Bedarf innerhalb der Familie. Der langsame Verfall eines Gebäudes bei Nichtnutzung ist allen bewusst, wird aber in Kauf genommen mit der Konsequenz, dass schlussendlich nur mehr ein Abriss des Gebäudes übrigbleibt.

Schuttberg als Konsequenz
"Mir ist aufgefallen, dass ein vererbtes Haus oft eine Belastung ist, vor allem wenn das Gebäude quasi abbruchreif ist. Eine Vermietung könnte zum Erhalt der Bausubstanz und zur finanziellen Entlastung beitragen. Der Wille dazu muss allerdings von den Eigentümern selbst kommen. Mit der Vererbung eines Schuttberges ist jedenfalls keinem geholfen", so das Resultat des Bürgermeisters.
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